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Proteinquellen

Markt für Insektenproteinfutter wächst 

Niederländische Fachleute sehen globale Nachfrage nach Insektenprotein 2030 bei 500.000 t. Dabei hat die Verfütterung in Aquakulturen und an Haustiere das größte Marktpotenzial. Das Investorinteresse an der Branche nimmt bereits deutlich zu.

Die weltweite Nachfrage nach Insektenprotein für Futterzwecke dürfte in den kommenden zehn Jahren deutlich zunehmen. Davon geht zumindest die „Rabobank“ in einer aktuellen Studie aus. Die niederländischen Marktanalysten beziffern den voraussichtlichen globalen Bedarf für das Jahr 2030 auf insgesamt 500.000 t – das wäre fünfzig Mal so viel wie das aktuelle Marktvolumen. Die Prognose basiert auf der Annahme, dass es weder produktionstechnische noch gesetzliche Angebotsbeschränkungen gibt.
Den Amsterdamer Fachleuten zufolge ist die aktuelle Nachfrage nach Insektenprotein wegen der relativ hohen Preise insgesamt noch sehr gering. Die Ware koste zwischen 3.500 Euro/t bis 5.000 €/t und sei damit deutlich teurer als Fischmehl und Sojaschrot. Allerdings dürfte die Ausweitung der Produktionskapazitäten für Insektenprotein in den kommenden Jahren deutliche Preissenkungen ermöglichen. In der Folge werde die Nachfrage kräftig anziehen, was auch die Verwendung in der landwirtschaftlichen Tierproduktion betreffe.
Für die Ernährung von Legehennen und Masthähnchen dürften nach der Prognose der Experten im Jahr 2030 global etwa 70.000 t beziehungsweise 50.000 t Insektenprotein eingesetzt werden.
Auszug

Ernährungsphysiologische Vorteile

Im Einzelnen sieht die Bank das größte globale Marktpotential für Insektenprotein bei der Verfütterung in Aquakulturen. In diese Verwendungsrichtung dürften 2030 rund 200.000 t Insektenprotein fließen, wenn die Preise für die Ware im Zuge von Kapazitätsaufstockungen auf 1.500 €/t bis 2.500 €/t gesunken seien. Bezogen auf die gesamte jährliche Futtermenge für Aquakulturen würde das Insektenprotein allerdings kaum einen Anteil von 1 % erreichen. Insektenprotein sei jedoch die natürliche Nahrungsgrundlage von Fischen und deshalb ernährungsphysiologisch ein Futter, das den Einsatz von Sojaschrot und Fischmehl ergänzen könne. Den betreffenden Absatzmarkt verorten die Analysten vor allem in Nordamerika und Europa.
Besonders in der Landwirtschaft sieht die Rabobank Verwendungsmöglichkeiten für Insektenfutter. Für die Ernährung von Legehennen und Masthähnchen dürften nach der Prognose der Experten im Jahr 2030 global etwa 70.000 t beziehungsweise 50.000 t Insektenprotein eingesetzt werden. Der Eiermarkt werde bereits heute mit differenzierten Vermarktungskonzepten bearbeitet, zum Beispiel mit der Auslobung von Freiland- und Biohaltung sowie mit der Anreicherung von Eiern mit Omega-3-Fettsäuren. Der Verweis auf die Fütterung von Legehennen mit Insektenprotein ermögliche hier eine weitere Differenzierung. Außerdem könnten Eier und Geflügelfleisch mit der Auslobung einer tiergerechte Fütterung von Legehennen und Broilern mit „vollständigen“ Insekten beworben werden. Ferner sehen die niederländischen Marktanalysten ein Marktpotential von 30.000 t Insektenprotein bei der Verfütterung an Schweine. 
Die Marktchancen von Insektenprotein für den direkten menschlichen Verzehr werden derweil als sehr gering eingestuft. Obwohl essbare Insekten alle Anforderungen mit Blick auf gesundheitliche Aspekte, den Nährstoffgehalt und die Nachhaltigkeit erfüllten, fehle die Verbraucherakzeptanz in den Industrieländern. Das gelte sowohl für den Verzehr von vollständigen Tieren als auch für verarbeitete Lebensmittel auf Insektenbasis.
Die Marktchancen von Insektenprotein für den direkten menschlichen Verzehr werden derweil als sehr gering eingestuft.
Auszug

Haustiere fressen zunehmend Premiumfutter

Als zweitwichtigste Vermarktungsschiene für Insektenprotein in der kommenden Dekade sieht die Rabobank den globalen Markt für Haustierfutter. Das betreffende Absatzvolumen wird auf voraussichtlich etwa 150.000 t beziffert. Heute werde in diesem Segment allerdings noch der größte Anteil des Insektenproteins verkauft. Für das erwartete starke Wachstum spricht nach Einschätzung der Analysten unter anderem, dass der Trend zur Vermenschlichung der Haustiere und damit die Nachfrage nach Premiumfutter in den kommenden zehn Jahren wohl weiter steigen werden. Die Zahlungsbereitschaft der Haustierbesitzer sei hoch, betonen die Analysten. Allerdings könne der Trend zur Vermenschlichung von Tieren die Nachfrage auch dämpfen, wenn nämlich die Haustierhalter selbst keine Insekten essen wollten.

Das größte globale Marktpotential für Insektenprotein liegt derzeit bei der Verfütterung in Aquakulturen.  (Bildquelle: Illustration: Christina Helmer)

Rasche Vervierfachung des Absatzes nach 2030 möglich

Wenn das für 2030 prognostizierte Marktwachstum auf insgesamt 500.000 t tatsächlich erreicht würde, hält die Rabobank eine weitere Beschleunigung der Produktionsausweitung für möglich. Dann könne sich die Erzeugung nämlich in wenigen Jahren verdoppeln bis vervierfachen. Ausschlaggebend dafür seien Forschungs- und Entwicklungsfortschritte, das Marketing, das Interesse von Investoren an der Branche und Gesetzesänderungen. Für die Europäische Union rechnet die Rabobank mit einer weiteren Lockerung der Futtermittelvorschriften. Derzeit seien nur lebende Insektenlarven und Insektenöl in allen Verwendungsrichtungen als Futter zugelassen. Verarbeitetes Insektenprotein dürfe hingegen nur als Haustier- und in Aquakulturfutter eingesetzt werden, aber nicht als Geflügel- und Schweinefutter. Die Regelungen in den Mitgliedstaaten seien teilweise uneinheitlich. Allerdings erwarten die Fachleute für 2022 die EU-weite Zulassung von Insektenprotein als Geflügel- und Schweinefutter.

Brüssel plant Aufhebung von Fütterungsverbot

von Justin Brinkmann

Die Europäische Union hat einen Entwurf verfasst, das Fütterungsverbot von Tier- und Insektenmehl in der Landwirtschaft aufzuheben. Die Verfütterung ist seit 2001 verboten, weil sie in den 1990er...

Investoren reagieren auf EU-Zulassung

Unterdessen hat die Insektenproteinerzeugung das Interesse der Investoren geweckt. Nach Angaben der Rabobank flossen bislang insgesamt fast 1 Mrd. € in die Branche. Davon entfielen etwa 420 Mio $ (349 Mio €) auf 2020 sowie jeweils rund 180 Mio € auf die beiden Vorjahre. Auslöser für den kräftigen Anstieg sei vor allem die EU-Zulassung von Insektenproteinfutter in Aquakulturen im Juli 2017 gewesen. Die Investitionen in den Jahren 2015 bis 2017 hätten noch jeweils deutlich unter der Linie von 100 Mio $ (83 Mio €) gelegen. Die erfolgreichsten Insektenproteinproduzenten zeichneten sich unter anderem durch außergewöhnliche Geschäftsmodelle, besondere Kooperationen, eine rasche geographische Marktexpansion und eine schnelle Vergrößerung ihrer Angebotspalette aus. Beispielsweise plane die französische Firma InnovaFeed mit dem Agrarkonzern Archer Daniels Midland (ADM) die Errichtung einer gemeinsamen Produktionsstätte in den Vereinigten Staaten und kooperiere außerdem mit Cargill bei der Erzeugung von Futter für Lachse und Shrimps.


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