Am von Kristin Rotherm

Chips vom Bauern

Heiner Johanning baut auf seinem Betrieb Kartoffeln an, sein Cousin Martin veredelt sie zu Kartoffelchips. Doch die Vermarktung haperte. Was war die Lösung?

Bereits einige Meter vom Kartoffelhof Johanning entfernt, steigt einem der Geruch von Chips in die Nase. Ob man will oder nicht: Die Lust auf Knabbereien schleicht sich direkt an. Verantwortlich dafür sind die Cousins Heiner und Martin Johanning aus dem niedersächsischen Rehden bei Diepholz. Hier produzieren die beiden bereits seit 2011 Kartoffelchips. Das Besondere an den Chips: Sie sind etwa doppelt so dick wie gewöhnliche Kartoffelchips, die Schale bleibt dran, und die Kartoffeln werden vergleichsweise langsam und bei niedrigen Temperaturen gebacken. „So werden sie besonders knusprig“, erklärt Martin Johanning.

Im Zeichen der Knolle

Schon bevor der 50-Jährige mit seinem gleichaltrigen Cousin die Chips-Produktion aufbaute, stand bereits bei beiden alles im Zeichen der dicken Knollen. Heiner Johanning, gelernter Landwirt, baute auf 500 ha Kartoffeln an und vermarktete sie an einen Chips-Produzenten. Martin Johanning, aufgewachsen auf einem benachbarten Milchviehbetrieb, war bis dahin im Kartoffelgroßhandel für Kartoffelchips zuständig. Doch vor sieben Jahren hatten die beiden den Wunsch, neu anzufangen.

(Bildquelle: Christina Helmer)

„Wir wollten nicht bis zur Rente so weitermachen“, erklärt Martin Johanning. Die Idee einer Kartoffelchips-Produktion auf dem eigenen Betrieb hatten die beiden schon länger und wollten diese nun umsetzen. „Es war trotzdem ein großer Schritt, den sicheren Job an den Nagel zu hängen und das Unternehmen zu gründen“, so Martin Johanning, und er ergänzt: „Viele haben uns für verrückt erklärt.“

Investition in Millionenhöhe

Das Ziel der beiden war klar. Sie wollten ein Produkt schaffen, das sich abhebt von der Masse. „In Deutschland ist auch heute noch der Rohkörper vieler Chips gleich, was anders ist, sind die Gewürze“, so sein Cousin Heiner. „Der Fokus sollte daher neben den Gewürzen auf Kartoffel und Zubereitung liegen“, erklärt er weiter. „Da die Amerikaner mit ihren Chips viel weiter sind als wir, sind wir in die USA gereist und haben uns dort inspirieren lassen“, erzählt Martin Johanning. Und sogar einige Maschinen haben die Cousins mit auf die weite Reise nach Rehden genommen.

Insgesamt haben sie für den Bau der Produktionshalle und für alle Maschinen zur Chipsherstellung einen Millionenbetrag ausgegeben. Finanzieren konnten sie das durch Ersparnisse und einen Bankkredit. Im landwirtschaftlichen Bereich mussten weder Maschinen angeschafft noch Lagerkapazitäten ausgebaut werden. Fördermittel haben die Cousins bisher nicht in Anspruch genommen.

Es war ein großer Schritt, den sicheren Job an den Nagel zu hängen und das Unternehmen zu gründen.

Martin Johanning

Das Know-how über die Zubereitung von Kartoffelchips haben...