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f3-Scheunengespräch

Wie kommen Agrar- und Food-Start-ups an Geld?

Fördermittel, Forschungsgelder, Wagniskapital: Beim f3-Scheunengespräch diskutierten Gründerteams, Bankenvertreter und Finanzexpertinnen darüber, wie Agrifood-Innovationen in Deutschland finanziert werden, und was woanders besser läuft. Jede Menge Tipps gab es für alle. Nur ein Team freute sich über einen 10.000€ schweren Innovationspreis.

„In Übersee sammeln Start-ups regelmäßig Millionenbeträge ein. Hierzulande freuen sich Teams schon über Gründerpreise in Höhe von 3.000 €.“ Mit diesem Gegensatz eröffnete f3-Redakteurin Caroline Schulze Stumpenhorst am vergangenen Donnerstag Abend die Diskussion des dritten, digitalen f3-Scheunengesprächs in diesem Jahr – diesmal zum Thema „Finanzierung von Agrifood-Innovationen“. Rund neunzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland schalteten sich zum Digitalevent dazu und diskutierten nach dem Einführungstalk und einigen Kurzimpulsen in den offenen Breakout-Sessions über Finanzierungen, die Wichtigkeit eines guten Netzwerks und Mentalitätsunterschiede.
Den Anfang machte der Staatssekretär des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL), Hans-Joachim Fuchtel, mit einem Grußwort. Er lobte den „Pioniergeist“ der Start-up-Branche und sagte: „Sie sind die Mutmacher. Sie zeigen, dass Innovationen und clevere Ideen in Deutschland ein Zuhause haben.“ Doch nicht alle Teams schafften es, sagte Fuchtel weiter. Vielen ginge unterwegs die finanzielle Luft aus. Der Staatssekretär zeigte sich daher erfreut darüber, dass das kürzlich ins Leben gerufene Startup-Förderprogramm von BMEL und Landwirtschaftlicher Rentenbank auf so große Resonanz stößt. „Wir erfahren einen enormen Zuspruch. Im ersten Monat erreichte uns ein ganzer Berg an Förderanträgen.“ 

Deutschland hinkt in Sachen Investitionsvolumen in Agtech-Unternehmen hinther. Während in den USA im Jahr 2020 über 13 Milliarden US-$ investiert wurden, waren es in Deutschland gerade einmal gut 300 Millionen US-$. (Bildquelle: Landwirtschaftsverlag GmbH)

Fördermöglichkeiten an Unis und Hochschulen nutzen

Im dann folgenden Einführungstalk teilten Prof. Dr. Karin Schnitker von der Hochschule Osnabrück, Investorin und Beraterin Alexa Hergenröther sowie ag.supply-Gründer Sebastian Schauff ihr Know-how mit der f3-Community.
Wenn Gründer Gelder brauchen, nehmen sie oft das erste, das sie finden können. Sie sollten sich aber wirklich fragen, ob der Investor zu ihnen passt.
Alexa Hergenröther
Schon an den Agrar-Unis zeigt sich der von Fuchtel angesprochene Pioniergeist, wie Karin Schnitker berichtete: „Viele Agrarstudenten bekommen Lust auf Gründen und wollen die gesellschaftlichen Änderungen im Agrifood-Sektor vorantreiben.“ Das Studium sei ein Ort, der viele nutzbare Ressourcen bereithalte: Laborräume, Marktforschungstools, Projektfonds, aber auch Fördermöglichkeiten wie etwa das Exist-Programm. Dennoch sah Schnitker den bürokratischen und zeitlichen Aufwand beim Antrag auf Fördermöglichkeiten als Hindernis und schätzte auch den Aufwand für Gründer etwa von Acceleratoren-Programmen als zu hoch ein. „Der Ansatz ist gut“, sagte sie. „Aber die Angebote müssen niederschwelliger sein – zum Beispiel in Form virtueller Programme an den Unis.“

Die Probleme in der Kapitalbeschaffung

Im Einführungstalk: f3-Redakteurin Caroline Schulze Stumpenhorst (o.l.) sprach mit Szenekennerin Prof. Karin Schnitker (o.r.), Investorin Alexa Hergenröther und Gründer Sebastian Schauff. (Bildquelle: Landwirtschaftsverlag GmbH)

Dass die Suche nach Kapital zeit- und arbeitsintensiv ist, stand in der Runde außer Frage. Das konnte auch Alexa Hergenröther bestätigen. Die ehemalige Geschäftsführerin von K + S arbeitet an einem Investmentfonds für Gründerinnen mit und berät zudem Agrar-Start-ups. „Die Investorensuche ist ein hartes Geschäft“, so Hergenröther. „Wenn Gründer Gelder brauchen, nehmen sie oft das erste, das sie finden können. Sie sollten sich aber wirklich fragen, ob der Investor zu ihnen passt.“ 
Eines der größten Probleme bei der Kapitalbeschaffung sei, dass die Venture Capital-Szene sehr stark auf gut skalierbare und weniger auf kapitalintensive Geschäftsmodelle...


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