Am von Saskia Wietmann

"Mit dem Hanf wird der Boden gesund"

Hanf steht heutzutage für mehr als Marihuana oder Haschisch. Aus den Fasern des Nutzhanfs lässt sich Dämmmaterial oder Kleidung produzieren. Aus den Samen wird Öl und aus den Blättern Tee hergestellt. Hanf kann auch positiv auf den Boden wirken. So wie bei Dr. Wilhelm Schäkel aus Brandenburg.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in top agrar 10/2019.

Bis zu zwei Meter hoch wachsen die Hanfpflanzen jedes Jahr auf den Feldern von Wilhelm Schäkel in Wittstock/Dosse in Brandenburg. Von Mai bis August baut er auf seiner „Bio-Ranch Zempow“ 110 ha Hanf an, davon 60 ha als Zwischenfrucht. Warum? "Mit dem Hanf wird der Boden gesund", sagt Schäkel.

Der Boden in der Müritzregion hat im Schnitt nur 18 Bodenpunkte. Um die Bodenfruchtbarkeit zu fördern, betreibt der Landwirt extensive Mutterkuhhaltung in Kombination mit einer siebenjährigen Fruchtfolge. Seit 2015 gehört auch Hanf dazu. „Häufig bauen Landwirte diese Kultur an, weil es einen Markt dafür gibt. Zukünftig müssen wir sie anbauen, weil sie den Boden verbessert“, ist Schäkel überzeugt.

Besondere Qualitäten erntet Wilhelm Schäkel per Hand und stellt daraus eigene Produkte her. (Foto: Wietmann)

Hanf unterdrückt nämlich nicht nur Unkraut, sondern ist auch ein effizienter CO2-Speicher. „Über die Wurzelausscheidungen der Hanfpflanze gelangt Kohlenstoff in den Unterboden, wodurch Humus angereichert wird“, sagt der promovierte Agrarwissenschaftler. Durch Blätter in mehreren Etagen beschatte er sehr gut und sorge für ein günstiges Mikroklima. Die pfluglose Bodenbearbeitung sorgt dafür, dass der Hanf tief in den Boden wurzeln kann. „Aus Hanfstroh, mit dem ich den Rinderstall einstreue, erhalte ich wertvollen Kompost“, betont Schäkel einen weiteren Vorteil.

Erntetechnik ist Knackpunkt

Den größten Teil der Ernte verkauft er an die Hanf Farm im nahegelegenen Melz. Diese übernimmt auch die Erntekosten mit dem weltweit einzigartigen Hanfgrünernter. „Durch ein stufenlos verstellbares Schneidwerk ermöglicht dieser das Ernten von speziellen Pflanzenteilen“, erklärt Schäkel. So erntet die Maschine zunächst die oberen Zentimeter mit den qualitativ hochwertigen Blüten. Anschließend werden die rest­lichen Teile als B-Ware geerntet.

Die Nachfrage nach...