Am von Matthias Schulze Steinmann

Schreiben Sie Matthias Schulze Steinmann eine Nachricht

Wie ernähren wir 9 Mrd. Menschen?

In den kommenden Jahrzehnten müssen immer mehr Menschen auf immer weniger Fläche satt gemacht werden. Wir sprachen mit dem Wissenschaftler Joachim von Braun über die Last der Armut, die Rolle von Technologie und den steinigen Weg zu einer nachhaltig intensiven Nahrungsmittelproduktion.

f3: Herr Prof. von Braun, wir leben in einer Zeit, in der reiche Unternehmer sich mit privaten Weltraumprojekten verwirklichen, während noch immer Millionen Menschen von Hunger und Unterernährung betroffen sind. Wie passt das zusammen?

Prof. Dr. Dr. Joachim von Braun: Der Kontrast zwischen extremem Reichtum und krasser Armut ist tatsächlich unhaltbar. Auch die Hungernden selbst sind darüber inzwischen digital informiert und werden ihr Schicksal dadurch immer weniger hinnehmen. Ohne Zweifel sind die finanziellen Mittel und technologischen Möglichkeiten vorhanden, um den Hunger bis 2030 zu beenden. So fordern es auch die Weltentwicklungsziele, auf die sich alle Staatschefs verständigt haben. Es mangelt allerdings am politischen Willen zur Umsetzung.

Was sind die Hauptursachen für die Misere?

Der Agrarwissenschaftler Prof. Dr. Dr. Joachim von Braun ist Direktor im Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn, Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften sowie Vizepräsident der Welthungerhilfe. (Bildquelle: f3)

Armut, insbesondere auf dem Lande, ist und bleibt die Hauptursache von Hunger und Unterernährung. Ländliche Armut hat viel mit der zu geringen Produktivität und den begrenzten Marktchancen der Bauern zu tun. Sie stellen die größte Zahl der Hungernden. Zudem ist die Unterbeschäftigung in Städten eine Haupt­ursache, wo Millionen von kleinen Straßenhändlern oft ohne Schulabschluss oder berufliche Bildung arbeiten. In der jüngsten Vergangenheit ist die Zahl der Hungernden vor allem durch Kriege und gewaltsame politische Konflikte wieder angestiegen (siehe Kasten auf S. 66). Die Wirtschafts- und Entwicklungspolitik muss stärker mit Diplomatie und Sicherheitspolitik verbunden werden. Außerdem braucht es massive Investitionen, um Bildung, Beschäftigung und Landwirtschaft voranzubringen.

Ohne Zweifel sind die  finanziellen Mittel und technologischen Möglichkeiten vorhanden, um den Hunger bis 2030 zu beenden.

Joachim von Braun

Welche Entwicklung erwarten Sie für die kommenden Jahrzehnte?

Die Bevölkerungsprognosen der Vereinten Nationen gehen von 9,8 Mrd. Menschen im Jahr 2050 aus. Jetzt sind wir 7,6 Mrd. Wenn Mädchen in Entwicklungsländern mehr in Schule und Beruf integriert werden, könnte sich ein deutlich niedrigeres Bevölkerungswachstum einstellen. Aber mit ca. 9 Mrd. werden wir 2050 rechnen müssen. Der Zuwachs wird vor allem in Afrika erfolgen. Die kommenden drei Jahrzehnte stellen uns vor enorme Herausforderungen der Ernährungssicherung, die zusätzlichen Menschen gut zu...