Am von Eva Piepenbrock

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Bodenkur aus Braunkohle

Die Novihum Technologies GmbH stellt ein Dauerhumus-Granulat aus Braunkohle her. Alle paar Jahre in den Boden eingearbeitet, soll es sogar Steppen fruchtbar machen. Ein großes Versprechen. Laut Gründerteam ist die Wirksamkeit nachgewiesen. Investoren geben Millionenbeträge. Schwer an den Mann zu bringen, ist das Produkt trotzdem.

Ausgestattet mit Sicherheitsschuhen, Schutzbrille und Bauhelm stehen wir in der Produktionshalle von „Novihum Technologies“ in Dortmund. Den Blick auf unzählige Rohre, Aggregate und Kessel gerichtet, erklärt uns Dr. Horst Ninnemann, Mitbegründer und technischer Kopf des Unternehmens, wie hier das erste Produkt seiner 2012 gegründeten Firma hergestellt wird: ein Dauerhumus-Granulat aus Braunkohle. Es soll nach Ansicht der Gründer und Investoren eine Lösung bereithalten für alle, die mit nachlassender Bodenfruchtbarkeit zu kämpfen haben.

Das Ziel: Bodenfruchtbarkeit

Horst Ninnemann ist technologischer Kopf bei Novihum. (Bildquelle: B. Lütke Hockenbeck)

„Novihum funktioniert wie ein Katalysator“, erklärt der Chemiker und Forstwissenschaftler Horst Ninnemann. „Wenn man ihn in den Acker einarbeitet, stößt er chemische Prozesse im Boden an, die die Humusbildung erhöhen.“ Die Bodenfruchtbarkeit soll gesteigert werden.

Braunkohle besteht zu 85 % aus Dauerhumus.

Horst Ninnemann

Was so einfach klingt, dem liegt wohl ein ausgefeiltes chemisches Verfahren zugrunde. Es beschleunigt die natürlichen, im Boden stattfindenden humusbildenden Prozesse. In der Geschwindigkeit besteht nach Angaben von Horst Ninnemann dann auch die Innovationsleistung des Hauses - und nicht etwa in der Aufbereitung von Lignin- und Huminhaltigen Stoffen zu Humus. Das macht man schon seit hundert Jahren. Nein, Ninnemann erklärt, dass sie bei Novihum das Dauerhumus-Konzentrat in nur drei Stunden herstellen können. Im Boden dauert das sonst Jahre.

Ausgangsstoff ist Braunkohle

Wie genau das Verfahren abläuft, das verrät Horst Ninnemann nicht. Wir dürfen in der Industrieanlage auch nur den rechten Teil des Rohrlabyrinths fotografieren. Was wir kennen, sind die Ausgangsstoffe: An dem einen Ende kommen Braunkohle, Ammoniak und Sauerstoff hinein. Und am Ende entsteht Dauerhumus, der die Bodenfruchtbarkeit erhöht. „Braunkohle besteht selbst schon zu 85 % aus Dauerhumus“, sagt Ninnemann. „Sie ist also ein fantastischer Ausgangsstoff und viel zu schade zum Verbrennen!“

Würde man die Braunkohle aber aufgrund ihres hohen Humingehalts einfach irgendwo abbauen und in Ackerboden wieder einarbeiten, hätte dies eher einen nachteiligen Effekt auf das Pflanzenwachstum. „Der Braunkohle fehlt der Stickstoff als Merkmal der chemischen Struktur hochwertiger Dauerhumusstoffe“ , so Ninnemann weiter. Im Novihum-Verfahren komme es daher im Wesentlichen darauf an, den zugeführten Stickstoff in die chemische Struktur der Kohlehuminstoffe zu integrieren. „Dadurch entsteht ein optimales Kohlenstoff-Stickstoffverhältnis von etwa 12“, sagt Ninnemann. „Und der positive Effekt auf den Boden kann sich entfalten.“

Im Labor wird das hier zu sehende Granulat genau analysiert. (Bildquelle: B. Lütke Hockenbeck)

Kunden brauchen Geduld. Und etwas guten Willen.

Wie sieht er überhaupt aus, dieser Effekt? Novihum verspricht Ertragssteigerungen, eine erhöhte...