Am von Anne Kokenbrink

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Käse und Fleisch

Aus der Schweiz in die Welt

Schweizer Käse und Fleisch vermarkten: Klingt wie Einheitsbrei, ist es aber nicht. Wie aus der simplen Idee von zwei Freunden aus dem Emmental ein Unternehmen mit weltweiter Kundschaft wurde, was die Gründer antreibt und warum sie trotz des Erfolgs auf dem Teppich geblieben sind.

Wer einmal selbst durch das Schweizer Emmental fährt, wird unweigerlich an den löchrigen Käse denken, der hier seinen Ursprung hat. Und das Klischee ist spätestens dann erfüllt, wenn man links und rechts die Kühe auf der Weide grasen sieht. Doch aus Schweizer Milch lässt sich viel mehr als nur Emmentaler machen. Den Beweis dafür liefert „Jumi“. Das sind Jürg Wyss und Mike Glauser. Gemeinsam verkaufen sie über 120 Sorten Schweizer Käse und Rindfleisch. Und zwar ausschließlich von Bauern aus dem Emmental. Angefangen auf Schweizer Märkten, findet man ihre Produkte heute weit über die Landesgrenzen hinweg.
Trotz ihres Erfolgs nach nunmehr 15 Jahren sind sie bodenständig geblieben, verzichten auf den Vertrieb im Handel und beliefern am liebsten kleine Kunden. Ihre Alleinstellungsmerkmale sind die ausgefallenen Rohmilchkäsesorten, das Fleisch der sogenannten Omoso-Rinder, und nicht zuletzt Kreativität in der Produktvielfalt. „Blaues Hirni“, „Zickzack“ oder „Pixel“ sind nur einige Namen, die die beiden Gründer für ihre Spezialitäten kreiert haben. Besonders Wert legen die beiden auch auf Tierwohl. f3 hat den Gründer Jürg Wyss vor Ort in der Schweiz besucht.

Jürg + Mike = Jumi

Die Story von Jumi begann im Jahr 2006. Mike und Jürg sind damals gute Freunde. Jürg ist von Hause aus Landwirtssohn und Metzger, Mike stammt aus einer Käsedynastie: Sein Vater, Cousin, Bruder, Onkel: Sie alle waren Käser. An der Schweizer Landwirtschaft stört die beiden vieles: die Abhängigkeiten und festgefahrenen Prozesse. Sie wollten den heimischen Landwirten eine wirtschaftliche Perspektive bieten. Ihre Heimat, das Emmental ist prädestiniert für Haltung von Milchvieh und Rindern. „Unser Land ist hügelig. Hier kannst du keine Kartoffeln, Gemüse oder Getreide anbauen. Da ist bei einem Regenschauer alles weg“, sagt Jürg. „Aber es ist gutes Weideland. Wiederkäuer können das Gras gut verwerten, es ist ein Kreislauf.“ Die oft kleinen Strukturen in der Schweiz haben zwar viele Nachteile. Jürg und Mike wollten sie aber ins Positive drehen und für neue Wege nutzen. Das Ziel: Auch als kleiner Familienbetrieb eine Familie ernähren können.

Die Heimat von Jumi, das Emmental ist durch seine Landschaft prädestiniert für Milch- und Rindviehhaltung. (Bildquelle: Kokenbrink)

Unser Land ist hügelig. Hier kannst du keine Kartoffeln, Getreide oder Gemüse anbauen. Da ist bei einem Regenschauer alles weg.
Jürg Wyss

Aller Anfang ist schwer

„Es ging bei uns auch ohne hippes Marketing“, sagt Jürg. Auf dem postkartengroßen Sortimentsprospekt steht heute bloß „Was ist was? Jumi“ geschrieben. Fotos von Produkten oder dem Team gibt es keine, dafür aber selbst gezeichnete Abbildungen. (Bildquelle: Kokenbrink)

„Man muss nicht denken, dass irgendwo jemand auf ein neues Produkt von dir wartet“, sagt der Gründer. „Wir sind bekannt geworden dadurch, dass die Leute es weitererzählt haben.“ Also begannen die Freunde einfach auf einem Tisch auf dem Berner Markt Käse zu verkaufen, nachdem sie nach einigen Experimenten erste zufriedenstellende Sorten kreiert hatten. Oft arbeiteten der Bauer und der Käser sieben Tage die Woche. Sie lebten gemeinsam auf einem Bauernhof nahe Bern, verpackten dort ihre Produkte und gingen von Restaurant zu Restaurant, um ihre Kreationen „an den Koch“ zu bringen.
Geld hatten sie kaum. Und was reinkam, wurde sofort wieder investiert. Doch um Geld ging es auch gar nicht. Denn aller Anfang war diesmal auch leicht: Man lebte gemeinsam auf dem Bauernhof, trank spätabends noch ein Bierchen zusammen und philosophierte über Käse und die Welt. „Wir erkannten,...


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