Am von Eva Piepenbrock

Schreiben Sie Eva Piepenbrock eine Nachricht

Schwarze Soldatenfliege

Ein Stall für Insekten

Das Start-up „madebymade“ stellt aus Insektenlarven Proteinmehl her. Und: Die Gründer wollen schlüsselfertige Zuchtanlagen vermarkten. Kunden könnten sich in der Land- und Ernährungswirtschaft finden. Denn zur Zucht der Larven braucht es organische Reststoffe und Wärme. Zum Beispiel aus Biogasanlagen.

Insekten-Burger, Müsliriegel aus Maden oder Pasta aus Mehlwürmern - derzeit wird vielerorts über Insekten als alternative Proteinlieferanten gesprochen. Ein für Insektenprotein mindestens genauso interessanter Markt liegt in der Nutztierfütterung. Seit einiger Zeit darf das Insektenmehl nämlich an Fische und Haustiere verfüttert werden. Und bald wahrscheinlich auch an Geflügel und Schweine. Studien der Uni Göttingen zeigen, dass Insektenmehl aus ernährungs-physiologischer Sicht unter bestimmten Voraussetzungen als Futtermittel für Masthähnchen, Ferkel und Mastschweine geeignet ist. Aber wo auch immer es zum Einsatz kommt - kaum eins der bereits aktiven Start-ups züchtet die Insekten selbst. Viele beziehen das verarbeitete Mehl von wenigen großen Insektenzuchtanlagen in den Niederlanden, Frankreich oder gar Thailand. Ob um die halbe Welt transportiertes Insektenprotein dann noch besonders nachhaltig ist, müsste zumindest kritisch hinterfragt werden.

(Bildquelle: Nathalie Färber)

Einer der ersten Akteure, der auch in Deutschland Insekten im großen Stil züchten möchte, ist das Start-up „madebymade“ aus Leipzig. Die Gründer Kai Hempel und Dr. Jonas Finck haben in der alten Pelletieranlage einer örtlichen Agrargenossenschaft eine Zuchtanlage für eins der in Deutschland bislang als Nutztier zugelassenen Insekten gebaut: die Schwarze Soldatenfliege. (Infos zur rechtlichen Situation) Sie legt Eier, aus denen proteinreiche Larven schlüpfen. Diese werden herangezogen, gemästet und anschließend getrocknet und zu Mehl verarbeitet. „Wir wollen eine nachhaltige Alternative zu Fisch- und Sojamehl schaffen“, sagt Kai Hempel. Bislang zählen der Proteingroßhandel und Futtermittelproduzenten für Heim- & Haustiere sowie für Aquakulturen zu seinen Kunden. Wenn es nach madebymade geht, könnten bald auch Unternehmen und Betriebe aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft dazuzählen.

Geschäftsmodell: Zuchtanlagen bauen

Die Pilotanlage von madebymade befindet sich in der alten Pelletieranlage einer Agrargenossenschaft - rechts im Bild - südlich von Leipzig. (Bildquelle: Piepenbrock)

Denn obwohl die Insektenzucht auch hierzulande schon von einigen Akteuren betrieben wird, fehlt noch ein übertragbares Konzept zur Zucht der Tiere im industriellen Maßstab. Wer also - auch als Landwirt - unter die Insektenzüchter gehen möchte, kann nirgends eine schlüsselfertige Anlage bestellen. Kai sieht in landwirtschaftlichen Betrieben jedoch durchaus eine Zielgruppe. Er sagt: „Große Landwirte oder Erzeugergemeinschaften können sich ausrechnen, ob es sich lohnt, die Futtermittel für den eigenen Betrieb herzustellen und den Rest zu verkaufen.“

Innerhalb weniger Jahre ist der Preis von 2000 €/t auf derzeit 5000 bis 6000 €/t angestiegen.

Auszug

Der Marktwert von Insektenmehl lässt derzeit jedenfalls viele aufhorchen: Innerhalb weniger Jahre ist der Preis von 2000 €/t auf derzeit 5000 bis 6000 €/t angestiegen. Zum Vergleich: eine Tonne Weizen liegt derzeit bei rund 160€. Eine Tonne Sojaschrot bekommt man für 345€.

Also haben Kai und Jonas eine Art Stallbaukonzept für die Schwarze Soldatenfliege entwickelt. Ihre Anlage soll in einem Franchisesystem verkauft werden. Interessierte können sie für einen mittleren einstelligen Millionenbetrag kaufen und betreiben. „Sie rentiert sich nach etwa drei Jahren“, sagt Kai. Es besteht aber auch die Möglichkeit, sich individuell daran zu beteiligen und für gewisse Rahmenbedingungen zu sorgen, die für die Wirtschaftlichkeit einer solchen Anlage notwendig sind: Sie muss in passenden, geschlossenen Räumlichkeiten von mindestens 2500 qm stehen. Es müssen große Mengen verfütterbare Reststoffe vorhanden sein. Und es sollte eine ergiebige Wärmequelle, wie etwa eine Biogasanlage oder eine Zellstofffabrik, in der Nähe sein. Das Ziel des Start-ups: vier weitere...


Mehr zu dem Thema