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Netzwerk

Landwirte und Camper zusammenbringen

Camping auf dem Land liegt im Trend. Das Netzwerk „staybetter“ ermöglicht Wohnmobil-Campern die Übernachtung auf teilnehmenden Bauerhöfen. Für Landwirte ist das eine einfache Möglichkeit, mit Verbrauchern und potenziellen Kunden in Kontakt zu kommen.

Ach, wie schön ist Camping in Deutschland. Die Vielfalt aus Natur, Seen, Strand und Bergen macht unser Land zu einem beliebten Camping-Urlaubsziel. Aber welche Alternativen gibt es eigentlich zu herkömmlichen Camping- oder Stellplätzen? Muss ich wildcampen, wenn ich ruhig und möglichst naturnah Rast machen will? Wie finde ich die Möglichkeit, mitten in der Natur zu stehen, ohne andere Wohnmobile als Nachbarn? Das Online-Portal „staybetter“ will Abhilfe schaffen, indem es Camper und Bauernhöfe zusammenbringt. 
Das Prinzip ist recht einfach: Wer auf seinem Hof Platz für ein Wohnmobil hat und Urlauber zu einem Kurzaufenthalt einladen möchte, kann sich bei staybetter als Anbieter registrieren. Urlauber können dann für ein bis drei Nächte auf den Stellflächen der Landwirte übernachten. Infrastruktur muss keine angeboten werden: weder Strom, noch Wasser, noch Sanitäranlagen. 

Das Ziel von staybetter: Den Verbrauchern die Arbeit der Landwirte näherbringen. (Bildquelle: staybetter)

Was hat der Landwirt davon? 

„Ziel ist, den Campern zu zeigen, wer die Menschen sind, die Landwirtschaft mit Leidenschaft betreiben und Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es nicht egal ist, wie es mit unserer heimischen Landwirtschaft weitergeht“, sagt Maximilian Kärnbach, der staybetter mit seiner Frau Jennifer Kärnbach entwickelt hat. Die Testphase nach der Gründung des Portals im Jahr 2020 habe gezeigt: Es funktioniert. Wer zu Gast bei Landwirten ist, erhält Einblick in ihre wertvolle Arbeit und kommt eher ins Umdenken. Zusätzlich zur damit geleisteten Öffentlichkeitsarbeit profitieren Direktvermarkter, die z.B. einen Hofladen oder eine Milchtankstelle beitreiben, von neuen Kunden. Derzeit sind rund 75 Höfe auf der Plattform angemeldet.

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Die Kosten

Die Nutzung der Plattform ist für Landwirte kostenlos. Camper zahlen 45 € pro Jahr. Das begründet das Team mit der aufwändigen Akquise der teilnehmenden Höfe. Landwirte haben außerdem die Möglichkeit, eine „Hofkampagne“ anzulegen. Dabei handelt es sich um eine sachbezogene Spendenkampagne. Das Ziel legt der Hof selbst fest. Es kann sich dabei um etwas für den Betrieb oder persönliche Wünsche handeln. „Beispiele, die bisher gewählt wurden, sind eine Blühstreifen-Patenschaft, ein neuer Weidezaun für die Freilandschweine oder die Kosten für den Umbau des Hofladens“, sagt Jennifer Kärnbach. Die Camper haben so die Chance, sich für die Gastfreundschaft zu bedanken. 
Nach Rücksprache mit einem Anwalt haben sich die Gründer bewusst dagegen entschieden, die Camper für die Übernachtung bezahlen zu lassen. Denn ansonsten kommen eine Menge juristischer und verwaltungstechnischer Aufgaben auf die Landwirte zu (z. B. Genehmigungen zur Teilnutzungsänderung, steuerrechtliche Fragen, Prüfung einer Gewerbeanmeldung und damit verbundene Auflagen). 

Die staybetter-Gründer Jennifer und Maximilian Kärnbach (Bildquelle: staybetter)

Der Ablauf 

Wer als Landwirt mitmacht, muss nicht damit rechnen, dass er ständig telefonische Anfragen von Gästen bekommt. Über das Online-Portal können die Camper in einem geschützten Mitgliederbereich nachsehen, wo zum Wunschtermin noch Kapazitäten frei sind. Jeder Hof kann selbst Einträge auf der eigenen Portal-Hofseite vornehmen, den Hof dort vorstellen, Wünsche an die Camper richten und auch im Belegungskalender Tage blocken. Der Landwirt kann in seinem Profil außerdem über einen Haftungsausschluss und individuelle AGBs dafür sorgen, dass laut der Gründer keine Risiken auf ihn zukommen. „Außerdem gelten die von uns aufgestellten „Spielregeln“ für Gäste beim Aufenthalt auf den Höfen“, sagt Jennifer Kärnbach.

Der Hintergrund

„2019 haben wir mit unseren zwei Kids auf einer Alm Urlaub gemacht – ganz allein mit 11 Milchkühen“, erinnert sich Maximilian Kärnbach. Dem Landwirt über die Schulter zu schauen, Fragen zu stellen und sich bewusst zu werden, wo die Lebensmittel eigentlich herkommen, hat die Familie beeindruckt. Mit staybetter möchten die Gründer deshalb auch anderen die Möglichkeit geben, diese Erfahrung zu machen: Den Menschen, die hinter dieser wertvollen Arbeit stehen, zu begegnen und sie zu unterstützen.


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