Am von Caroline Schulze Stumpenhorst

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Drainagen: Unterirdisch. Unbekannt. Unverzichtbar.

Probegrabungen, historische Pläne und viel Messarbeit – so sieht die Suche nach Drainagen bisher aus. Das Start-up „Apus Systems“ setzt auf Luftbilder, um ein digitales Drainagen-Kataster zu erstellen. Denn nur wer weiß, wo die Drainagen vergraben sind, kann sie in Stand halten.

In Deutschland gibt es laut Bundesumweltamt rund 11,7 Mio. Hektar Ackerfläche und rund 4 Mio. Hektar Grünland. Ein Großteil dieser Flächen wäre für die Landwirtschaft nicht zu gebrauchen, wenn unter ihr keine Drainagen vergraben wären. Ohne das kilometerlange unterirdische Netz aus Entwässerungsrohren, die überschüssiges Wasser ableiten, käme es auf den meisten Äckern zu Staunässe. Eigentlich also eine gute Sache, die vor mehreren Jahrzehnten installiert wurde. Wäre da nicht das Problem mit der fehlenden Dokumentation des unsichtbaren Geflechts.

Mithilfe einer Drohne nehmen die Gründer Luftbilder auf. (Bildquelle: Apus Systems)

Während die Flächeneigentümer oder Pächter heute kaum noch neue Drainagen verlegen, müssen die alten Systeme instandgehalten werden. Doch wie sollen sie etwas reparieren, ohne zu wissen, wo es liegt? Um dieses Problem kümmern sich seit acht Jahren Mario Hehne und Fabian Naumann. Der Diplomgeograph und Ingenieur haben das Start-up „Apus Systems“ gegründet. Die beiden Dresdner spüren deutschlandweit bestehende Drainagesysteme auf. Skurrilerweise geschieht das Ganze mittels Drohnenaufnahmen aus der Luft.

DIE PFLANZEN ALS ZEIGER

Wenn die Rede von unterirdischen Rohren ist, gerät wohl nur ein Geograph ins Schwärmen. Doch wenn Mario Hehne davon erzählt, was für den Laien unsichtbar ist, zeigt sich seine Leidenschaft: „Wir bedienen uns einer Technik, die in der Archäologie Verwendung findet. Wir nutzen die Ackerkulturen als Zeiger für den Verlauf der Drainage.“ Die Drainagerohre liegen etwa 70 bis 80 cm unter der Erdoberfläche. Mithilfe von Luftbilder und viel Know-How ist das Netz jedoch dennoch von oben sichtbar: „Wenn etwas im Boden liegt, beeinflusst es das Wachstum der Pflanzen. Direkt über der Drainage liegt ein anderes Nährstoffverhältnis vor. Das Wasservorkommen ist ideal und die Pflanze kann höher und kräftiger wachsen“, so der 42-Jährige.

Wir nutzen die Ackerkulturen als Zeiger für den Verlauf der Drainage.

Mario Hehne

Direkt über der Drainage ist die Nährstoffversorgung der Pflanzen am besten. (Bildquelle: Apus Systems)

Für diese Aufnahmen ist jedoch nicht jede Jahreszeit geeignet. „Am häufigsten nutzen wir das Wuchsstadium im Frühjahr für die Aufnahmen“, erklärt Mario Hehne. Wenn Gerste, Weizen oder Raps zu schossen beginnen, also in die Länge wachsen, sind die unterschiedlichen Bodenbedingungen besonders sichtbar. „Beim Raps ist es bis zur Blüte möglich. Beim Getreide nach der Schossphase erst wieder, wenn es abreift.“ Dann ist das Getreide direkt über der Drainage noch grün, während es daneben schon abgereift und gelb ist. Die Luftbildaufnahmen funktionieren ebenfalls auf unbestellten Flächen nach einem Regenschauer. „Über dem Drainagerohr trocknet der Boden schneller ab“, erklärt der Gründer.

Viele der in den 60er Jahren verlegten Drainagerohre sind heute defekt. (Bildquelle: Christian Müller)

Der Unterschied zwischen Ost und West

All diese Erfahrungswerte haben sich...


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