Am von Caroline Schulze Stumpenhorst

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Stallklima soll Schweine beruhigen

Ätherische Öle im Einsatz gegen Schwanzbeißen

Haltung, Fütterung, Management - viele Faktoren beeinflussen das komplexe Problem Schwanzbeißen. Was maßgeblich für die Verhaltensstörung verantwortlich ist, darüber ist sich sogar die Wissenschaft uneins. Das Start-up „Farmerscent“ setzt bei der Stressvermeidung an und vernebelt ätherische Öle direkt im Stall.

Beim Gang durch die Ferkelbucht dauert es nicht lange, bis die Tiere am Hosenbein des Hygiene-Overalls knabbern. Praktisch, dass die Ferkel dabei halbwegs stillstehen. So kann Victor Große Macke, Gründer des Start-ups „Farmerscent“, besser die helle Behaarung an der Schwanzspitze der Tiere kontrollieren. „Schwanzbeißen fängt häufig mit dem Herumlutschen an der Schwanzspitze an“, erklärt der Landwirtssohn aus Osnabrück. „Wenn die Schwanzborsten fehlen, ist es fünf vor 12.“ Heute ist er zufrieden. Alle Borsten der Langschwänze sind intakt.
Der 25-jährige Agrarstudent und sein Partner, Elektroningenieur und Informatiker Alexander Grunwald, wollen dem aktuell viel diskutierten Problem „Schwanzbeißen“ entgegenwirken. Denn trotz vieler wissenschaftlicher Versuche ist das unerwünschte Phänomen bisher kaum verlässlich zu verhindern. Komplex wie es ist, gibt es viele Stellschrauben in Haltung, Fütterung, Umwelt, Tiergesundheit oder Management, die für das Problem mitverantwortlich gemacht werden. Eine pauschale Lösung scheint es nicht zu geben. Victor und Alexander setzen mit ihrem Start-up bei dem Faktor „Stress“ an. Der Einsatz von ätherischen Ölen in der Ferkelbucht soll das Verhalten der Schweine ändern und so Schwanzbeißen verhindern.

Victor Große Macke  (Bildquelle: Landwirtschaftsverlag GmbH)

Studien aus der Humanmedizin brachten ihn auf die Idee

Die Idee mit den ätherischen Ölen hatte Victor 2015. Als er einen Fernsehbeitrag über die Wirkung von Lavendel auf den Menschen sah, kam es zur Initialzündung. „Es hieß dort: Lavendel wirkt stärker als eine Valiumtablette. Nur ohne Entzugs- oder Begleiterscheinungen“, erinnert er sich. Das war erst der Anfang. Seither hat er viele wissenschaftliche Studien zu dem Thema durchgearbeitet und auf die Schweinehaltung übertragen. Das Ergebnis hängt nun in mehreren landwirtschaftlichen Testbetrieben.
Lavendel wirkt stärker als eine Valiumtablette. Nur ohne Entzugs- oder Begleiterscheinungen.
Victor Große Macke
Einer dieser schweinehaltenden Betriebe, ist der Betrieb von Stefan Löcker im münsterländischen Ochtrup. Der Betrieb arbeitet in einem geschlossenen System: es umfasst die Sauenhaltung, die Ferkelaufzucht und die anschließende Mast der Schweine. Die Ferkel in der Testreihe sind acht Wochen alt und werden konventionell in einer Gruppe von 30 Tieren gehalten. „Wir wollen ein Modell für die konventionelle Schweinehaltung schaffen“, erklärt Victor. Für den Versuch und die Zusammenarbeit mit dem Start-up kupieren Löckers die Ferkel dieser Bucht nicht. Die Schweine in den übrigen fünf Buchten des Abteils werden mit kupierten Schwänzen gehalten. Einzig die Vernebelungsbox über der Bucht ist der Unterschied. Ansonsten sind die Haltungsbedingungen gleich.

In der Schweinhaltung ist ein Kupieren der Schwänze nur mit einer Sondergenehmigung erlaubt. (Bildquelle: Farina...