Am von Matthias Schulze Steinmann

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„Landwirte gehören zu den innovativsten Menschen überhaupt!“

Benedikt Bösel ist Vorsitzender der AgTech Plattform im Bundesverband Deutsche Startups und betreibt einen Marktfruchtbetrieb in Brandenburg. Wir sprachen mit ihm über die Vernetzung von Gründern, den Mut zur Veränderung und das nächste „große Ding“ in der Landwirtschaft.

f3: Benedikt, was macht ein Vorsitzender der AgTech Plattform im Bundesverband Deutsche Startups?

Benedikt Bösel: Wir versuchen durch engen Kontakt zu Politik und Verbänden ein Gründungsökosystem für Start-ups aus den grünen Berufen aufzubauen. Neben dem Aufbau von Gründerzentren in den ländlichen Räumen und der Förderung unserer Mitglieder gibt es in den Bereichen Landwirtschaft und Ernährung noch viel zu tun. Die Themen reichen vom flächendeckenden Netzausbau (5G) im ländlichen Raum, der stärkeren Förderung digitaler Kompetenzen in der Ausbildung grüner Berufe bis hin zu dem Versuch, ein größeres Verständnis für die ländlichen Räume und Landwirtschaft beim Konsumenten zu wecken.

Du schaust in viele Bereiche rein. Was wird das nächste „große Ding“ in der Landwirtschaft?

Exponentielles Wachstum findet in vielen Bereichen statt: Künstliche Intelligenz, Alternative Proteine, Genome Editing und Technologien wie die Blockchain. Diese Entwicklungen werden die Landwirtschaft – zumindest in den stark technologisierten Ländern – massiv beeinflussen und verändern. Als Ökolandwirt verfolge ich den Markt für ökologische Alternativen zu konventionellen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sehr gespannt. Ich denke hier wird unglaublich viel passieren, da viele erkennen, dass wir nicht so weitermachen können, wie bisher – im ökologischen wie im konventionellen Landbau.

Wir müssen noch viel mehr wagen, um Innovation zu fördern. Landwirte, Startups, und Forschungseinrichtungen müssen die Möglichkeit haben unbürokratisch und schnell an Fördergelder zu kommen.

Benedikt Bösel

Geht es etwas genauer?

Der Begriff AgTech (Agricultural Technology) wird als Oberbegriff für alle technischen Innovationen verwendet, die die datengetriebene, vernetzte, digitale Landwirtschaft der Zukunft betreffen. Doch...

Unsere Böden sind die Grundlage unseres Tuns in der Landwirtschaft. Lange Zeit haben wir mehr über kurzfristige Ertragssteigerungen nachgedacht, als über langfristige Bodenvitalität. Das hat dazu geführt, dass unsere Böden immer mehr zerstört werden. Laut FAO sind dies momentan ca. 12 Millionen Hektar pro Jahr. Auf einem Teelöffel gesundem Boden sind mehr Lebewesen als wir Menschen auf der Erde. Dieses System ist natürlich äußerst anfällig und sensibel. Um den Boden zu erhalten gibt es drei wesentliche Komponenten: 1. Schonende Bodenbearbeitung, 2. Abwechslungsreiche Fruchtfolge sowie 3. Einsatz von Zwischenfrüchten und konstante Biomassebedeckung des Bodens.

Was sind Projekte, die Dich faszinieren?

Generell sind das Geschäftsmodelle, Produkte oder Services, die neben wirtschaftlichen, auch soziale und ökologische Aspekte miteinbeziehen. Das ist gerade in der Landwirtschaft extrem relevant und wichtig. Wir müssen endlich kollektiv beginnen, langfristig zu denken und auch unsere Wirtschaft entsprechend danach ausrichten. Damit will ich nicht sagen, ökologische Landwirtschaft ist gut und konventionelle schlecht. Das wäre zu kurz gegriffen und die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Aber wir müssen den Einfluss unseres Handelns auf den Planeten und die Menschen bei...