Am von Anne Kokenbrink

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Nischenkulturen

Regional statt global: Aus Schweizer Kichererbsen wird Hummus

Anik Thaler sieht in regionalen Convenience-Produkten eine Marktnische und möchten es Landwirten ermöglichen, auch mal eine neue Kultur auszuprobieren. Die Agrarstudentin gründete das Start-up „Fyn food“ und vermarktet Hummus aus Schweizer Kichererbsen. Ihre Vision: Eine faire Zusammenarbeit mit den Landwirten, eine nachhaltige, lokale Produktion sowie Transparenz für den Verbraucher. 

„Dieses Jahr wird unser Experiment ernst“, sagt Anik Thaler, als sie auf den 3 ha großen Acker blickt, auf dem erste Pflanzen wachsen. Wer genau hinsieht, erkennt die zarten Kichererbsen. Hier in Zürich, wie auch in der gesamten Schweiz, findet man diese Kultur bislang selten. „Dabei sind Kichererbsen hierzulande gut pflanzbar. Das hörte ich in einer Vorlesung vor zwei Jahren“, sagt die 23-jährige Agrarstudentin. Gleichzeitig gehört das Kichererbsenpüree schon lange zu ihren Lieblingsprodukten und ist in der Schweiz bei vielen eine beliebte Beilage zu Brot und Vorspeisen. „Wenn ich die Hummus-Verpackung aus dem Supermarktregal aber umdrehte, war der Herkunftsort nicht als Land, sondern als Kontinent angegeben“, sagt Thaler. Dem wirkt die junge Agrarstudentin mit ihrem Start-up „Fyn food“ nun entgegen. Das Ziel: die Lebensmittelproduktion regionaler, nachhaltiger und transparenter machen. Und den Landwirten eine faire Bezahlung garantieren. 

Eine klare Vision

Das dreiköpfige Team, bestehend aus den Studenten Anik Thaler, Cyrill Hess und Tobis Vogel, produziert Hummus aus lokalen Zutaten, bislang in vier verschiedenen Geschmacksrichtungen. Das Besondere: Sie beziehen die Grundprodukte von Landwirten aus der Region um Zürich. Seit einigen Monaten sind die Produkte am Markt erhältlich, hauptsächlich in Bio- und Feinkostläden sowie Cafes. Für die Gründerin auch eine Sache aus Prinzip: Sie will Landwirten neue Chancen in der regionalen Vermarktung bieten und diese ermutigen, unbekannte Kulturen anzubauen. Eine faire Entlohnung und Abnahme aller Erntemengen garantiert sie den Bauern– das Risiko liegt beim Start-up. Auch Nachhaltigkeit ist dem Team sowohl im Anbau als auch in der Verarbeitung wichtig. Da die Kichererbse gut an  trockenes Klima angepasst ist, will sie den – möglichst ökologischen – Anbau in der Schweiz ankurbeln, und damit Rohstoffimporte und den Pflanzenschutzmitteleinsatz reduzieren. Die Produkte von Fyn Foods sind bio-zertifiziert. Aniks Vision zieht sich konsequent durch – bis hin zur Verpackung, die aus Graspapier besteht. Der Endverbraucher kann auf seiner Hummus-Packung erfahren, wo die Rohstoffe angebaut wurden. 

Rezept „eingeschweizert“

Wirklich alle Rohstoffe für den Hummus aus der Schweiz zu beziehen, war bisher unsere größte Herausforderung.
Anik Thaler
„Der Trend zur Regionalität ist da“, sagt die Jungunternehmerin. „Viele unverarbeitete Produkte, etwa Eier oder Kartoffeln, stammen aus lokaler Produktion. Fertig-Produkte sind hingegen meist aus importierten Rohstoffen hergestellt.“ Für sie stand fest: Ausnahmslos alle Zutaten des Hummus müssen aus der Schweiz stammen. Um das zu erreichen, hat sie das ursprüngliche Hummus-Rezept leicht abgewandelt, quasi „eingeschweizert“.
Da es Zitrone und Sesam in der Schweiz kaum gibt, setzt sie alternativ Apfelessig und Sonnenblumenkerne von Schweizer Bauern ein. „Wirklich alle Rohstoffe für den Hummus aus der Schweiz zu beziehen, war bisher unsere größte Herausforderung, wenn auch unsere größte Freude und Ansporn“, so die Schweizer Gründerin. Übrige Zutaten wie Knoblauch, Chili, Möhren, Salz oder Meerrettich kommen ebenfalls von Betrieben aus der Schweiz. 

Ob Chili, Karotte oder Apfelessig: Alle Zutaten für den Hummus stammen aus lokaler Schweizer Bio-Produktion. ...


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