Am von Anja Rüweling

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Ein Fitnesstracker für die Kuh

Das Start-up dropnostix vertreibt einen Sensor, der im Pansen der Milchkuh die Temperatur sowie Bewegungs- und Verdauungsaktivität misst. Ein Algorithmus wertet die Daten aus und meldet dem Landwirt Auffälligkeiten. Der kann handeln, bevor die Milchleistungswerte schlecht sind.

Wer das Künstlerhaus Scholle51 am Park Sanssouci in Potsdam betritt, erwartet dort erst einmal kein Unternehmen, das sich mit Tiergesundheit beschäftigt. Ein Blick in das erste Büro mit herumliegenden Sensoren, Computerchips und Bildschirmen weist auf ein Tech-Start-up hin. Erst im zweiten Büro sind Gummistiefel und Kuhbilder an den Wänden zu sehen. Hier wird deutlich: Bei dropnostix geht es um Tiergesundheit durch Technik.

Michael Breitenstein (rechts) und Lars Abraham entwickelten einen Sensor, der die Kuh-Gesundheit misst. (Bildquelle: Nils Lucas)

Die beiden Gründer, Michael Breitenstein und Lars Abraham, haben einen Sensor entwickelt, der den Gesundheitszustand der Milchkuh anhand von drei Parametern permanent überwacht: Temperatur, Verdauungs- und Bewegungsaktivitäten. Der Sensor liegt im Pansen der Kuh und sendet die gemessenen Parameter auf eine Empfängerstation im Stall. Eine von dem Start-up entwickelte Software analysiert die Daten und schlägt beim Landwirt Alarm, sobald Auffälligkeiten auftreten.

Verdauung durch Pansenkontraktion messen

Anders als eine Ohrmarke zur Temperaturmessung oder Funkhalsbänder und Pedometer zur Messung der Bewegungsaktivität, misst der Sensor von dropnostix drei Parameter. Auch das ist nicht ganz neu. Die Messung der Verdauungsaktivität durch Kontraktion im Pansen allerdings schon. „In der Wissenschaft ist man lange davon ausgegangen, dass der pH-Wert ein aussagekräftiger Parameter ist“, erklärt Lars. Dabei sei die langzeitstabile Messung der Verdauungsaktivität in Kombination mit der Temperatur und Bewegung viel sinnvoller.

In der Wissenschaft ist man lange davon ausgegangen, dass der pH-Wert ein aussagekräftiger Parameter ist.

Lars Abraham, Gründer von dropnostix

Der Sensor besteht aus einem etwa 2 cm großen Chip und einer Batterie in einem Kunststoff- und Chromgehäuse. Nach Aussage der Gründer kann die Kuh den 10 cm langen Sensor problemlos schlucken. Vier Jahre hält die Batterie, solange bleibt der Sensor im Pansen der Kuh, ohne dass sie es bemerkt. „Der Magen der Kuh ähnelt einem Waschbeckensiphon. Der Sensor liegt quasi in dem Auffangbecken und wandert von dort nicht weiter“, beschreibt Michael die Lage des Sensors. Erst bei der Schlachtung kann er entfernt werden.

Datenerhebung- und auswertung aus einer Hand

Bis dahin soll er dem Landwirt helfen, den Gesundheitszustand seiner Herde zu überwachen und Brunst sowie Fütterung zu managen. Eingesetzt wird der Sensor bei möglichst jeder Kuh in der Herde. „Der Landwirt fängt bei einer Erstkalbin an, die gerade in die Milchproduktion startet, damit die Kuh möglichst in ihrer kompletten Milchgebe-Laufbahn beobachtet werden kann“, beschreibt Lars. Der Sensor misst die Parameter, speichert sie zwischen und funkt sie an eine Empfängerstation im Stall. Eine zentrale Basisstation sendet die Daten dann an eine Cloud. Die von dropnostix entwickelte Software wertet die Daten aus und meldet Auffälligkeiten.

Die gemessenen Parameter sendet der Sensor an eine Empfängerstation im Stall. Eine Software wertet die Daten aus. (Bildquelle: Christina Helmer)

Meldungen können zum Beispiel „Verdacht auf Ketose“, „Verdacht auf Fieber“ oder...