Am von Caroline Schulze Stumpenhorst

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Gänse für die Grillsaison

Eine Weihnachtsgans braten kann jeder – bei Johann-Michel Claßen kommt die Gans auf den Grill. In der eigens gegründeten Wurstwarenmanufaktur hat der gelernte Landwirt Deutschlands erste Gänsebratwurst entwickelt.

Zweieinhalb Hektar Fläche, 100 Gänse und eine kleine Hausschlachterei – das gab der elterliche Betrieb von Johann-Michel Claßen einst her. Gleicher Ort, wenige Jahre später: Heute sind daraus 10  000 Gänse, ein modernes Schlachthaus und Deutschlands erste Gänsebratwurst entstanden. Mit Zufall hat der Werdegang des Agrar- und Lebensmittelwirtschaftlers aus Bakum, Landkreis Vechta, nichts zu tun. Sein Vater, hauptberuflicher Industriekaufmann, hatte 1976 den Hof im südlichen Niedersachsen erworben und zunächst im Nebenerwerb geführt. Gänsezucht, -mast und -schlachtung standen schon damals auf dem Programm. Doch erst als Johann-Michel das Potenzial des Betriebs erkannte, begann die Geschichte der heutigen Goosies Wurstwarenmanufaktur.

Eine Gans ist kein Huhn

Die Maispflanzen bieten den Gänsen Schutz und Futter. Auf einer Fläche von rund 4,5 ha leben 3000 Gänse in einer Gruppe. (Bildquelle: Schulze Stumpenhorst)

Der gelernte Landwirt setzte auf ein Studium der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft in Osnabrück. Er brauchte jedoch nicht nur das Wissen über die Lebensmittelverarbeitung und die Produktionsprozesse, sondern musste auch das finanzielle Gerüst aufbauen. „Ohne eine handfeste Kalkulation geht es nicht“, wusste Johann-Michel schon damals. „Bei den Gänsen ist zwar schon immer etwas hängen geblieben, doch eine Gans ist kein Huhn. Wer ein Hähnchen mästet, hat eine sehr kurze Kapitalbindung von nur ein paar Wochen.“ Bei Gänsen hingegen sieht das anders aus: „Ich kann nur einmal im Jahr die Ware beziehen, muss also in der Lage sein, die gesamte Produktion vorzufinanzieren.“

Wir wollten anfangs 100 kg Wurst am Tag erzeugen, haben aber nur 10 kg geschafft.

Johann-Michel Claßen

Gemeinsam mit Fleischer Raimund

Zwar nutzte der junge Student die Chance, während seines Studiums die Produktentwicklung für die Gänsebratwurst mithilfe des Deutschen Instituts für Lebensmitteltechnik einzustielen. Doch ohne seinen langjährigen Freund und Fleischermeister Raimund Winter hätte er es nicht geschafft. „Als wir 18 Jahre alt waren, hatten wir uns vorgenommen, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen“, erinnert sich der Gründer. „Ich hab Raimund angerufen und ihm erzählt, dass wir an der Uni was ausprobiert haben.“ Das war im Oktober 2012.

Fleischermeister Raimund Winter bei der Arbeit. (Fotos: Drießen)

Weder Johann-Michel noch sein Kompagnon ahnten zu diesem Zeitpunkt, welche Hürden sie bei der Umsetzung ihres ambitionierten Plans überwinden mussten. „Wir wollten anfangs 100 kg Wurst am Tag erzeugen, haben aber nur 10 kg geschafft“, erinnert er sich schmunzelnd. Die ersten Jahre haben die beiden die Manufaktur nebenberuflich geführt. Raimund war...