Am von Agra Europe (AgE)

EU-Studie

Carbon Farming: ökologisch sinnvoll, politisch unzureichend vorbereitet

Das Europäische Umweltbüro (EEB) in Brüssel hat eine Analyse zur Entwicklung der Kohlenstoffspeicherung als Einkommensquelle für Landnutzer vorgelegt. Ein Ergebnis: Klimaschutz und Biodiversität könnten profitieren. Doch die Rahmenbedingungen sind derzeit ungeeignet.

Für ein effektives „Carbon Farming“ ist vor allem bei den politischen Rahmenbedingungen noch viel Vorarbeit zu leisten. Das geht aus einer Analyse hervor, die das Europäische Umweltbüro (EEB) kürzlich veröffentlicht hat. Demnach besteht die zentrale Herausforderung darin, rechtliche Vorgaben und Anreize im Rahmen einer kohärenten und ambitionierten Politik ins Gleichgewicht zu bringen, um den Akteuren die Richtung zu weisen und der Dringlichkeit der Herausforderungen gerecht zu werden.
Die Studienmacher betonen, dass das „Carbon Farming“ zwar vorwiegend aus Klimaschutzgründen propagiert wird, allerdings auch erhebliche Fortschritte beim Schutz der Biodiversität und der Wasserressourcen sowie für die wirtschaftliche Situation der Bauern bewirken könnte. Die derzeitigen Rahmenbedingungen werden allerdings als ungeeignet eingestuft, um in effizienter Form die Speicherung von CO2 als Einkommensquelle für Landnutzer zu erschließen.

Damit „Carbon Farming“ etabliert werden kann, braucht es laut einer neuen Studie bessere politische Rahmenbedingungen. (Bildquelle: f3/Christina Helmer)

Rechtsrahmen „auffallend unterentwickelt“

Als wesentlicher Grund verweist die Studie unter anderem auf das Fehlen eines übergeordneten Rechtsrahmens für den Boden und dessen Schutz. Die derzeitigen Vorgaben seien „auffallend unterentwickelt“, heißt es in der Analyse. Ein Flickenteppich von europäischen und nationalen Gesetzen sowie Richtlinien berühre die Thematik, ohne dass es eine gemeinsame Grundlage innerhalb der Gemeinschaft gebe. In der Folge blieben viele Problembereiche unreguliert und viele Funktionen des Bodens unbeachtet. Grundsätzlich seien die verbindlichen Vorgaben und Standards zum Bodenschutz sehr niedrig; zudem setze die Politik auf freiwillige Ansätze mit nur geringem Nutzen.

EU-Bodenrecht unverzichtbar

Vor diesem Hintergrund empfiehlt das EEB, die Rahmenbedingungen erheblich zu verändern. Bindende Vorgaben zum Schutz des Bodens und seiner Funktionen müssten eingeführt und überwacht werden. Darauf aufbauend sollen der Analyse zufolge effektive Anreize für die Akteure geschaffen werden, um rechtlich verbindliche Zielwerte für den Klima-, Boden- und Naturschutz zu erreichen.
Die Speicherung des CO2 sollte laut EEB dabei ausschließlich durch natürliche Lösungen gemäß der Definition der Weltnaturschutzunion (IUCN) erfolgen. Unverzichtbar sei ein EU-Bodenrecht, um Vorgaben und Mindestanforderungen für Bodengesundheit und -schutz sowie einen einheitlichen Rahmen für die Mitgliedstaaten zu garantieren.

Emissionen bis 2030 auf netto null

Für besonders zur CO2-Speicherung geeignete Systeme wie Torfmoore und traditionelle Agroforstsysteme fordert die Studie ambitionierte Ziele zur Renaturierung. Der Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) sollte beispielsweise bis 2030 in die CO2-Neutralität überführt werden. Essentiell sind nach Einschätzung des EEB auch auf EU-Ebene festgelegte Mindestanforderungen an die Überwachung und Erfassung des Zustands der Böden. Derzeit seien die Mitgliedstaaten nicht verpflichtet, Bedrohungen wie Erosion, Verdichtung oder Übersäuerung zu überwachen. In der Folge fehlten aussagekräftige Daten, um die Auswirkungen von Maßnahmen und Vorgaben zum Bodenschutz zu erfassen.
Auf betrieblicher Ebene müsste sichergestellt werden, dass sämtliche Modelle zur Entlohnung der CO2-Speicherung den gesamten Betrieb und sämtliche Emissionen berücksichtigen.
Auszug
Die Entwicklung der Anreize für die Landnutzer sollte sich nach Einschätzung des Umweltbüros auf die Finanzierung durch die öffentliche Hand und private Initiativen abseits des Marktes konzentrieren. Wichtig sei dabei, bestehende klima- und umweltfreundliche Bewirtschaftungsmethoden nicht zu schwächen. Auf betrieblicher Ebene müsste gemäß der Analyse sichergestellt werden, dass sämtliche Modelle zur Entlohnung der CO2-Speicherung den gesamten Betrieb und sämtliche Emissionen berücksichtigen.

Beispielsweise beim Pflügen wird ein Teil des im Boden vorhandenen CO2 wieder freigesetzt.  (Bildquelle: f3/Christina Helmer)

Schlechtes Zeugnis für die GAP

Als wichtiger Ansatzpunkt zur Entwicklung des „Carbon Farming“ werden auch die nationalen Strategiepläne der Mitgliedstaaten gesehen. Diese böten zahlreiche Möglichkeiten zur Förderung; genannt werden in diesem Zusammenhang unter anderem Öko-Regelungen, Agrarumweltmaßnahmen, gekoppelte Beihilfen und Investitionsförderprogramme. Die Werkzeuge seien vorhanden, doch es fehle der politische Wille, diese zur Gestaltung größerer Veränderungen einzusetzen, heißt es in der Analyse.

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Der bisherigen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) stellen die Autoren ein schlechtes Zeugnis aus. Diese sei als zentrales Instrument zum Schutz der landwirtschaftlichen Böden „ein Totalausfall“. Die Verantwortung werde auf die nationale und regionale Ebene delegiert. Durch die fehlende Verbindlichkeit fielen die Programme grundsätzlich sehr anspruchslos aus und würden den lokalen Herausforderung für die Bodengesundheit nicht gerecht.


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