Am von Matthias Schulze Steinmann

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„Wir müssen Systemgrenzen überwinden“ - Teil 2

Nur ein intelligenter Mix aus konventioneller Landwirtschaft und Ökolandbau kann aus Sicht von Prof. Matin Qaim, Agrarökonom aus Göttingen, die weltweit immer mehr Menschen auf immer weniger Fläche satt machen. Ein Gespräch über Denkverbote und Big Data.

f3: Sie plädieren für einen intelligenten Mix aus Ökolandbau und konventioneller Landwirtschaft. Was meinen Sie damit?

Prof. Matin Qaim
(Bildquelle: f3)

Prof. Matin Qaim: Konventionelle Systeme mit engen Fruchtfolgen und hohem Einsatz an chemischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln verursachen erhebliche Umwelt- und Klimaprobleme. Der Ökolandbau verwendet weitere Fruchtfolgen und erreicht eine höhere organische Bodensubstanz. Zudem werden im Ökolandbau mehr naturnahe Landschaftselemente eingesetzt, was hilft, Biodiversität in der Agrarlandschaft zu erhalten. Das sind Maßnahmen, von denen die konventionelle Landwirtschaft lernen kann. Allerdings verbietet der Ökolandbau chemische Düngemittel komplett und schließt auch den Einsatz neuer Züchtungstechnologien aus. Das macht wissenschaftlich wenig Sinn. Moderate Düngemittelgaben und robustere Sorten können die Produktivität erheblich steigern und damit knappe Ressourcen schonen. Deswegen müssen für die Entwicklung nachhaltiger Formen der Landwirtschaft klassische Systemgrenzen überwunden und unterschiedliche Methoden sinnvoll miteinander kombiniert werden.

Verteufelung der konventionellen Landwirtschaft

f3: In der Forschung und insbesondere in der Praxis verlaufen mitunter tiefe Gräben zwischen „Ökos“ und „Konventionellen“. Sehen Sie Ansätze, dass die Vorbehalte überwunden werden?

Prof. Matin Qaim: Die Ökoverbände profitieren von einer Verteufelung der konventionellen Landwirtschaft, weil sich mit diesem Extrembild Geld machen lässt. Den Ökolandbau als globale Lösung darzustellen, finde ich problematisch. Ich habe nichts gegen den Ökolandbau als Nischenmarkt, aber eine großflächige Umstellung auf Öko wäre wegen der geringeren Erträge eben nicht automatisch nachhaltiger. Insofern brauchen wir eine sachlichere Diskussion der Vorteile und der Nachteile ökologischer und konventioneller Systeme. Das erfordert Zugeständnisse auf beiden Seiten.

Für die Entwicklung nachhaltiger Formen der Landwirtschaft müssen klassische Systemgrenzen überwunden und unterschiedliche Methoden sinnvoll miteinander kombiniert werden.

Prof. Matin Qaim

f3: Welche Rolle spielen globale Konzerne wie Bayer/Monsanto und Dupont Pioneer bei der Bekämpfung des Welthungers?

Prof. Matin Qaim: Globale Konzerne spielen eine wichtige Rolle für die Entwicklung von Technologien für einige große...