Am von Torsten Altmann

Österreis: Der Nordpol des Reisanbaus

Reis aus der Flasche? Software-Entwickler und Hofnachfolger Gregor Neumeyer baut in Österreich Trockenreis an. Der bringt zwar weniger Ertrag als der bekannte Nassreis. Doch das macht er mit seinem pfiffigen Direktverkauf an die Kunden wieder wett.

Dieser Artikel ist auch erschienen in top agrar Österreich.

"Zum Reisanbau bin ich tatsächlich durch eine Schnapsidee gekommen“, erinnert sich Gregor Neumeyer aus Gerasdorf bei Wien. Der 31-Jährige ist hauptberuflich Leiter einer Softwareentwicklungs-Abteilung in einer Versicherung. 2016 übernahm er den 80 ha-Ackerbaubetrieb von seinem Vater Franz. Bis zu diesem Zeitpunkt beschränkte sich der Anbau auf die für die Region typischen Kulturen wie Weizen, Durum, Gerste, Zuckerrüben, Mais, Raps und etwas Gemüseanbau für die Tiefkühl-Erzeugerorganisation ETG.

Anfangs nur eine Handvoll Reis

Gregor Neumeyer, Reisanbauer aus Österreich. (Bildquelle: Altmann)

"Ich wollte dem zunehmenden Wunsch der Konsumenten nach regionalen Produkten nachkommen. Deshalb habe ich nach dafür passenden Produkten gesucht“, sagt Neumeyer jun. Gemeinsam mit einem Bekannten hob er beim Bier im Wirtshaus die Idee mit dem Reisanbau aus der Taufe. „Wir bilden in unserer Region somit den Nordpol des Reisanbaus“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Mit den ersten Versuchen 2015 im Anbau von Trockenreis erlitten sie allerdings ziemlichen Schiffbruch. „Es gab kein Know-how dazu“, so Neumeyer. „Das Saatgut aus Italien war für unser Gebiet überhaupt nicht geeignet. So ernteten wir letztlich nicht mehr als eine Handvoll Reis.“

Risiko durch passende Sorten mindern

Doch der junge Nebenerwerbsbauer ließ sich nicht entmutigen. Er wusste nach eigener Aussage von Beginn an, dass er mit diesem Projekt volles Risiko geht. Beim Anbau 2016 achtete er darauf, Fehler aus dem Vorjahr zu vermeiden. Das begann bei der Sortenwahl. Er setzt inzwischen vor allem auf Sorten aus Osteuropa. Gleichzeitig forciert er gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) und der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) Sortenversuche bei Trockenreis. Auch hier gibt es bereits Fortschritte.

Reis ist an und für sich ein Getreide, das es allerdings gerne möglichst warm hat.

Gregor Neumeyer

„Zwei von drei ausgesäten Sorten performten auf den 1,5 ha Reisfläche in dem Jahr sehr gut“, so Neumeyer. Zudem passten auch die Temperaturen für den Anbau 2016 sehr gut. „Reis ist an und für sich ein Getreide, das es gerne möglichst warm hat. Er benötigt von der Aussaat bis zur Ernte konstant Temperaturen von möglichst über 15°C.“ Die Saat liegt somit nicht vor Ende April, geerntet wird etwa Mitte September.

"Reis ist wie eine Diva"

Neumeyer sät mit 25cm Reihenabstand aus. Kultiviert wird im Trockenanbau.

Doch Reis ist nicht nur kälte-, sondern auch empfindlich gegenüber Unkraut. Der junge Landwirt sagt: „Reis ist wie eine Diva.“ Neben der Sortenwahl ist deshalb die Unkrautbekämpfung die größte Herausforderung im Anbau. In Asien wird deshalb ausschließlich Nassreis kultiviert, da Reis im Gegensatz zu Unkraut auch im Wasser gut wächst. Zudem erreicht er höhere Erträge als im Trockenanbau. Da Neumeyer mit doppeltem Reihenabstand von 25cm aussät, schließt der Bestand – wenn überhaupt – erst sehr spät. Aufgrund fehlender Unkrautmittel in Reis muss mehrmals gestriegelt und gehackt werden. Ab Ende Juni muss dies in Handarbeit erfolgen. „Hier bin ich froh, dass mich vor allem mein Vater, aber...