Am von Eva Piepenbrock

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Autonomer Schlepper

Alte Hasen, neue Ära

Neustart in der Landtechnik: Das niederländische Start-up „AgXeed“ entwickelt einen autonomen Schlepper. Die Gründer profitieren dabei von über 70 Jahren Branchenerfahrung, wollen aber eigentlich nur nach vorne schauen. Die Devise: Kein Klimbim. Nur Nutzen.

Wer an einen Traktor denkt, denkt ihn meistens in einer bestimmten Farbe. In der Vorstellung ist er natürlich groß und zuletzt immer noch größer geworden. Er zieht Grubber, Drille oder Gülletonne und hält die Spur von  ganz allein. In der Kabine herrscht Komfort mit Klimaanlage und Kühlfach. Stundenlang Schlepper fahren – für Landwirte zumindest eine von vielen Lieblingsbeschäftigungen. Doch damit könnte es nach Ansicht von „AgXeed“ bald vorbei sein. 
Das niederländische Start-up wurde von sechs waschechten Landmaschinen-Fans ins Leben gerufen. Zusammengerechnet kommen Joris Hiddema, Lars Schmitz, Sander Pop, Daan Schell, Rienk Landstra und Philipp Kamps auf über 70 Jahre Erfahrung in der Landmaschinenbranche. Sie blicken auf Karrieren bei vielen namhaften Herstellern zurück. Und doch zeichnen sie ein anderes Bild vom perfekten Traktor. Dort spielen Farbe, Kabine und das ewige Höher-schneller-weiter keine Rolle. AgXeed will eine neue Ära einläuten und entwickelt seit 2018 einen autonomen Schlepper, den „AgBot“. Er soll schaffen, was die etablierte Landtechnikbranche nach Ansicht der Gründer in den vergangenen Jahren vernachlässigt hat: den echten Bedarf des Landwirts und seinen Nutzen in den Mittelpunkt stellen.

Das ist der AgBot

Der fahrerlose Schlepper kann handelsübliche Anbaugeräte ziehen. Er ist rund 5t schwer und mit einem 115 kW-Dieselmotor ausgestattet. Sein Einsatzspektrum bewegt sich im Bereich eines 150 bis 200-PS-Traktors. Damit ist der AgBot größer als derzeit häufig diskutierte Schwarmroboter. Aber kleiner und leichter als autonome Großtraktoren.
Mit dem AgBot soll der Bodendruck gering sein. Auch der Transport dürfte dank kompakter Maße und geringerer Achslasten kein Problem sein. Der Antriebsstrang und die Zapfwelle arbeiten bereits elektrisch. Langfristig soll auch der Diesel durch Strom ersetzt werden. Alles Schritt für Schritt.

Kein Klim Bim

Mit dem anfangs beschriebenen Traktor hat der AgBot also nicht viel zu tun. Und das ist volle Absicht. Das Team will neu anfangen. Zur Erklärung erzählt Joris Hiddema von Erfahrungen bei einem alten Arbeitgeber: „Wir konnten damals auf Landtechnikkonferenzen drei Tage lang nur über neue Funktionen sprechen: neue Joysticks, neue Lautsprecher, mehr Komfort, mehr PS. Aber es ging nicht ein Mal darum, was der Kunde heute und in zehn Jahren wirklich braucht und was das für uns bedeutet.“
Der Unmut über falsche Prioritäten saß tief beim 48-jährigen Maschinenbauingenieur und Steuerungstechniker. Schon lange dachte er, dass sich die ganze Landtechnikindustrie in eine technologische Sackgasse manövriert hat. „Die Großen haben kein Interesse, nach links und rechts zu schauen“, sagt Joris. „Da wurde viel investiert in Werke, Kabinen, Hydraulik und Motoren - das kann man ja jetzt nicht einfach aufhören.“
Mitgründer Lars Schmitz stimmt zu. Der 47-jährige Elektronik- und Softwareexperte sagt: „Nehmen wir allein das Thema Sicherheit. Da wird mit Steuerungskomponenten gearbeitet, die älter als zehn Jahre sind. Die wurden entwickelt, als die Maschinen noch gar nicht...


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