Am von Eva Piepenbrock

Schreiben Sie Eva Piepenbrock eine Nachricht

Biodiversität

Dieses Brot hat einen Vogel

Wie kann Brot helfen, die bedrohte Vogelart Feldlerche zu schützen? Antworten gibt das Projekt „Lerchenbrot“. Das Ziel: Eine Balance zwischen landwirtschaftlicher Produktivität und dem Schutz der Artenvielfalt schaffen.

Die Feldlerche brütet gern auf Ackerflächen, braucht für den Landeanflug aber freie Bahn. Landwirte, die den bedrohten Vogel schützen wollen, legen daher im Projekt „Lerchenbrot“ sogenannte Lerchenfenster auf ihren Feldern an: Freiflächen mitten im Feld, die sie nicht bewirtschaften. Das machen sie nicht für umsonst: Der Weizen, der drumherum wächst, wird gemahlen und zu „Lerchenbrot“ verarbeitet. Das Brot wird schließlich mit einem Aufpreis von zehn Cent verkauft. Der Verbraucher fördert aktiven Lerchenschutz.
Der Satz `Die Moral endet am Regal´ hat sich leider bewahrheitet.
Markus Röser
Soweit die Ursprungsidee des in der Südpfalz vom Agrarchemieunternehmen BASF gemeinsam mit vier Landwirten, einer Mühle und einem Bäcker initiierten Projektes. Es soll zeigen, dass produktive Landwirtschaft und Biodiversitätsförderung kein Widerspruch sind. Im Gegenteil. „Wir wollen hohe Erträge und Artenschutz in Balance bringen“, sagt Markus Röser, Leiter Kommunikation und Nachhaltigkeit bei BASF. Er berichtet, dass das Projekt Früchte trägt: Die Bäckerei Görtz konnte seit August 2020 knapp 260.000 Brote verkaufen. Landwirte legten in 1.700 ha Anbaufläche Lerchenfenster an. Und Ornitologen bestätigen, dass auf den Flächen mit Brutfenstern rund 38 % mehr Feldlerchen leben. Trotzdem gibt es ein Aber: Die Vermarktung des Brotes ist aufwendig. Der Mehrwert erklärungsbedürftig. Die bittere Erkenntnis der Initiatoren: Sobald das Brot nicht vom Bäcker des Vertrauens angepriesen wird, sondern neben billigeren Broten liegt, bleibt es liegen. Markus Röser sagt: „Der Satz ‚die Moral endet am Regal‘ hat sich leider bewahrheitet.“

Weitere Biodiversitätsmaßnahmen außer Lerchenfenster fördern

Die sogenannten „Lerchenfenster“ dienen der Feldlerche als Start- und Landebahn. Sie liegen abseite der Ränder und Treckerspuren. (Bildquelle: BASF)

Also wird das Projekt nun angepasst. Darüber dürfte sich nicht nur die Feldlerche freuen, sondern auch alle anderen Vögel, Wildbienen, Laufkäfer und Spinnen. Denn durch die Anpassung sollen mehr Landwirte teilnehmen können, die mehr Fläche mit weiteren Biodiversitätsmaßnahmen außer Lerchenfenstern ausstatten. Das neue Ziel in Zahlen: Bis 2030 sollen 10 % der deutschen Ackerfläche mit mehrjährigen Blühstreifen, Ackerrand-streifen, Nisthilfen, Lerchenfenstern oder anderen Biodiversitätsmaßnahmen ausgestattet sein - und das ohne Ertragsverluste. Dafür hat BASF gemeinsam mit Landwirten, Umweltverbänden und der Wissenschaft einen...