Am von ZALF / Anja Rüweling

Wird die Corona-Pandemie die Landwirtschaft verändern?

Im Interview sprechen Prof. Dr. Frank Ewert und Dr. Annette Piorr vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Land- und Ernährungswirtschaft.

f3: In der Corona-Krise wurde die Kritik an globalen Lieferketten in der Landwirtschaft immer lauter. Ist eine Verkürzung von Lieferketten, also ein eher regionaler Ansatz, aus Ihrer Sicht nachhaltiger?

Prof. Ewert: Wir können nicht generell annehmen, dass sich mehr Regionalität in der Nahrungsmittelproduktion grundsätzlich in einer höheren Nachhaltigkeit niederschlägt. Solche Systeme können aber dann einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten, wenn sie nachhaltig aufgesetzt sind. Die Reduzierung von Transportwegen spart z.B. sehr viel CO2-Emissionen ein. Die Stärkung von regionalen Lieferketten hat allerdings auch immer direkte Auswirkungen auf den Ressourcenbedarf und die Ressourceneffizienz in der Wertschöpfungskette und in der Region. Es geht dann neben Ressourcen wie Wasser und Dünger auch um Personal und Technik für die Produktion und Verarbeitung. Diese stehen regional meist nicht ausreichend zur Verfügung.

Wir benötigen insgesamt resilientere, nachhaltigere Agrarsysteme.

Prof. Dr. Frank Ewert

f3: Was für ein System brauchen wir demnach?

Dr. Piorr: Unsere Erfahrungen - auch aus internationalen Projekten - zeigen, dass es mittelfristig auf eine gute Balance zwischen regionaler und globaler Wertschöpfung ankommen wird. Das bedeutet konkret, dass regionale Systeme so ausgebaut werden, dass sie ihre Vorteile gegenüber dem globalen Gesamtsystem nutzen können - zum Beispiel darüber, dass sie anpassungsfähiger sind an die Bedingungen vor Ort. Lösungen müssen daher immer zu den regionalen Spezifika passen und unter Betrachtung des Gesamtsystems erforscht und entwickelt werden. Außerdem, das dürfen wir in der aktuellen Pandemie nicht vergessen: Der Klimawandel muss immer mitgedacht werden.

Veränderungen durch Corona

f3: Wie wird sich die Agrarproduktion Ihrer Auffassung nach kurz-, mittel- und langfristig verändern?

Prof. Ewert: Bei einer zweiten Welle ist sicher davon auszugehen, dass sich insbesondere der Fokus der Politik kurzfristig auf die Stabilität von Lieferketten richten wird, also auf die Versorgungssicherheit. Wir alle erinnern uns an die Flugzeuge, die Arbeiterinnen und Arbeiter aus Osteuropa trotz geschlossener Grenzen für die Spargelernte nach Deutschland brachten. Neben der Produktion wären aber vor allem der Landwirtschaft vor- und nachgelagerte Prozesse betroffen, wie zum Beispiel der Transport aus dem Ausland, die...


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