Am von Laura von Ketteler

Agrobiodiversität

Urgetreide: von Gelbmehlweizen bis zu Champagner-Roggen

Die Vielfalt auf deutschen Schlägen ist in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen. Viele Landwirte gaben ihre vielfältigen, lokalen Sorten und Landrassen zugunsten genetisch einheitlicher, ertragreicher Sorten auf. Ein Start-up aus München möchte diesem Trend entgegenwirken und die Vielfalt entlang der Wertschöpfungskette fördern.

Die Vielfalt an Saatgut und Tierarten, also die Agrobiodiversität, die wir einst in Deutschland hatten, ist stark zurückgegangen. Heute werden laut FAO 75% der Lebensmittel aus nur zwölf Pflanzen und fünf Tierarten gewonnen. Dabei gibt es tausende Nutzpflanzen und Tierarten. Wie wir mittlerweile wissen, ist Vielfalt auch in der Landwirtschaft extrem wichtig, um den Boden fruchtbar zu halten und gesunde Lebensmittel zu produzieren. Das Unternehmen „Good Crop“, 2020 gegründet, nimmt sich diesem Thema an und will als Lebensmittelproduzent die Dinge anders machen.

Vollkorn und Hülsenfrüchte-ready to eat

Die Messlatte, die sich die Gründer gesetzt haben, liegt hoch: „Mit unserem Konzept wollen wir die Kombination aus Gesundheit, gutem Geschmack, Convenience und Vielfalt hinbekommen“, sagt Moritz Wiest, Mitgründer von Good Crop. „Vor allem auf dem Acker.“ Das Unternehmen verarbeitet Urgetreide und bald auch Hülsenfrüchte zu Convenience-Lebensmitteln. Das Sortiment enthält neben bekannteren Getreidesorten wie Dinkel, Emmer und Einkorn alte Neulinge wie Champagner-Roggen, Gelbmehlweizen und Oberkulmer Rotkorn Dinkel. Ursprünglich ging es den Gründern Moritz Wiest und Julius Wenzel hauptsächlich um die Gesundheit. „Die Ernährungsindustrie predigt zwar den Verzehr von Proteinen“, sagt Moritz Wiest. „Was den Menschen in der westlichen Kultur aber wirklich fehlt, sind Ballaststoffe.“
Diese Ballaststoffe stecken in Vollkorn und Hülsenfrüchten. In einer Hotelküche weichen die Good Crop-Gründer sie für 12 Stunden ein und erhitzen sie dann auf 120 Grad. Und zwar ungeschält. Denn in der Schale stecken wichtige Ballaststoffe und Nährstoffe. „Durch das Einweichen wird der Keimprozess im Korn angestoßen, was das Getreide verdaulicher macht“, sagt der 31-jährige Gründer. Das fertig gekochte und eingeschweißte Produkt wird dann über den Online-Shop in Portionsgrößen verkauft. Moritz Wiest ist überzeugt: „Menschen ändern ihr Verhalten nur, wenn man ihnen etwas anbietet, was genauso einfach wie die ungesunde, schnelle und meist nicht nachhaltige Variante ist.“

Vielfalt gegen Trockenheit, Krankheiten und Schädlinge

Erst durch die Recherche zu unterschiedlichen Getreidesorten und die Suche nach Erzeugern im Umkreis hat das Good Crop-Gründerteam erkannt, wie vielseitig die Welt der Getreidesorten ist. Und wie wichtig der Einsatz verschiedener Nutzpflanzen für die Landwirtschaft und den Boden ist. Über die Drax-Mühle in Oberbayern hat das Gründerteam Kontakte zu experimentierfreudigen Erzeugern aus der Region bekommen. Heute ist einer ihrer Haupterzeuger Hilarius Häußler. Emmer und Dinkel gehen von seinem Hof an die Drax Mühle für die Reinigung und werden dann zum Teil nach München an Good Crop geliefert.
Durch die weite und vielseitige Furchtfolge kam wieder Leben in den Boden. Als der Maulwurf im Feld auftauchte, wussten wir, wir hatten es geschafft. 
Hilarius Häußler, Bio-Landwirt
In Oberbayern führt Hilarius Häußler zusammen mit seiner Frau Claudia einen Hof mit 31ha Ackerbau und elf ha Wald. „Bevor wir den Hof vor elf Jahren übernommen haben, wurde auf den Schlägen jahrelang Mais...


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