Am von Eva Piepenbrock

Auslaufmodell Hofnachfolge?

„Hat die Landwirtschaft noch eine Zukunft? Lohnt sich die Hofübernahme?“ Darüber diskutierte f3-Redaktionsleiterin Eva Piepenbrock vergangene Woche auf dem WLV-Kreisverbandstag in Schwerte mit Junglandwirt Lukas Born und Prof. Alfons Balmann vom Leibniz Institut. Die zum Teil düsteren Prognosen der Referenten gefielen nicht allen Anwesenden.

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Die unbequemste Botschaft des Abends hatte Professor Alfons Balmann im Gepäck. „Hat die Landwirtschaft Zukunft?“ Und: „Lohnt es sich, den Hof zu übernehmen?“, fragten die Kreisverbände Ennepe-Ruhr/Hagen und Ruhr-Lippe auf ihrem gemeinsamen WLV-Verbandstag am vergangenen Donnerstag in Schwerte im Ruhrgebiet. Balmanns ebenso ermunternde wie ernüchternde Antwort: Ja, Landwirtschaft und landwirtschaftliche Ausbildung haben Zukunft. Von der Idee der Hofnachfolge sollte sich die nachrückende Generation aber möglicherweise besser verabschieden.

Treiber des Wandels

Doch einen Schritt zurück. Für Alfons Balmann, Direktor des Leibniz Instituts für Agrarentwicklung, stellt sich nicht die Frage, ob sich Landwirtschaft wandeln muss. „Der gesellschaftliche Druck ist nicht abzuwenden“, machte der Wissenschaftler deutlich. Doch nicht nur die Forderungen nach mehr Tierwohl, Klimaschutz und Biodiversität sind starke Treiber des Wandels.

Der gesellschaftliche Druck ist nicht abzuwenden.

Prof. Dr. Alfons Balmann

Auch neue digitale Technik und eine veränderte Arbeitswelt wirken auf den Agrarbereich ein. „Landwirtschaft basiert zunehmend auf Lohnarbeit“, beschreibt Balmann ein sich wandelndes Verhältnis von Familien- und Fremd-Arbeitskräften. So kommen in Niedersachsen bereits 45% der Arbeitskräfte von extern – in ostdeutschen Bundesländern wie Sachsen sind die Zahlen mit 80% ungleich höher. Mit Blick auf die demografische Entwicklung zeichne sich dem Experten zufolge zudem ein starker Fachkräftemangel in der Branche ab.

Der Druck steigt

Zukünftige Betriebsleiter stehen immer mehr unter steigendem Druck, so Balmann. Betriebsübernahmen sind Langfristentscheidungen. Von Planungssicherheit lasse sich mit Blick auf eine „schizophrene Gesellschaft“, die das eine fordert, aber das andere kauft, derzeit nicht sprechen. Auch steige die Kapitalintensität der Betriebe, die Margen zögen aber nicht mit.

Nicht zuletzt fordern auch neue Technik und...