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Pflanzenkohle: teures Wundermittel?

Im Stall und auf dem Acker soll Pflanzenkohle Vorteile bringen. Die Tiergesundheit oder die Wasserhaltefähigkeit des Bodens können sich verbessern. Das Start-up „NovoCarbo“ stellt diese Pflanzenkohle her. Einige Landwirte berichten von ersten Erfahrungen.

Pflanzenkohle ist keine neue Idee. Bereits die indigene Bevölkerung des Amazonasgebietes soll durch das Verbrennen von Holz unter Sauerstoffmangel von einer ertragssteigernden Wirkung profitiert haben. Heute ist das Thema wieder aktuell. Fans der Pflanzenkohle schreiben dem Produkt einen Nutzen in vielen landwirtschaftlichen Anwendungen zu. Kritiker zeigen bestenfalls abwartende Haltung. f3 hat sich bei Praktikern und Wissenschaftlern umgehört und ordnet das Thema ein.

Gründer Caspar von Ziegner ist überzeugt von den Potenzialen der Pflanzenkohle. (Bildquelle: Schildmann)

Das sagen Landwirte

Landwirt Markus Kemper aus NRW setzt Pflanzenkohle seit zwei Jahren ein. Der Schweinemäster mit 1500 Plätzen und 100 ha Ackerbau nutzt sie als Bodenverbesserer. „Kurz vor dem Ausbringen der Schweinegülle setze ich 0,5 % Pflanzenkohle hinzu“, erzählt er. „Mit Zahlen kann ich noch nichts belegen. Aber was ich merke: Der Gestank beim Ausbringen ist weg.“ Zudem glaubt der Landwirt besser vor Dürreperioden durch die höhere Wasserhaltefähigkeit in seinen Böden gewappnet zu sein.

Ich habe ein gutes Gefühl, was die Tiergesundheit angeht.

Mathis Block, Milchviehhalter

Auch Milchviehhalter Mathis Block aus Schleswig-Holstein nutzt seit drei Jahren Pflanzenkohle in seinem Betrieb. Bei ihm kommt sie als Futterzusatz zum Einsatz. „Klauen- und Euterprobleme sind bei meinen 250 Kühen direkt herunter gegangen. Ich habe ein gutes Gefühl, was die Tiergesundheit angeht“, sagt er. „Allerdings habe ich gemerkt, dass es Qualitätsunterschiede zwischen den verschiedenen Herstellern gibt.“ Landwirt Mathis füttert 30 bis 40 g Pflanzenkohle je Kuh und Tag.

Was bringt Pflanzenkohle?

„Pflanzenkohle hat verschiedene Einsatzfelder“, erläutert Prof. Dr. Bruno Glaser von der Universität Halle-Wittenberg. „Als Futterzusatz kann sie zu einer erhöhten Tiergesundheit und einem besseren Stallklima führen.“ Studien haben ergeben, dass nach dem Ausbringen der Gülle die Lachgasemissionen und insgesamt der Geruch herunter gehen. Auch den Nutzen auf dem Acker kann der Professor bestätigen: „Im Boden hält die Pflanzenkohle das Wasser besser. Außerdem sinkt die Nitratauswaschung.“ Es sei eine bessere Ertragsstabilität auch in Dürrejahren zu erwarten. Erwartungsgemäß sind die Effekte dabei auf Böden mit einem hohen Sandanteil stärker zu beobachten. Pflanzenkohle hat eine höchst poröse Oberfläche. Wie ein Schwamm kann sie die bis zu fünffache Menge ihres Eigengewichtes an Wasser und Nährstoffen aufnehmen. Der Großteil der Pflanzenkohle ist Kohlenstoff. Der Rest ist Asche.

Pflanzenkohle ist ein Produkt, das der Landwirtschaft weiterhelfen könnte.

Florian Lage, NovoCarbo

Herstellung und Preise

NovoCarbo“ produziert seit 2018 Pflanzenkohle im rheinland-pfälzischem Dörth. Das Unternehmen hat seinen Produktionsstandort auf dem Gelände eines Herstellers von Pflanzenkohleanlagen namens „Pyreg“ - mit dem sie kooperieren. Das Team stellt 700 t Pflanzenkohle in drei Anlagen auf dem Standort pro Jahr her. Sie vermarkten die Kohle vorwiegend an Händler aus dem Industrie- und Agrarbereich. „Pflanzenkohle ist ein Produkt, das der Landwirtschaft weiterhelfen könnte“, sagt der 37-jährige Florian Lage, der selbst ausgebildeter Landwirt ist. Wirtschaftsingenieur Caspar von Ziegner ergänzt: „Wir arbeiten daran, die Kohle günstiger anzubieten, damit sich der Einsatz für mehr Landwirte rentiert.“