Am von Julia Hufelschulte

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Der Kopf hinter der Kartoffel

Damit Kunden im Laden zu ihren Bio-Süßkartoffeln aus Deutschland greifen, haben sich Sönke und Anna Strampe nicht nur dem Anbau der Knolle, sondern auch einem professionellen Marketing mit dem Namen „Sönkes Süßkartoffel“ verschrieben.

Die besten Ideen entstehen am Küchentisch. So war es jedenfalls bei Sönke und Anna Strampe aus Bad Bevensen im Landkreis Uelzen. Schon länger schwirren ihre Gedanken darum, mit welcher Besonderheit der jüngst von Sönkes Eltern übernommene Ackerbaubetrieb breiter aufgestellt sein könnte.

Die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft stand schon fest und neben Getreide und Leguminosen sollte eine Gemüsekultur die Wirtschaftlichkeit des Bio-Anbaus verbessern. „Anna fragte dann, wie es denn mit Süßkartoffeln wäre“, sagt Sönke Strampe. Ein Exemplar der orangenen Knolle lag gerade in der Küche des jungen Paares. Das brachte das Projekt „Sönkes Süßkartoffel“ auf den teils steinigen Weg zur vermarktungsfähigen Knolle aus der Lüneburger Heide.

Trendig, schmeckt und wächst

Anna und Sönke wollen das Süßkartoffel-Geschäft ausbauen. Als junge Familie ist aber auch Geduld gefragt. (Bildquelle: Schildmann)

Während die Initialzündung zum Süßkartoffelanbau 2016 eine fixe Idee war, gingen Strampes fortan strategisch vor. Internetrecherchen decken in Deutschland Lücken auf: Die Süßkartoffel liegt im Trend und hat als Pommes oder in Currys die Restaurants und Küchen der Deutschen erobert. Der Bedarf scheint aber nicht aus den hiesigen Ernten gedeckt zu sein. „Der Import von Süßkartoffeln wuchs seit Jahren stetig“, erklärt Sönke.

Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes: 2009 importiere Deutschland 1.817 t, zehn Jahre später rund 31.000 t. Hauplieferanten für Deutschland kommen aus den USA, aber auch spanische Ware ist auf dem Markt. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung geht 2019 hierzulande von circa 200 ha Süßkartoffel-Anbaufläche aus, von der nach Schätzungen 9 bis 14 % der verfügbaren Menge der sogenannte Bataten stammen soll.

Süßkartoffelanbau: vom Kübel aufs Feld

Ebenso groß war die Spanne zwischen dem benötigten und vorhanden Wissen zum Anbau der Knolle: Wegen weniger wissenschaftlicher Versuche, nur vereinzelten Praxisbetrieben und undurchsichtigen Empfehlungen entschied sich der 32-jährige Landwirt selbst ein Anbausystem ausklügeln. Dafür startete Sönke mit den Grundlagen. Die erste Süßkartoffel aus dem Hause Strampe wuchs 2016 noch in einem Kübel auf dem Balkon. „Ich wollte die Pflanze genau kennen lernen, um sie richtig anzubauen“, sagt er. Während die Ranken der ersten Kartoffel heranwuchsen, stellte der Landwirt den elterlichen Betrieb auf ökologische Landwirtschaft um.

Ich wollte die Pflanze genau kennen lernen, um sie richtig anzubauen.

Sönke Strampe

Im Folgejahr zogen Strampes Bataten aus dem Kübel auf einen rund 300 m2 großen Acker im Garten. Auf dem Versuchsfeld leistet er Bio-Pionierarbeit, testet verschiedene organische Dünger und Pflanzdichten. „Da haben wir gesehen, dass sie hier wächst, Ertrag bringt und vermarktungsfähige Knollen bildet“, erklärt Sönke.

Auf 4 von insgesamt 250 ha

Im Juli sieht man die Wurzelverdickungen in der Erde, die sich bis zum Herbst zu vermarktungsfähigen Süßkartoffeln entwickeln. (Bildquelle: Schildmann)

Dazu hat sie Ansprüche: Die Süßkartoffel mag es warm und wächst daher besser in einem Damm, ähnlich denen des Kartoffelanbaus. Auch wenn die Pflanzen mit Trockenstress umgehen können, muss der Betrieb in der Regel zusätzlich beregnen. Zur Düngung verwendet Sönke Grünschnittkompost und Bio-Geflügelmist. Der Boden muss damit vor der ersten Pflanzung versorgt sein. Während der Wachstumsperiode düngt er nicht. Der Stickstoffbedarf ist mit circa 50 kg N/ha im Vergleich zu hiesigen Kulturen geringer. Der Kali- und Phosphorbedarf liegt auf dem Niveau der...


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