Am von Eva Piepenbrock

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Traktor von gestern. Technologie von morgen.

Mit alten Handys und gebrauchten Traktoren baut der Ghanaer Emmanuel Ansah-Amprofi eine Sharingplattform für Landmaschinen auf. Eine Geschichte über ein Start-up, das sich von mangelnder Infrastruktur nicht aufhalten lässt.

Wir stehen bei 29 °C vor dem farbenfrohen Gründerzentrum „Mest“ in Ghanas Hauptstadt Accra. Obwohl mindestens 5000 km zwischen diesem Ort und dem nächsten deutschen Inkubator liegen, dürften deutschen AgTech-Gründern manche Details bekannt vorkommen. Etwa, wenn Emmanuel Ansah-Amprofi, Landwirt und Mitgründer der ghanaischen Traktor-Sharingplattform „Trotro Tractor“ über die Gespräche mit heimischen Bauern berichtet. Er sagt: „Wenn sie erfahren, dass ich auch aus der Landwirtschaft stamme, dann hören die Landwirte mir zu.“

Der Mitgründer von Trotro Tractor, Emmanuel Ansah-Amprofi, ist selbst Landwirt. Er baut eine Sharingplattform für Landmaschinen in Ghana auf. (Bildquelle: Piepenbrock)

Der 39-jährige Emmanuel entwickelte mit Kamals Deen Yakub (36) und 13 Mitarbeitern in Accra eine Online-Plattform als Sharingdienst. Dort können Landwirte via Telefon Traktoren und Anbaugeräte leihweise ordern und bezahlen. Bereitgestellt werden je die nächstgelegenen Maschinen. Sie gehören Landwirten, die damit die Auslastung ihrer Traktoren erhöhen und diese dabei dank GPS-Tracking nicht aus den Augen verlieren möchten. Mit dem Traktor kommt ein ausgebildeter Fahrer.

Tro-Tros sind in Ghana eigentlich Kleinbusse. Sie bilden so etwas wie das Rückgrat des Personenverkehrs. Sie fahren kurze und lange Strecken, auf denen Mitfahrer überall zu- und aussteigen können. Gezahlt wird die zurückgelegte Strecke. Ein wendiges System. Ist es übertragbar auf die Landwirtschaft?

Eine Digital-App für Handys von anno tuck?

Über eine Kurzwahlfunktion erreichen Landwirte die App auch ohne Smartphone. (Bildquelle: Piepenbrock)

Landwirte zahlen für den Traktor mit Anbaugerät und Fahrer rund 26 US-Dollar pro Acre (2,4 acre = 1 ha). Trotro Tractor kassiert eine Provision von 10 %. Gezahlt wird mobil. Das sogenannte „Mobile Money“ sendet und empfängt der Kunde über sein Handy. Anbieter sind etwa die Telekommunikationsanbieter Vodafone und MTN. Im deutschsprachigen Raum tut sich Mobile Payment schwer. Einer aktuellen Studie der Beratung pwc zufolge hat Deutschland im Vergleich zu Österreich, Belgien, der Schweiz, den Niederlanden und der Türkei die niedrigsten Nutzungsraten. In Ghana ist es Standard.

Nicht jeder Landwirt hat ein Smartphone. Und oft ist das Internet nicht schnell genug. Also funktioniert unser Service über ein Kurzwahlsystem.

Emmanuel Ansah-Amprofi

Mobile Money braucht keine Smartphones. Im Gegenteil: In seinem Büro zeigt Emmanuel ein Handy, das die meisten „seiner“ Landwirte nutzen: es stammt eher aus dem Jahre anno tuck. Zum Telefonieren reicht es. Nur, wie soll man damit eine digitale Sharing-Plattform steuern?

Trotro Tractor ließ sich von der mangelnden Ausstattung der Landwirte nicht unterkriegen und entwickelte eine Lösung auf Basis von USSD-Codes. Emmanuel erklärt: „Nicht jeder Landwirt hat ein Smartphone. Und oft ist das Internet eh nicht schnell genug. Also funktioniert unser Service über ein Kurzwahlsystem.“ Via Ruf an *714*85# gelangt der Kunde in ein Menü, das ihn zur Bestellung leitet. Die Fragen...