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International

Ein Label für den ökologischen Fußabdruck

Frankreich geht bei der Kennzeichnung des ökologischen Fußabdrucks von Lebensmitteln voran. Sie basiert auf der Analyse von Produktlebenszyklen. Kritik folgt auf dem Fuße.

In Frankreich ist eine erste Kennzeichnung des ökologischen Fußabdrucks von Lebensmitteln an den Start gegangen. Der an die Nährwertampel Nutri-Score angelehnte „Eco-Score“ wird seit kurzem von mehreren Apps und Online-Plattformen ausgewiesen. Wie der Agrar-Pressedienst AgE meldet, befinden sich darunter etwa das Lebensmittel-Informationssystem „Yuca“, das von mehreren Millionen Anwendern genutzt werden soll.

Antibiotika, Tierwohl und Boden nicht – dafür Zutatenherkunft, Verpackung, Umweltpolitik

Demnach basiert die Kennzeichnung auf Analysen von sogenannten Produktlebenszyklen, die von der Agentur für Umweltschutz und Energie (ADEME) bereitgestellt werden und die Umweltauswirkungen pro erzeugtem und verbrauchtem Kilogramm erfassen. Es handele sich um die derzeit fortschrittlichste wissenschaftliche Methode zur Darstellung des ökologischen Fußabdrucks, so die Anbieter des Eco-Score. Sie räumen allerdings ein, dass die Auswertung rein ertragsbezogen erfolgt und Aspekte wie den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Antibiotika, das Tierwohl sowie Auswirkungen auf Böden und die Artenvielfalt nicht berücksichtigt. Um dies zu kompensieren, werden in die endgültige Bewertung des Eco-Score noch Faktoren wie die Umweltpolitik des Ursprungslandes, vorhandene Nachhaltigkeitslabel, die Herkunft der Zutaten und die Nachhaltigkeit der Verpackung einbezogen.

Je heimischer, desto besser: Für das neue Klimalabel in Frankreich zählt auch, woher die Zutaten für ein Lebensmittel kommen.  (Bildquelle: Landwirtschaftsverlag GmbH)

Die Initiative sieht in ihrer Kennzeichnung einen Kompromiss zwischen einem streng wissenschaftlichen Ansatz und der Notwendigkeit, unmittelbar auf Umwelt- und Klimaprobleme zu reagieren. Man könne nicht jahrelang auf Forschung warten, bevor man Maßnahmen ergreife, heißt es in der AgE-Meldung. Die französische Regierung will Ende des Jahres offiziell eine Kennzeichnung für die Umweltauswirkungen von Lebensmitteln einführen. Vorgesehen sind eine Testphase mit einer Erprobung auf freiwilliger Basis, Konsultation mit den Interessengruppen sowie abschließend eine Machbarkeitsstudie und eine Folgenabschätzung. Diese Prozesse sind indes gerade erst angelaufen - der Eco-Score dürfte nun den Druck etwas erhöht haben.

Warnung vor Verwirrung

In einem neuen Positionspapier sprechen sich Prof. Dr. Achim Spiller und Verbraucherforscherin Dr. Anke Zühlsdorf für ein Klimalabel auf Lebensmitteln aus. So lauten ihre wichtigsten Empfehlungen.

Mehrere Umwelt-, Verbraucher- und Landwirtschaftsorganisationen kritisierten die Einführung der neuen Kennzeichnung. Das Bündnis von mehr als 15 Verbänden warnte, das Ziel, den Verbrauchern eine zuverlässige, transparente und vollständige Umweltkennzeichnung zu bieten, werde untergraben. Die Bewertung auf Grundlage der oben beschriebenen  Datenbank benachteilige außerdem Fleisch von Grünlandbetrieben zugunsten von weniger nachhaltigen Produktionsmodellen. Nach Ansicht der Kritiker werden durch die ertragsbasierte Analyse von Produktionszyklen die intensivsten Bewirtschaftungsmodelle deutlich bevorzugt.
Die Verbände forderten Umweltministerin Barbara Pompili und Landwirtschaftsminister Julien Denormandie auf, die unzureichenden Nachhaltigkeitsdaten der ADEME zurückzuziehen. Es müsse dringend verhindert werden, dass die verzerrten Daten zum „Greenwashing“ benutzt und etwa Eier aus Käfighaltung als besonders nachhaltige Erzeugnisse propagiert würden. 


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