Am von Caroline Schulze Stumpenhorst

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Tausende Bauern bilden ein Kraftwerk

Das Start-up „Next Kraftwerke“ vernetzt rund 9000 Biogas-, Wind- und Solaranlagen zu einem großen virtuellen Kraftwerk. Gemeinsam erzeugen sie eine Leistung von mehr als 7700 Megawatt – so viel Strom, wie mehrere Atomkraftwerke zusammen.

Hendrik Sämisch und Jochen Schwill, Gründer von Next Kraftwerke (Bildquelle: f3)

Die Energiewende ist beschlossene Sache – Die Probleme, die damit einhergehen, sind noch nicht alle vom Tisch. Geplant ist der Ausstieg aus der Atomindustrie für 2022. Der Strom, der heute noch aus deutschen Kernkraftwerken in das Stromnetz fließt, soll durch Strom aus erneuerbaren Energien ersetzt werden. Das Einspeisen des Naturstroms aus Wind-, Wasser- und Sonnenenergie in das Netz läuft jedoch bisher nicht reibungslos. Der gängigste Kritikpunkt ist die Gefahr von Schwankungen im Stromnetz aufgrund von Wettereinflüssen. Während sich ein Atomkraftwerk je nach Bedarf herauf- oder herunterfahren lässt, sind Wind und Sonne entweder da oder nicht.

Wir haben davon profitiert, dass sich die Welt in Richtung Erneuerbaren Energien bewegt.

Hendrik Sämisch, Geschäftsführer Next Kraftwerke

Zwar können Hendrik Sämisch und Jochen Schwill weder Sonne, noch Wind beeinflussen. Die Gründer aus Köln haben aber trotzdem eine Lösung für das Problem mit dem Wetter gefunden: Ihr Start-up „Next Kraftwerke“ vernetzt rund 9000 dezentrale Stromerzeugungsanlagen aus erneuerbaren Energien miteinander. Gemeinsam gesteuert, treten sie wie ein großer Player, also wie ein großes Kraftwerk, am Markt auf. Obwohl das „virtuelle Kraftwerk“ einzig aus Naturquellen gespeist wird, ist es in der Lage, schnell und effizient auf den Strommarkt zu reagieren. Ziel des Zusammenschlusses ist nicht nur die gemeinsame Stromvermarktung, sondern auch die Übernahme von Netzverantwortung.

Strom aus Landwirtschaft

Größtenteils handelt es sich bei den Stromerzeugern in diesem virtuellen Kraftwerk um Landwirte. Nach den Windparks an der deutschen Küste beherbergen landwirtschaftliche Betriebe die meisten Windkraftanlagen, ein Großteil der Photovoltaikanlagen liegt auf landwirtschaftlichen Dächern und schon jetzt erzeugen die Biogasanlagen hierzulande ein Drittel des Stroms aus erneuerbaren Energien.

Genau diese Biogasanlagen spielen eine entscheidende Rolle im dezentralen Netzwerk des Start-ups: „Sie sind die am besten steuerbare Größe im Kreis der erneuerbaren Energien“, erklärt Hendrik Sämisch. „Mit dieser Art von Bioenergie lassen sich Schwankungen im Stromnetz ausgleichen. Besonders dann, wenn Sonne und Wind mal schwächer oder stärker sind“, so der Gründer.