Am von Eva Piepenbrock

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Ammoniak adé?

Das Luftreinhalteprogramm schreibt Landwirten vor, weniger Ammoniak auszustoßen. Viel weniger! Die bisherigen Maßnahmen sind aufwendig und teuer. Manfred Vox ist überzeugt, eine bessere Lösung gefunden zu haben. Eine rein biologische, die sich günstig nachrüsten lässt. Zu schön, um wahr zu sein?

Das Mastschwein sitzt auf dem Hintern, die feine Nase hoch in den Sprühregen gestreckt. Menschen neigen zwar dazu, in Tiergesichter zu viel hinein zu interpretieren - aber ja, doch: Das Schwein sieht zufrieden aus. So auch die Abteilgenossen. Nur reagieren diese auf das kühle Nass von oben überwiegend mit enthusiastischen Sprints durch die Bucht.

Über die Einweichanlage werden die Mikroorganismen ausgebracht. (Bildquelle: Schildmann)

Die Tiere freuen sich anscheinend über das, was von oben kommt. Dabei soll das Produkt von Manfred Vox aus Nordhorn in Niedersachsen eigentlich von unten wirken. In die Wassertropfen ist eine organische Substanz aus Mikroorganismen gemischt, die das derzeit viel diskutierte Schadgas Ammoniak dort zersetzen soll, wo es entsteht: unter den Füßen der Tiere.

Der 63-jährige Unternehmer verspricht Landwirt Bernd Fuhrweiler* im Stall eine Ammoniakreduzierung von satten 40 %, oder sogar mehr. Der Schweinemäster testet das Anti-Ammoniakmittel seit April 2019 in seinem 2015 neu gebauten 3000er Maststall. Glaubt man dem Hersteller, soll das Mittel die Luft im Stall verbessern, Staub binden und Atemwegs- und Klauenerkrankungen reduzieren. Die Tiere sollen weniger aggressiv sein und bessere Zunahmen vorweisen. Wenn all diese Versprechen hielten, wären wohl nicht nur die Mastschweine zufrieden.

Stickstoffkreislauf in den Stall bringen

„Wir haben da kein Wundermittel erschaffen“, sagt Manfred Vox. „Wir öffnen lediglich den aus Hygienesicht nahezu abgeriegelten Schweinestall für den draußen seit eh und je funktionierenden Stickstoffkreislauf der Natur.“ Sein Produkt „nature.liquid“ (zu dt. „flüssige Natur“) bezeichnet er als eine breit angelegte Mischung aus gut 40 verschiedenen Mikroorganismen: aerobe und anaerobe Bakterien, nitrifizierende und schwefeloxidierende Bakterien sowie Pilze, kombiniert mit Enzymen, die katalytische Aktivitäten in Gang setzen. Im Ergebnis zersetze die Bakterienmischung die Fäkalien, sagt Vox. „Das Besondere an ‚nature.liquid‘ ist, dass sich die Mikroorganismen nicht gegenseitig verdrängen. Sie zersetzen so lange Ammoniak, bis nichts mehr übrig ist.“ Ins Wasser gemischt und mit genügend Sauerstoff versorgt, werden sie aktiv.

Landwirte testen die Mikroorganismen bereits

Tatsächlich riecht es im Maststall von Landwirt Fuhrweiler so gut wie gar nicht. Auch wenn die Tiere erst seit einer Woche eingestallt sind und im Abteil noch kein großer Druck herrscht - die gute Luft fällt auf. Das Messgerät zeigt auf Tierhöhe einen Ammoniakwert von 1,5 ppm an: Alles unter 5 ist gut. Alles über 20 kritisch.

Fuhrweiler sieht das ganze als eine Art Testballon. Er sei generell offen für neue Ideen und probiere gern alternative Lösungen aus, beschreibt ihn seine Frau Sabine. „Wir haben auch schon rechtsdrehendes Wasser im Stall“, lacht sie. Aber weil das ja nicht gleich alle Berufskollegen wissen müssen, möchte die Familie lieber anonym bleiben.

Mit 1,5 ppm liegt der Ammoniakwert erfreulich niedrig, die Luft ist gut. Noch gibt es allerdings keine Langzeitmessungen im Teststall. (Bildquelle: Schildmann)

Das vollmundige Versprechen von mindestens 40 % weniger Ammoniak versetzt Zuhörer gelinde gesagt ins Staunen. Fuhrweiler sagt, an Vox gerichtet: „Also wenn du das schaffst, sind wir Geschäftspartner.“ Dabei ist der Landwirt bereits an Bord. Für bessere Luft im Stall und eine homogenere Gülle investiert er 2 € pro Mastschwein in nature.liquid. Wer das auf 3000 Mastschweine und...