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Förderung

Günstiges Geld für junge Start-ups

In Deutschland fehlt es nicht an guten Ideen, sondern häufig an dem Geld für deren Umsetzung. Das wollen das BMEL und die Landwirtschaftliche Rentenbank nun ändern. Mit bis zu 800.000 € wollen sie agrarnahe und besonders innovative Start-ups unterstützen. Für das gesamte Förderprogramm stehen zunächst 8 Mio. € jährlich aus dem Zweckvermögen des Bundes bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank zur Verfügung. 

Die Landwirtschaftliche Rentenbank und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) setzen zukünftig auf eine frühe Förderung von Start-ups. Gemeinsam wollen sie Start-ups, deren innovatives Geschäftsmodell einen Beitrag zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Agrarwirtschaft leistet, durch ein zinsgünstiges Nachrangdarlehen unterstützen. Ihr Ziel: Eine Förderlücke in der Frühfinanzierungsphase schließen. Die Durchführung der Richtlinie erfolgt durch die Rentenbank im Auftrag des BMEL. Beginn der Bewerbungsphase ist heute.

Landwirtschaft modernisieren

Woran es Agrar-Start-ups hierzulande häufig fehlt, machte der Parlamentarische Staatssekretär des BMEL, Hans-Joachim Fuchtel, auf der gestrigen Pressekonferenz deutlich. Er sagte: „Der Agrarbereich ist ein riesiges Feld für Innovationen und es gibt viele junge Unternehmen, die das Zeug dazu haben, sich hier einzubringen. Allerdings bleiben viele chancenreiche Start-up-Ideen auf der Strecke, weil ihnen in einer entscheidenden Phase schlichtweg die finanzielle Luft ausgeht, bis sie ein Stadium erreichen, in dem sie für potenzielle Kapitalgeber interessant sind.“ Oberstes Ziel sei es, die Landwirtschaft weiter zu modernisieren, zu technisieren, zu digitalisieren und so den Transformationsprozess voranzutreiben, hieß es seitens des BMEL.
Allerdings bleiben viele chancenreiche Start-up-Ideen auf der Strecke, weil ihnen in einer entscheidenden Phase schlichtweg die finanzielle Luft ausgeht.
Hans-Joachim Fuchtel
Mit der Neuausrichtung ihres Zweckvermögens wollen Rentenbank und BMEL gezielt junge Start-ups aus dem AgTech- und FoodTech-Bereich fördern. Dabei setzen sie besonders auf das Zukunftspotenzial in Bereichen wie autonomes Fahren, Sensortechnik, Echtzeitanalysen von Bodenparametern und Blockchain-Technologie in den Bereichen Lebens- und Futtermittel. Die Bereichsvorständin der Rentenbank, Nicola Steinbock, betonte jedoch: „Es sind Start-ups aus allen Bereichen des Agrarsektors willkommen.“
Die individuelle Anschubfinanzierung erfolgt über ein zinsgünstiges Nachrangdarlehen, bei dem die Rentenbank hinter allen anderen Gläubigern zurücksteht, mit Laufzeiten von zwei bis zehn Jahren. Dr. Horst Reinhardt, Sprecher des Vorstands der Rentenbank, sagt dazu: „Zusammen mit dem BMEL haben wir durch diese Form von Wagniskapital ein Förderprodukt konzipiert, das den Besonderheiten der Start-up-Finanzierung Rechnung trägt. ‚Innovationsgutscheine‘ für z. B. Coaching-Maßnahmen ergänzen die Förderung“, erklärte er.

Expertenbeirat unterstützt

Besonderen Wert wollen die Beteiligten auf die Auswahl der förderfähigen Start-ups legen. Nachdem sich ein Start-up um das Nachrangdarlehen beworben hat, soll ein Expertenbeirat mit hoher Fachkompetenz und  Marktkenntnissen das Potenzial seiner Idee bewerten. Ein Mitglied des Beirates wird Borris Förster, Managing Partner der Amathaon Capital GmbH, sein. Seine Meinung zum Nachrangdarlehen ist klar: „Dieses Finanzierungsprogramm war längst überfällig. Im Vergleich zu anderen Branchen ist der AgriFood-Bereich in Deutschland unterfinanziert. Es gibt nur wenig Wagniskapital, da ist das Rentenbank-Programm ein guter Anfang.“ Er sieht es als Chance für junge Unternehmen, sich bereit für Wagniskapitalgeber zu machen und sich so einen Platz am internationalen Tisch zu sichern. 
Dieses Finanzierungsprogramm war längst überfällig. Im Vergleich zu anderen Branchen ist der AgriFood-Bereich in Deutschland unterfinanziert.
Boris Förster
Die Darlehensauszahlung an die Start-ups soll in mehreren Tragen erfolgen. Zunächst werden gemeinsam in einem Zuwendungsbescheid spezifische Meilensteine der Geschäftsidee festgelegt. Bei deren nicht erreichen, kann die Auszahlung gestoppt werden.
Auch bei den Start-ups kommt die neue Förderung gut an: So äußert sich die German AgriFood Society positiv über das Nachrangdarlehen. Ihrer Meinung nach seien viele Start-ups chronisch unterfinanziert. In Deutschland gäbe es kaum Wagniskapitalinvestoren, die sich auf die Geschäftsfelder entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette konzentrieren. Dr. Julia Köhn, Sprecherin des Vorstandes der German AgriFood Society, sagt: „Vom Acker bis zum Teller schlummern mehr als 30 % des Dekarbonisierungspotenzials. Viele der Technologien sind schon da und müssen jetzt unterstützt werden. Um dieses Potenzial zu heben, brauchen die deutschen Gründer und Gründerinnen vor allem Kapital und Know-how. Beides können sie jetzt bei der Rentenbank bekommen.“

Insgesamt 47 Bewerbungen verzeichneten Techquartier und Rentenbank für ihr diesjähriges „AgTech & FoodTech Bootcamp“. Diese elf Start-ups nehmen teil.

Das neue Nachrangdarlehen in Kürze

- Die Landwirtschaftliche Rentenbank  will landwirtschaftliche Existenzgründer durch Nachrangdarlehen (Mezzaninkapital) unterstützen. Damit soll die weitere Entwicklung von Existenzgründern in der frühen Finanzierungsphase gefördert werden.
-Die Start-ups sollten bereits einen Prototyp ihres Produktes entwickelt haben.
-Der Sitz des Unternehmens muss in Deutschland sein.
-Die maximale Kredithöhe beträgt 400.000  €. Bis zu 800.000 € sind möglich, wenn das Start-up "innovativ" im Sinne von Artikel 2 Nr. 80 der Allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung (AGVO) ist.
-Die mögliche Darlehenslaufzeit beträgt zwei bis zehn Jahre.
-Die Auszahlung des Darlehensbetrages erfolgt in mehreren Tranchen.


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