Am von Anne Kokenbrink

Schreiben Sie Anne Kokenbrink eine Nachricht

Pflanzliche Proteine

Lebensmittelindustrie sieht Chance in Fleischersatzprodukten

Die Lebensmittelbranche will Fleischersatzprodukte auf pflanzlicher Basis weiterentwickeln und sieht darin große Potenziale. In einem neuen Technologiezentrum sollen Produkte nun in Zusammenarbeit mit Start-ups und Unternehmen gezielt auf den Markt ausgerichtet werden.

Die Lebensmittelindustrie entwickelt Fleischersatzprodukte, um Alternativen für Vegetarier anbieten zu können, aber auch, um Fleisch durch preisgünstigere Ausgangsstoffe ersetzen zu können. Fleischersatzprodukte bestehen meist aus denaturiertem Pflanzen- oder Pilzprotein, das durch Behandlung im Extruder eine fleischähnliche Konsistenz einen fleischähnlichen Geschmack erhält. Die Akzeptanz der Verbraucher für Fleischalternativen scheint zu wachsen, wie einige Studien zeigen, es handelt sich aber dennoch um einen Nischenmarkt.
Der Schweizer Technologiekonzern Bühler AG und das DIL Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik e. V. haben ihre Partnerschaft weiter ausgebaut. Das Technologiezentrum in Quakenbrück bietet eine Forschungs-, Test- und Produktionsinfrastruktur für die Entwicklung von Lebensmitteln, die nachhaltige pflanzliche Proteine enthalten, heißt es in einer Pressemitteilung. „Die Proteine der Zukunft müssen nachhaltig sein. Der mit ihrer Herstellung einhergehende Ressourcenverbrauch muss durch geeignete Verarbeitung und Produkte so gering wie möglich gehalten werden, um den Erwartungen verantwortungsbewusster Verbraucher gerecht zu werden“, sagt Volker Heinz, Vorstand und Geschäftsführer des DIL.
Es sei wichtig, ungenutzte Eiweißquellen zu erschließen und sie in attraktive und erschwingliche Produkte zu verwandeln, die sich auf dem Lebensmittelmarkt durchsetzen können. In der wachsenden Nachfrage der Verbraucher nach Alternativen zu tierischen Proteinen sieht die Lebensmittelindustrie große Chancen, heißt es.

Neben dem LEH und traditionellen Fleischunternehmen bringen auch immer mehr Start-ups pflanzliche Fleischalternativen auf den Markt. Sie zeigen, dass der pflanzliche Rohstoff für Burger-Patties,...

Die Produktionsverfahren

Der gesamte Produktionszyklus folge den HACCP- und GMP-Grundsätzen und -Richtlinien. Möglich sei eine Produktionskapazität von bis zu einer Tonne pro Stunde. Darüber hinaus verfügt die Produktionseinheit über nachgeschaltete Ausrüstung, heißt es weiter. Die flexible Extrusionsanlage eigne sich für eine breite Palette von Lebensmittelanwendungen wie etwa die Trocken- und Nasstexturierung von Proteinen, die Verkapselung von Wirkstoffen sowie die Kochextrusion von Snackprodukten. Ein Mehrzweck-Schneidegerät schneide nass texturierte Proteine in Streifen, Würfel und Stücke. Ein kryogener Trommelfroster sorge für das schnelle Einfrieren von nassen Texturen in IQF-Qualität. Durch Texturanalysen, thermische und mikroskopische Analysen auf verschiedenen Längenskalen sollen Produkte optimiert werden.

Kooperation mit Start-ups

Die Eröffnung des Zentrums wird von der „Scale it up Innovation Challenge“ begleitet, die gemeinsam von Bühler, Cargill und Givaudan ins Leben gerufen wurde, um Innovationen und Lösungen zur Schließung der Proteinlücke zu fördern. Start-ups können die Infrastruktur des DIL und der Partner nutzen, um ihre Produktinnovationen zu skalieren.
Start-ups können die Infrastruktur des DIL und der Partner nutzen, um ihre Produktinnovationen zu skalieren.
Auszug

Produktentwicklung im Zentrum

Das Zentrum begleite seine Kunden während des gesamten Prozesses vom Prototyping neuer Produkte, dem Produktionsmaßstab bis hin zur Auftragsfertigung für erste Marktphasen, heißt es. Konkret umfasse dies folgende Aspekte:
  • Produktentwicklung: Das Team des Zentrums entwickele neue Formulierungen und Anwendungen und stellt erste Prototypen mit einer Extrusionsanlage im Pilotmaßstab her. Der Service umfasse außerdem die Optimierung der Prozessparameter.
  • Skalierung: Sobald die Produktentwicklungs-Phase abgeschlossen sei, werden Erfolgskriterien für das Skalieren auf die volle Produktionskapazität definiert. Die Tests können in der neuen Extrusionsgroßanlage durchgeführt werden.
  • Auftragsfertigung: Diese Dienstleistung ermögliche es den Kunden, Produkte innerhalb kürzester Zeit auf den Markt zu bringen. Da die Produkte durchgängig mit denselben Technologien hergestellt werden, seien sie schnell und mit einem hohen Maß an Konsistenz in die Produktionsphase überführbar. Der Ansatz der schnellen Markteinführung minimiere das Risiko, indem die Kunden erst in Anlagen investieren müssen, wenn eine tragfähige Marktdurchdringung erreicht ist.
  • Anlagenberatung: Sobald die Produkte einen ausreichenden Marktanteil erzielt haben, unterstützt das Zentrum die Kunden bei der Auswahl der richtigen Anlagen für ihr Werk. Durch die Installation von Technologien in der Prototyping- und der ersten Fertigungsphase erzielen die Partner ein Höchstmaß an Produktkonsistenz.


Mehr zu dem Thema