Am von Anne Kokenbrink

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Wildfleischvermarktung

Nachhaltiger Genuss aus dem Wald

Echter Genuss kommt nicht aus dem Labor, sondern aus dem Wald – davon sind Tobias Wasle und Fabian Regnery, die Gründer von „Wildschytz“, überzeugt. Sie setzen sich für einen nachhaltigeren Fleischkonsum ein und bieten Wildfleisch aus heimischen Revieren im eigenen Onlineshop an. 

Fleischkonsum muss nicht ethisch unvertretbar oder klimaschädlich sein. Davon sind die Gründer des Start-ups „Wildschytz“ überzeugt. Sie setzen sich für einen nachhaltigen Fleischkonsum ein und möchten, dass mehr Wildfleisch auf dem Teller landet. Doch der Konsum von Wildfleisch ist noch immer nicht in aller Munde. Über ihr Start-up vermarkten sie hochwertiges Fleisch aus heimischen Revieren im Netz.
f3 sprach mit Tobias Wasle und Fabian Regnery im Kurzinterview.
f3 – farm food future: Wer seid ihr und wie kamt Ihr dazu, das Start-up „Wildschytz“ zu gründen? 
Wildschytz: Wir sind ein kleines Team, die zwei Gründer Tobias und Fabian. Uns beide verbindet eine Leidenschaft – die Natur, sowie die Überzeugung, dass Genuss nachhaltig und vernünftig sein muss. Aber oft findet Fleisch von Wild aus heimischen Wäldern den Weg zum Kunden nicht. Als Fabian gerade dabei war, seinen Jagdschein zu machen, ist uns aufgefallen, wie schwierig es doch ist gutes Wildfleisch aus der Region zu finden. Nicht jeder hat einen Jäger im Bekanntenkreis. Und auch beim Metzger um die Ecke sind die Verfügbarkeiten nicht immer gegeben. Wenn hier zum Beispiel ein Kunde einen Rehrücken bestellt, muss der Metzger das gesamte Reh kaufen – und bleibt mitunter auf den anderen Teilen, wie Steaks und Gulasch sitzen. Da wir sehr gerne mit Wild kochen, suchten wir nach einer Lösung. Zusätzlich zu diesem Problem gab es auf der Jägerseite in der Coronazeit Probleme, Wildfleisch an die üblichen Kunden zu verkaufen, da zum Beispiel die Restaurants geschlossen hatten und so der größte Teil des Vertriebs wegbrach. Diese beiden Probleme zusammen haben uns dazu gebracht Wildschytz zu gründen. Wir haben aber auch schon vorher einen gemeinsamen Podcast geführt. Im Team bei uns sind weitere Mitarbeiter, die als Guides für unsere Wild-, Pilz- und Kräuterwanderungen arbeiten sowie Unterstützung im internen Bereich des Unternehmens bieten.

Die Wildschytz-Gründer Tobias Wasle und Fabian Regnery sind überzeugt, dass ein nachhaltiger Fleischkonsum Zukunft hat. (Bildquelle: Wildschytz)

f3: Wie und wo vermarktet Ihr Eure Produkte?
Wildschytz: Unsere Produkte vermarkten wir ausschließlich im Onlineshop und vor allem an Kunden aus Süddeutschland. Etwa 80% der Artikel gehen nach Süddeutschland, spezifisch in die Region Baden, und die anderen 20% ins restlichen Bundesgebiet. Wir garantieren eine gekühlte Lieferung. Das Wildfleisch geht schockgefroren bei -30 °C in den Versand und kommt bei Ihnen Zuhause mit einer Temperatur von maximal 7 °C an. Das Wildfleisch wird mit UPS Express versendet. Bedeutet, innerhalb eines Tages ist es gekühlt beim Kunden. Wir versenden in sogenannten Paperflock-Beuteln. Das sind isolierende Papierbeutel, die mit recycelten Altpapierflocken gefüllt sind, wodurch die Isolierung sichergestellt wird. Die Kühlakkus bestehen bei uns nicht aus festem Plastik, sondern ihr Inhalt ist im Abfluss entsorgbar. Wir haben im vier bis fünfstelligen Bereich in Wildschytz investiert, sowie unzählige Arbeitsstunden aufgewendet, um das Unternehmen zu festigen.

Nachhaltigkeit und Herkunft des Fleisches

f3: Woher stammt das Fleisch?
Wildschytz: Alle unsere Produkte sind deutschen Ursprungs. Das Fleisch stammt aus privaten und staatlichen Forsten, Zum größten Teil aus der Eifel, aber auch in den Regionen des bayerischen Waldes so wie aus Baden-Württemberg haben wir Jäger, die für uns jagen.

Gleich zwei anstehende Veranstaltungen widmen sich dem Thema Wildbret-Vermarktung. Kein Wunder: Bislang pflegt das Fleisch aus der freien Natur überwiegend ein Nischen-Dasein. Die zwei Termine im...

f3: Wildfleisch ist nicht offiziell „bio“ – wie zeichnet es sich aus? Was ist eure Einstellung zum Fleischkonsum? 
Wildschytz: Während wir Wildfleisch regulatorisch leider nicht als bio ausweisen können, bedeutet das natürlich nicht, dass Wildfleisch nicht im landläufigen Sinne des Wortes ‚bio‘ ist – es lässt sich schlicht nicht verbindlich belegen. Dabei ist das Wild aus dem Wald dem Bio-Gatterwild sicherlich nicht ‚unterlegen‘, im Gegenteil: Gatterwild ist fetter und ob die Haltungsbedingungen sind bestenfalls diskutabel. Der Prozess nach der Schlachtung oder dem Schuss im Wald ist natürlich vergleichbar. Kontrollen durch Amtstierärzte, Wildverarbeiter und Lebensmittelkontrollbehörden sorgen für eine Fleischqualität die dem Standard der Fleischindustrie in jedem Fall überlegen ist. Sie bleibt fernab der Belastungen der Lebensmittelindustrie. Unser Appell ist es, nachhaltig zu genießen und Fleisch wieder mehr zu schätzen. Uns ist es wichtig, dass die Leute nachhaltig Fleisch essen können, denn das geht. Wir sind zuversichtlich, dass der Fleischkonsum in großen Massen reduziert werden kann und gleichzeitig auch auf hochwertigeres Fleisch zurückzugreifen.


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