Am von Eva Piepenbrock

Schreiben Sie Eva Piepenbrock eine Nachricht

Echte Transparenz: Ein Schlüssel zu mehr Zahlungsbereitschaft?

Fragt man Verbraucher, ob sie für mehr Tierwohl auch mehr zahlen würden, erhält man ein klares "Ja". Unter welchen Bedingungen sie den Worten dann auch Taten folgen lassen, erklärt Prof. Dr. Karin Schnitker im Interview.

f3 - farm.food.future: Prof. Schnitker, viele Geschäftsmodelle von Food-Start-ups setzen eine erhöhte Zahlungsbereitschaft der Verbraucher voraus, wenn mehr Tierwohl involviert ist. Dabei belegt eine kürzlich erschienene Studie, dass dies oft nicht der Fall ist. Was stimmt denn nun?

Prof. Dr. Karin Schnitker: Die Studie, die du ansprichst, stammt von meinem Kollegen Prof. Dr. Ulrich Enneking und seinem Team von der Hochschule Osnabrück. Darin geht es um die Kaufbereitschaft von verpackten, mit Tierwohllabel versehenen Schweinefleischprodukten. Durch ein Realexperiment und eine Kassenzonen-Befragung konnte die Studie zeigen, was viele Bauern schon länger sagen: Befragt man Verbraucher, ob sie bereit sind, für Fleisch mit höheren Tierwohlstandards mehr Geld auszugegeben, wird dies häufig bejaht. An der Kasse sieht es dann aber häufig anders aus.

Prof. Dr. Karin Schnitker (Bildquelle: f3)

An der Kasse sieht es dann aber häufig anders aus.

Prof. Dr. Karin Schnitker

Die Begründung liegt im sogenannten „Sozialer-Erwünschtheits-Effekt“, wonach Befragte eher die Antwort geben, von der sie glauben, dass sie erwünschter ist, als die wahre Antwort. Das in insgesamt neun Edeka-Märkten beobachtete Kaufverhalten der Studie zeigt, dass die Kaufbereitschaft für Tierwohlkriterien nur sehr bedingt ausgeprägt ist. Sie wird je nach Produkt, Grundpreis, Kaufkraftniveau im Gebiet usw. unterschiedlich beeinflusst.

Im Ergebnis wurden bei einem mittelpreisigen Schweinefleischprodukt im SB-Regal für das Tierwohllabel 9 bis 13 % Preisaufschläge akzeptiert, je nach Situation. Wieso bestimmte Verbraucher an bestimmten Orten für bestimmte Produkte mit Tierwohllabel durchaus kaufbereit sind, auch wenn sie mehr Geld kosten, das werden weitere Forschungen zeigen.

Der Zitronenmarkt

f3: Wenn der Wunsch nach mehr Tierwohl doch eigentlich vorliegt und auch die generelle Bereitschaft, dafür mehr zu zahlen - warum tut der Verbraucher es dann doch häufig nicht?

Prof. Dr. Karin Schnitker: US-Nobelpreisträger George A. Akerlof hat schon in den 70er Jahren im Aufsatz „Market of Lemons“ anhand von Gebrauchtwagen gezeigt, dass ein freier Markt nicht richtig funktioniert, wenn Käufer und Verkäufer über unterschiedliche Informationen verfügen. Wenn ein Käufer z.B. über bestimmte Qualitätskriterien keinen Nachweis hat, ist er auch nicht bereit, angemessene Preise für qualitativ höherwertige Gebrauchtwagen zu bezahlen.

Ein freier Markt funktioniert nicht richtig, wenn Käufer und Verkäufer über unterschiedliche Informationen verfügen .

Prof. Dr. Karin Schnitker

Das hat einen Einfluss auf das gesamte...