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Digitalisierung

Eine App für den Viehhandel

Den Datenaustausch entlang der Handelskette „Rind“ digitalisieren – von Landwirt über Händler, Schlachthof, Spediteur bis hin zum Veterinär. Das ist das Ziel der neuen App „Agrabiz“. 

„Ich scanne die Rinderpässe ein und mit dem Verkauf der Bullen werden die Tiere automatisch in der HIT-Datenbank abgemeldet. So spare ich mir mühsame Meldungen.“ So berichtet Landwirt Martin Moser von seinen Erfahrungen mit der Nutzung der Viehhandels-App „Agrabiz“. Der Bullenmäster aus Vilsbiburg in Bayern ist einer der Pilotbetriebe und nutzt die App von Beginn an. Insgesamt ist er einer von bislang 1000 Betrieben, die die App der Gründer Sofie Holt und Henrik Rehse nutzen. Nach über drei Jahren Entwicklung und dem Feedback von Landwirten wie Martin ist die Plattform jetzt marktreif. 

Was bietet Agrabiz?

Agrabiz versteht sich als Arbeits- und Prozesshelfer für den Handel sowie die Vermarktung von Nutz- und Schlachtvieh. Derzeit konzentriert sich die App vornehmlich auf Bullen- und Färsenmäster. Eine Version für Milchviehhalter soll bald folgen. Mit Hilfe der Plattform können alle Teilnehmer der Lieferkette ihre Daten mobil verwalten und austauschen – also Landwirte, Händler, Schlachthöfe und Behörden. Wiederkehrende Tätigkeiten, wie Käufe und Verkäufe von Vieh, Dokumentationen von Bestands-, Schlacht- und Lieferdaten sowie Meldungen an Veterinärämter lassen sich vom Smartphone aus managen. Der Viehbestand aus der HIT-Datenbank wird Landwirten übersichtlich angezeigt. HIT-Meldungen wie Geburten, Zu- und Abgänge oder Antibiotikaeinsätze können automatisch erstellt werden.

Agrabiz will den Landwirt bei alltäglichen Prozessen unterstützen. So kann er mit Hilfe der App zum Beispiel Boxensortierungen vornehmen. (Bildquelle: Agrabiz)

Für Händler bietet die Anwendung Möglichkeiten zur Tourenplanung und erstellt digital signierte Lieferpapiere und Standarderklärungen. Schlachthöfe können mit der App schneller auf Lieferpapiere oder Rinderpässe zugreifen, haben eine zentrale Tageseinkaufsübersicht und können zudem gezielte Kaufanfragen an die eigene Lieferkette nach Rasse oder Qualitätsprogramm stellen.
„Wir bedienen fünf Zielgruppen, also brauchen wir fünf Module für die unterschiedlichen Ansprüche“ sagt Gründerin Sofie Holt. Neben Landwirten nutzen nach Angaben von Agrabiz noch rund 10 bis 15 Händler und zwei Schlachthöfe die App.

Traditionelle Branche in modernem Gewand

Die Idee für die App kam von Gründerin Sofie Holt.  Die 31-Jährige ist Einkäuferin beim Schlachthof Attenberger in München. Sie sagt: „Gesellschaft, Politik, Veterinärämter und Lebensmittelhandel üben zunehmend Druck auf die Branche aus und heben die Anforderungen stetig an.“ Nicht zuletzt durch die Coronakrise ist im vergangenen Jahr eine neue Debatte über die Fleisch- und Schlachtindustrie entflammt. Landwirte und Schlachthöfe geraten durch Skandale vermehrt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.  berichtet Sofie Holt. „Die Schlachtbranche muss ein besseres Image kriegen“, findet Holt. Sie will mit Agrabiz einen Teil dazu beitragen. Ihr Ziel war es auch, mit der App das Tierwohl zu stärken: Über eine bessere Rückverfolgbarkeit eines Tieres, die Qualitätsprogramme, die Antibiotikameldungen sowie die Fahrzeiten von Tiertransporten. 
Die Schlachtbranche muss ein besseres Image kriegen.
Sofie Holt
Als Tochter eines Viehhändlers und durch ihre 16-jährige Branchenerfahrung im Lebendvieheinkauf kam ihr die Idee für die App aber erstmal „aus der Not heraus“. „Zugegeben, die Schlachtviehbranche ist eine sehr traditionelle. Sie lebt von persönlichen Kontakten und ist in ihren Prozessen festgefahren“, sagt die gebürtige Münsterländerin. So erfolgten die Dokumentationen beim Schlachthof und den anderen Akteuren der Kette ganz „old school“ manuell und vornehmlich über Fax und Papier, wodurch Fehler vorprogrammiert waren. „Falsche Betriebsnummern oder Ohrmarken, Zahlendreher, falsche Zertifizierung von Tieren, die eigentlich BIO-zertifiziert sein müssen… Das sind nur einige Fehler, die Zeit und Aufklärungsarbeit kosten“, schildert Holt ihre Erfahrungen aus dem Lebendvieheinkauf. 

Agrabiz-Mitgründerin Sofie Holt verfügt über langjährige Erfahrungen in der Schlachtbranche. Von ihr stammt die Idee für die App. (Bildquelle: Yanogo GmbH)

Rückblickend weiß die 31-Jährige, dass sie sich trotz der langjährigen Erfahrung sehr viel vorgenommen hatte mit der Digitalisierung des Viehhandels. „Wenn ich vorher gewusst hätte, wie viel Arbeit mit der Entwicklung verbunden ist, hätte ich das Projekt wahrscheinlich nie ins Leben gerufen“, gibt sie zu. Dass die Entwicklung von derartiger Komplexität geprägt sein würde, hat das Team erst während des Prozesses festgestellt. Das war allein schon bedingt durch die drei Systemversionen  - Android, iOS und Desktop – und fünf Nutzungsmodule, sagt Rehse. 

Die Funktionen im Überblick

Als zentraler Datenmittler will Agrabiz alle wichtigen Akteure des Rindermarktes mit Informationen versorgen. Folgende Funktionen bietet die App für die einzelnen Akteure.


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