Am von Matthias Schulze Steinmann

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Unter Algen

Familie Cordes aus Niedersachsen veredelt Mikroalgen zu regionalem „Superfood“. Von der Petrischale bis zur Sterneküche haben es ihr die grünen Einzeller angetan. Und die haben Ansprüche!

Sie heißen „Chlorella“ und „Spirulina“. Sie können im Alltag durchaus divenhaft sein. Doch sie erreichen Wachstumsraten, von denen andere landwirtschaftliche Kulturen nur träumen können. Die Rede ist von den Mikroalgen „Chlorella vulgaris“ und „Spirulina platensis“, die Cathleen Cordes ihren Besuchern als grüne Zellmasse in der Petrischale präsentiert, und die anschließend in einem System aus Schläuchen und Vermehrungsbecken zu ansehnlicher Größe reifen.

Algen als Alleskönner

Seit rund 20 Jahren wachsen auf dem Betrieb der Familie in der Gemeinde Langförden im Landkreis Vechta keine Schweine oder Rinder, sondern grüne Einzeller. Senior Rudolf Cordes (66), eine Art Daniel Düsentrieb des Gartenbaus, hat die Produktion der Mikroalgen in unzähligen Versuchen optimiert und die notwendige Technik entwickelt. Anfangs belächelt, haben seine Systeme für die Kultivierung der Chlorella-Alge inzwischen Standards in dem noch kaum erschlossenen Markt gesetzt. Er ist gemeinsam mit seiner Tochter Caroline Cordes (32), die als Gartenbauingenieurin den Betrieb der Familie weiterführt, für die Produktion zuständig.

Caroline, Rudolf und Cathleen Cordes (von links) vor der selbst entwickelten Produktionstechnik. (Bildquelle: Drießen)

Den Vertrieb der nicht ganz alltäglichen Produkte regelt Carolines Schwester Cathleen Cordes (30). Sie ist als Biotechnologin und kreativer Kopf im Team für neue Produkte und das Marketing verantwortlich.

Dafür hat sie die Marke „Lüttge Alge“ (Plattdeutsch für „Kleine Alge“) und die „Evergreen-Food GmbH“ ins Leben gerufen. Sie erreicht mit einem frechen Marketing und den Möglichkeiten, die ihr das Internet bietet, Zielgruppen, die es sonst eher selten in die Schweinehochburg Vechta zieht. Gefördert wurde das Projekt durch das EXIST-Gründerstipendium.

Die Küche der Zukunft?

(Bildquelle: f3)

Gerade die Süßwasseralge Chlorella liegt derzeit als „Superfood“ im Trend. Sie besteht bis zu 60 % aus hochwertigem Eiweiß, enthält alle essenziellen Aminosäuren, ist Quelle für pflanzliches Vitamin B12 und Eisen sowie reich an Omega-3-Fettsäuren. Ihr Geschmack erinnert an grünen Tee. Mit gerade einmal 0,004 mm Größe sind die Einzeller nur unter dem Mikroskop als kugelförmige Algen erkennbar. Sie gehören zu den ältesten Organismen der Welt.

Cathleen Cordes ist überzeugt, dass bis 2030 jeder Deutsche Algen isst und vermarktet bereits erfolgreich Algen-Öl und Algen-Perlen (Konsistenz wie Kaviar) an Feinschmecker...