Am von Eva Piepenbrock

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Neues Saatgut 

Trend-Ölsaat Chia auch in Deutschland anbauen

Chia-Samen sind in und gesund, werden aber meist in Südamerika angebaut und den weiten Weg nach Deutschland geliefert. Die Uni Hohenheim hat jetzt eine Sorte entwickelt, die im heimischen Klima gedeihen soll. Die Forscher suchen Saatzuchtfirmen, die Chia ins Programm nehmen.  

Lange Zeit galt es als unmöglich, Chia in Deutschland anzubauen. Denn es handelt sich bei der trendigen Ölsaat um eine so genannte Kurztagspflanze. Um blühen und Samen ausbilden zu können, dürfen die Tage eine bestimmte Länge nicht überschreiten. Das ist in Deutschland erst im Herbst der Fall. „Die Pflanzen sind jedoch sehr kälteempfindlich und erfrieren im Herbst, bevor sie überhaupt Samen bilden können“, erklärt Prof. Dr. Graeff-Hönninger, Leiterin der Arbeitsgruppe Anbausysteme und Modellierung. Nun konnten die Forscherinnen und Forscher eine Sorte entwickeln, die auch in Deutschland angebaut werden könnte. Das gab die Uni Hohenheim in einer Pressemeldung bekannt.

Chia als gesundes „Superfood“

Die Samen der Chia-Pflanze (Salvia hispanica L.) gewannen in den vergangenen Jahren in Europa stark an Popularität und sind fast überall in den Supermarktregalen zu finden. Ursache ist den Forschern zufolge die Nachfrage nach sogenannten funktionellen Lebensmitteln und „Superfoods“. Tatsächlich weisen Chia-Samen (übrigens ähnlich wie heimische Leinsamen) einen hohen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren in einem ernährungsphysiologisch günstigen Verhältnis auf sowie einen außergewöhnlich hohen Gehalt an Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien.
Doch die Chia-Samen stammen zum größten Teil aus Südamerika – nicht unbedingt zum Vorteil für Mensch und Umwelt, findet die Uni Hohenheim: Der Transport um die halbe Welt führe zu einem enormen Kohlendioxid-Ausstoß. Und um die erhöhte Nachfrage befriedigen und den Ertrag steigern zu können, setzen die lokalen Landwirte in Südamerika vermehrt Pestizide ein. Nun also eine neue Sorte, die auch in Deutschland wächst? 

Chia-Pflanzen wachsen bislang vorwiegend in Südamerika. Eine neue Sorte soll den Anbau nun auch in Deutschland ermöglichen. (Bildquelle: Krzysztof Ziarnek, Kenraiz)

Genetische Vielfalt nutzen

Gemeinsam mit Dr. Volker Hahn von der Landessaatzuchtanstalt in Hohenheim machten sich die Pflanzenexpertinnen schon 2015 auf die Suche nach geeigneten Sorten. „Viele Pflanzen – selbst wenn man die gleiche Art betrachtet – weisen eine gewisse genetische Variabilität in bestimmten Merkmalen auf, da sie unter unterschiedlichen klimatischen Bedingungen angebaut werden. Im Fall von Chia in Mexiko, Nicaragua, Argentinien, Bolivien oder Peru“, sagt Samantha Jo Grimes, Projektbearbeiterin und Doktorandin am Institut für Kulturpflanzenwissenschaften.
Um Chia in unserem kälteren Klima anbauen zu können, mussten wir nach Sorten suchen, die an unsere Tageslängengegebenheiten in den wärmeren Sommermonaten angepasst sind.
Samantha Jo Grimes
„Um Chia in unserem kälteren Klima anbauen zu können, mussten wir nach Sorten suchen, die an unsere Tageslängengegebenheiten in den wärmeren Sommermonaten angepasst sind. Nur auf diese Weise kann sowohl der Anspruch von Chia an die Tageslänge als auch an die Temperatur erfüllt werden. Es war gut möglich, dass eine Sorte aus Mexiko nicht für uns geeignet war, während eine aus Bolivien genau unseren Anforderungen entsprach. Die Suche nach entsprechend geeignetem genetischen Material war der erste Schritt für einen Anbau in Deutschland“, erzählt sie weiter.  

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Die systematische Suche führte letztlich zum Erfolg: „Es ist uns gelungen, aus einer Vielzahl an Samen verschiedener Herkünfte eine Sorte zu selektieren, die unter Langtagbedingungen, wie bei uns im Sommer, zur Blüte kommt. Für den regionalen Anbau der frostempfindlichen Chia-Pflanze unter deutschen Klimabedingungen heißt das, dass das Risiko entsprechender Ernteverluste durch Frost kaum noch existent ist.“

Sorte zugelassen – nun sind Saatzuchtfirmen gesucht

Parallel zu den letzten Anbauversuchen meldeten Dr. Volker Hahn, Simone Graeff-Hönninger und Samantha Jo Grimes die neue Sorte zur Sortenprüfung beim Bundessortenamt an. Im März 2021 hat das Amt die Chia-Sorte „Juana“ geschützt.   Die Forschenden suchen nun noch Saatzuchtfirmen, die die Sorte in ihr Programm aufnehmen und Landwirten zur Verfügung stellen wollen. Sie werden gebeten, sich bei Dr. Volker Hahn zu melden.