Am von Anne Kokenbrink

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Wasserbüffelhaltung

Große Büffel, kleine Nische 

Wasserbüffel sind hierzulande eine Seltenheit. Und das nicht umsonst. Denn trotz ihrer Genügsamkeit ist die Haltung der charakterlich widerwilligen und sensiblen Schwergewichte eine Vertrauenssache. Das weiß Familie Mölders, die seit über 15 Jahren Büffel hält. Nicht zuletzt erfordert die Produktion des Büffelmozzarellas, der Spezialität des Hofes, Fingerspitzengefühl. Eine echte Nische eben.

„Kommt mal her! Starke, Sony, Ariel!“, ruft Martin Mölders, während er einen Eimer mit Kraftfutter schüttelt. Und es dauert nicht lang, da kommen 40 Tiere, je eine halbe Tonne schwer, auf ihn zu getrottet. Ganz friedlich und gemütlich. „Sensibel wie ein Pferd. Stur wie ein Rindvieh. Treu wie ein Hund“, sagt Martin Mölders, während er einen seiner Wasserbüffel streichelt. Der ragt ihm bis zur Schulter und könnte ihn ohne Mühe umrennen. Aber Martin vertraut seinen Tieren und sie umgekehrt auch ihm.

Büffel in Deutschland – eine Seltenheit

Der Landwirt und seine Frau Silvia Mölders züchten seit 2004 Wasserbüffel auf ihrem Betrieb in Bocholt. Was damals als Experiment begann, ist heute ein Vollzeitgeschäft mit einer Herde von insgesamt 100 Tieren und angegliederter Vermarktung über den eigenen Hofladen und regionale Händler. Der Betrieb vermarktet Büffelmozzarella, -joghurt, -fleisch und mehr. Neben den Büffeln sind auf dem Hof noch alte Rinderrassen, 50 Berkshire-Schweine und knapp 400 Hühner in Mobilställen zuhause. Die Familie bewirtschaftet ca. 40 ha Fläche. Wegen Einheirat trägt der Hof heute den Namen Mölders. Damit Kragemann, der ursprüngliche Name des Hofes, nicht in Vergessenheit gerät, nannte das Ehepaar den Hof „Büffelhof Kragemann“. Neben dem Ehepaar unterstützt Tochter Anna Mölders auf dem Hof.

Familie Mölders hat über viele Jahre eine intensive Beziehung zu den Wasserbüffeln aufgebaut.  (Bildquelle: Schildmann)

Als die Familie auf der Weide inmitten der Herde steht, spürt der Betrachter, dass aus der anfänglichen Liebhaberei längst eine Leidenschaft geworden ist. Wie vertraut das Verhältnis zu den Tieren ist, merken wir spätestens, als sich Martin Mölders auf den Rücken eines Büffels setzt. „Sony weiß, dass ich es bin, die bleibt ganz ruhig“, sagt er. Selbstverständlich tragen alle Tiere einen Namen. Die Mölders besetzen eine absolute Nische. „Insgesamt leben in Deutschland rund 6.000 Wasserbüffel“, meint Ehefrau Silvia. Davon werden nur etwa 1.000 landwirtschaftlich gehalten – der Großteil dient der Landschaftspflege.

Melken ist Vertrauenssache

Die massiven Tiere wirken imposant und so gar nicht wie Kuscheltiere. Daher mag es überraschen, wie eng die Bindung der Tiere an ihre Besitzer ist. So eng, dass sie sich nur von Martin und Silvia Mölders melken lassen. Darum darf auch beim Interviewtermin niemand beim Melken zuschauen. „Bei Unruhe oder fremden Personen im Melkstand lassen sie keine Milch ab“, erzählt der Landwirt. „Wenn ich nicht da bin, müssen sich die Kinder unseren Kittel anziehen und sich wie wir ‚verkleiden‘, sonst funktioniert es nicht“, schmunzelt er.
Bei Unruhe oder fremden Personen im Melkstand lassen sie keine Milch ab.
Martin Mölders
Eine Büffelkuh gibt im Durchschnitt 8 bis 10 l Milch pro Tag. Das macht eine jährliche Milchleistung von rund 2.300 l. Im Vergleich zur durchschnittlichen Milchleistung einer Milchkuh von 9.150 l pro Jahr mag das wenig erscheinen. Doch Martin Mölders weiß, dass diese Leistungen nur schwer vergleichbar sind. „Der Fettgehalt von Büffelmilch ist mit 8 % doppelt so hoch wie der von herkömmlicher Milch mit 4,1 %“, sagt er.

Über den Büffelmozzarella zur eigenen Büffelherde

Das Steckenpferd des Hofes ist Büffelmozzarella. Ein Großteil der Milch wandert in seine Produktion. Diese Spezialität war der Grund, warum sich die Mölders überhaupt Büffel zulegten. Vor gut 15 Jahren übernahm das Ehepaar den elterlichen Nebenerwerbsbetrieb von Silvia Mölders mit 30 Sauen und 18 Kühen, war aber auf der Suche nach einer unternehmerischen Nische. Der erstklassige Geschmack vom italienischen Büffelmozzarella bei einem Essen mit Freunden brachte das Ehepaar auf die Idee: Eigene Büffel kaufen, melken und selbst Käse...


Diskussionen zum Artikel

von Melina Griffin

Danke

Toller Beitrag, gut geschrieben und lesenswert, herzlichen Dank! Ich wünsche der Familie und ihren exotischen Tieren alles Gute für ihre Zukunft.

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