Am von Eva Piepenbrock

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Saatgut, das Boden gutmacht

Bisher gibt es keine ebenbürtige Alternative zur chemischen Beize. Doch Jan Ritter und Jacob Bussmann von SeedForward könnten sie gerade entwickeln. Ihre organische Saatgutbeschichtung weckt bereits das Interesse der Industrie. Erste Tests bescheinigen ihnen eine Ertragssteigerung von 5 %.

Funktioniert das Geheimrezept von Jan Ritter und Jacob P. Bussmann, würden Agrarkonzerne dafür vermutlich tief in die Tasche greifen. Mit ihrem Start-up „SeedForward“ arbeiten sie derzeit an einer organischen Saatgutbeschichtung namens „Freya“. Sie soll Saatgut vor Pilzen und Schädlingen schützen und Erträge auch in Zeiten des Klimawandels sichern. Noch dazu, so behaupten die Gründer, soll ihre Innovation dies ohne den Einsatz von chemisch-synthetischen Mitteln schaffen. Obendrein steigere Freya das Pflanzenwachstum und binde Wasser und Nährstoffe besser an sich. Das ganze funktioniere, sind Jan und Jakob überzeugt. Erste Feldversuche deuten auf eine Ertragssteigerung von bis zu 5 % im Vergleich zu konventionell gebeiztem Saatgut hin.

Jan Ritter (links) und Jacob P. Bussmann haben das Start-up "SeedForward" gegründet. (Bildquelle: Drießen)

Es klingt, als könnten Landwirte in Zukunft weitgehend auf chemisch gebeiztes Saatgut verzichten. Doch zuerst müssen die Gründer beweisen, dass sie auch halten können, was sie versprechen.

Schützen ohne Chemie

Dafür richten Jan, 33, Agrar- und Pflanzenwissenschaftler aus Balingen in Baden-Württemberg und Jacob, 28, Forst- und Umweltwissenschaftler aus Osnabrück in Niedersachsen gerade die Büros für ihr Start-up in der Nähe von Osnabrück ein. Ihre organische Saatgutbeschichtung soll 2019 den Markteintritt schaffen. Die Gründer meinen es ernst. Sie treibt die Vision einer regenerativen Landwirtschaft, in der das Ökosystem „Boden“ im Mittelpunkt steht. Wer sie dafür belächelt, mag überrascht sein, wie konkret sie damit vorankommen.

Die Grundlage ihrer Saatgutbeschichtung wurde im Jahr 2015 in Südafrika gelegt, wo sich die beiden durch Zufall kennenlernten. „Damals arbeitete Jan schon ein Jahr lang an einer Idee, aus Pflanzenkohle einen Bodenverbesserer herzustellen.“ Dabei handelt es sich um eine Art Grunddüngung, die den Boden auflockert und Nährstoffe bindet. „Viele Böden sind nicht mehr in der Balance“, sagt Jan. „Wir wollen nicht nur das Saatgut schützen, sondern dem Acker positive Zusatzeffekte bescheren.“

Geheimrezept: Top Secret

Das Wirkstoffpulver kann auf alle Saatkörner aufgebracht werden. (Bildquelle: Drießen)

Seine damals durchgeführten Tests und Feldversuche bilden die heutige Basis für die Saatgutbeschichtung „Freya“. Denn obwohl es 2015 nicht bei der Theorie blieb, sondern die Männer ihre erste Firma gründeten, entschieden sie sich 2016 in Deutschland nochmal neu anzufangen. „Das damalige Unternehmen ließ sich nicht finanzieren und politisch war es in Südafrika unsicher“, erinnert sich Jan. „Wir wussten, wenn wir ordentlich was aufbauen wollen, müssen wir das in Deutschland machen.“ Es folgte der Antrag auf das EXIST-Gründerstipendum und eine monatelange Phase voller Recherche, netzwerken, Kontakte knüpfen und Unterstützer kennenlernen. Aber dazu später mehr.

Pflanzenkohle als Produktbasis also? Die Gründer bewahren strikte Verschwiegenheit über die Zusammensetzung ihres Wirkstoffgemischs. Selbst Jacob als Verantwortlicher für Finanzierung und Geschäftsentwicklung weiß nicht hundertprozentig, welche „Rezeptur“ Jan durch seine Studienerfahrung, Wirkstoffrecherchen in anderen Patenten und Feldversuche in Afrika entwickelt hat. „Sagen wir so“, lächelt Jan siegesgewiss, „die Mischung gibt es so noch nicht.“ Aber er verspricht, dass alle Bestandteile rein biologischer Natur sind. Er wusste, welche Wirkstoffe er brauchte, und hat dann geschaut, aus welchen Pflanzen er sie extrahieren und neu zusammenmischen kann.

Und jetzt: Wirksamkeit beweisen

Herausgekommen ist mit Freya ein pulvriges Wirkstoffgemisch, das 2019 auf den Markt kommen soll. Wenn alles glatt läuft. Die Wirkstoff-Rezeptur sei fertig. Die technische Ausbringung des behandelten Saatguts mit allen Maschinen möglich. Die Patentierung läuft. Aber wirkt Freya überhaupt so erfolgreich, wie die Gründer versprechen?

Das zu beweisen, daran arbeiten sie seit Monaten unter Hochdruck. Auch wenn sich in einigen Momenten etwas Erschöpfung zeigt - von Zweifeln sind die Gründer jedenfalls nicht geplagt. „Wir wissen, wir...