Am von Guido Höner

Digital? Nur, wenn es sich rechnet!

Drei Landwirte in Niedersachsen nutzen gemeinsam digitale Lösungen zum Management und auf dem Feld – aber mit Augenmaß.

Dieser Artikel ist gekürzt. In voller Länge ist er nachzulesen in top agrar 08/2020.

Wenn man wissen will, wie man in der Landwirtschaft kooperiert, sollte man Ulrich Behrens, Ernst Lütje und Jochen Gaus treffen. Die drei Landwirte aus dem Landkreis Gifhorn in Niedersachsen arbeiten seit Jahren intensiv zusammen. Der Grundstein für die Gemeinschaft wurde in den 80er Jahren gelegt. Damals waren fünf Familien dabei. „Wir haben hier Böden von 18 bis 55 Punkten, im Schnitt mit 40 bis 45. Dazu ist es sehr trocken. Die Betriebe hier mussten sich schon immer anpassen und die Kosten niedrig halten“, fasst Jochen Gaus die damaligen Gründe zusammen. Bis heute ist das Modell von Betriebsgemeinschaften in der Region nicht selten. Von der ursprünglichen Gemeinschaft blieben die Familien Gaus und Lütje übrig. Der dritte Teilhaber, die Familie Behrens, kam im Jahr 2004 dazu.

Drei Gesellschaften

Ernst Lütje, Ulrich Behrens und Jochen Gaus, (v.l.n.r.) bewirtschaften ihre Flächen gemein­sam. Die Süßkartoffeln hier im Bild sind das jüngste Projekt der Ährenwert GbR. (Bildquelle: privat)

Im Wesentlichen gibt es heute drei Einzelgesellschaften:

  • Die Gaus-Lütje GbR seit 1992. Hier arbeiten heute Jochen Gaus und Ernst Lütje im Kartoffelanbau und vor allem der Direktvermarktung zusammen.
  • Die Ohnhorst GbR seit 2004: Diese Gesellschaft ist eine Bewirtschaftungsgesellschaft aller drei Teilhaber. Sie setzt die gemeinschaftlichen Maschinen ein und tritt nach innen – sowie in geringerem Maße – auch nach außen als Lohnunternehmen auf. Ein- und Verkauf von Betriebsmitteln, Lagerung plus Vermarktung von Getreide sowie die PV-Anlage laufen ebenfalls über diese Gesellschaft.
  • Die Ährenwert GbR: Seit 2011 bündelt diese GbR alle Flächen der drei Familien. Die 600 ha werden komplett gemeinschaftlich bewirtschaftet. Die Schläge sind im Schnitt 6 ha groß. Neuestes Projekt der Ährenwert GbR sind 4 ha Süßkartoffeln.

Maschinenbestand teilen

Ein wichtiger Vorteil der Gemeinschaft zeigt sich im Maschinenbestand: Die fünf John Deere 6155R haben die Praktiker im Paket gekauft. Alle haben die gleiche Ausstattung. Das ist nicht nur beim Aushandeln des Preises ein Vorteil. Keiner der Mitarbeiter muss sich in unterschiedliche Bedienkonzepte einfuchsen. Zwei weitere Traktoren für die schwere Bodenbearbeitung und die Bestellung teilt sich die Ährenwert GbR überdies mit dem Rittergut Martinsbüttel. Der Besitzer Phillip von Lucke ist quasi das vierte Mitglied der Maschinengemeinschaft.

Bei der Ährenwert GmbH sind digitale Systeme im Einsatz - aber nur, wenn sie einen messbaren Nutzen bringen. (Bildquelle: Höner)

Klare Zuständigkeiten

Wie kommen sich drei engagierte Betriebsleiter nicht in die Quere? Das haben die Landwirte, die sich schon aus Kindertagen kennen, durch eine...