Am von Julia Hufelschulte

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Landwirtschaft und Vermarkter im selben Boot

Wenn der Bauer mit dem Metzger

Bei „Bauer & Metzger“ arbeiten ein Wurstwarenhersteller-Spin-off und ein Schweinebauer fest zusammen. Das finanziert alternative Formen der Tierhaltung und bietet hochwertiges Fleisch zu erschwinglichen Preisen. 

Hier und da pfeift der Wind. Sauen machen sich hinter Schutznetzen im Stroh breit. Und Ferkel lugen in Ausläufe hinaus. Hier hat sich jemand eine andere Art überlegt, Schweine zu halten. Doch damit sich ein einschneidender Umbau der Schweinhaltung auch lohnt, braucht es einen verlässlichen Abnehmer.  Zwei Partner, die gut zusammenarbeiten und die gleichen Vorstellungen haben. 
Bei „Bauer & Metzger“ war es vielleicht keine Liebe auf den ersten Blick – aber bestimmt eine gute Partnerschaft. Denn während Schweinehalter deutschlandweit ihre gewachsene Abhängigkeit von Schlachtunternehmen nicht immer positiv bewerten und mittelständische Verarbeiter um ihre Positionierung kämpfen, war eine feste Bindung für die Protagonisten der folgenden Story die Chance, andere Wege in der Haltung und Vermarktung zu gehen. 

Umbau auf eigene Faust

Torsten Deye hat zusammen mit seiner Frau viel Zeit und Arbeit in den Umbau seines Betriebs gesteckt.  (Bildquelle: Schildmann)

Den einen Part übernehmen Torsten und Kerstin Deye, beide 48 Jahre alt und Schweinehalter aus Großenkneten in Niedersachsen. Sie bewirtschaften einen Betrieb mit Biogasanlage, Ackerbau und 80 Sauen im geschlossenen System. „Vor fünf Jahren haben wir uns selbst vor die Wahl gestellt: Entweder wir machen es anders, oder wir hören mit der Schweinehaltung auf“, erklärt Torsten Deye. 
Vor fünf Jahren haben wir uns selbst vor die Wahl gestellt: Entweder wir machen es anders, oder wir hören mit der Schweinehaltung auf. 
Torsten Deye
Für ihren Landkreis Oldenburg, eine der viehstärksten Gegenden Deutschlands, ist sein Tierbestand vergleichsweise winzig. Genau das war ein treibender Faktor für den Wandel. Zudem störte sich die Familie immer mehr an der üblichen Form der Schweinehaltung und an den Zwängen bei der Vermarktung. Ab 2015 grübelten Deyes daher über Möglichkeiten für eine freie Abferkelung, Ferkelaufzucht mit Auslauf und komfortable Deck- und Warteställe. Auch wenn die Mastschweine schon seit 20 Jahren im Offenstallsystem stehen, bedeuteten die Ideen immer noch sehr viel Umbau- und Investitionsbedarf.  Deshalb warnt der Schweinehalter vor allzu unüberlegtem Tatendrang: „Man kann viel investieren. Aber irgendwer muss es auch bezahlen.“  Die Ideen waren somit da. Der Mut auch. Aber ohne den richtigen Partner geriet das Unterfangen 2017 ins Stocken. 

Bockwurst: Das Mastschwein der Wurstbranche

Der 43-jährige Rolf Meekmen hat das Konzept von Bauer & Metzger mit seinem Bruder entwickelt.  (Bildquelle: Schildmann)

Im selben Jahr an einem anderen Ort: Hier sitzen die niedersächsischen Wurstwarenhersteller Rolf Meemken und sein Bruder Bernhard ebenfalls an neuen Ideen. Ihr Unternehmen „Meemken “ in Gehlenberg ist ein Mittelständler mit rund 200 Mitarbeitern. „In der Branche ein kleines Licht“, sagt Rolf Meemken über seinen Betrieb. Dieser soll damals unabhängiger vom Lebensmitteleinzelhandel sein, denn dort ist der Preisdruck groß. Und er wächst, je vergleichbarer die Produkte sind. Entwicklungspotenzial sehen die Brüder daher für sich noch im Premium-Fleischsegment. „Mit einer klassischen Bockwurst kann man sich schwer gewinnbringend positionieren. Da haben wir die gleichen Probleme wie Landwirte mit ihren einheitlichen Mastschweinen“, sagt Meemken. Sitzen Bauer und Metzger also im selben Boot? Warum dann nicht in dieselbe Richtung paddeln?
Mit einer klassischen Bockwurst kann man sich nicht gewinnbringend positionieren. Da haben wir die gleichen Probleme wie Landwirte mit ihren Mastschweinen.
Rolf Meemken
Die Brüder erschaffen das Konzept „Bauer & Metzger“. Ziel ist es, regionales Fleisch aus einer artgerechteren Haltung mit besonderer Qualität zu vermarkten. Bio-Siegel waren ihnen dabei nicht wichtig. „Wir wollen flexibel bleiben bei der Haltung und Vermarktung“, erklärt Rolf Meemken. Als etabliertes Unternehmen standen Produktion, Logistik usw. schon parat. Das neue Konzept soll das althergebrachte ergänzen, nicht ersetzen. Doch wer kann die Schweine liefern?

Gemeinsam an Bord

Mit diesem Logo wirbt das Unternehmen bei Direktkunden und der Gastronomie.  (Bildquelle:...