Am von Matthias Schulze Steinmann

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Teilen ist das neue Besitzen

Der 200 Jahre alte Genossenschaftsgedanke war selten so aktuell wie im digitalen Zeitalter. Das wurde auf der Veranstaltung „Landwirtschaft digital – gemeinsam in Genossenschaften“ im Umfeld der Grünen Woche deutlich.

Christian Seelmann, Bereichsleiter Technik bei der RWZ in Köln, stand im Jahr 2010 vor einer Aufgabe: Große Kunden in seinem Händlergebiet benötigten den Navigationsstandard Real-time kinematic (RTK), um mit zentimetergenauen Spurdaten Precision Farming betreiben zu können. Die Nachfrage unter den Landwirten war aber insgesamt überschaubar, gerade einmal 2  % der Traktoren waren auf GPS-Anwendungen vorbereitet. Demgegenüber standen hohe Investitionskosten von mehreren Hunderttausend Euro, die kaum einer der 15 Händler im Gebiet allein schultern konnte.

„Eine Gefahr sind nicht die anderen Landwirte und Genossenschaften, sondern Konzerne wie Amazon, Google und Facebook.“

Franz-Josef Holzenkamp, Deutscher Raiffaisen Verband (DRV)

Die Lösung war die Gründung einer Genossenschaft mit zunächst rund 350 Mitgliedern, die gemeinsam in den flächendeckenden Ausbau des Standards investierten. Heute sind nicht mehr 2  % der im RWZ-Gebiet gehandelten Schlepper GPS-tauglich, sondern 90 %. Der RTK-Standard ist technisch überholt und wird inzwischen kostenlos angeboten. Die mittlerweile amortisierte Investition der Landwirte ist aber ein Beispiel dafür, wie Probleme vor Ort gelöst werden können, von denen, die es betrifft. Das wurde am vergangenen Donnerstag auf dem Forum „Landwirtschaft digital“ im Umfeld der Grünen Woche in Berlin deutlich.

Landwirte als Vorreiter

Angesprochen auf den schlep­penden Ausbau des 5G-Netzes, ordnete Christian Seelmann ein: „Auch 2010 kam von der Politik wenig. Wir Landwirte mussten deshalb als Vorreiter agieren.“ Ein Punkt, der aus Sicht vom Präsidenten des Deutschen Raiffeisen Verbandes (DRV), Franz-Josef Holzenkamp, auf heute...