Am von Eva Piepenbrock

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Nischenkultur Salicornia

Wo das Salz wächst

Queller, Salicornia, Seespargel: Die Salzpflanze des Start-ups „Salifaktur“ hat viele Namen. Richtig bekannt ist hierzulande keiner. Anbauerfahrung gibt es kaum. Die Gründer wagen es trotzdem: Mithilfe eines Forschungsprojektes wollen sie einen neuen Nischenmarkt erschließen. Fehlt nur noch eine Prise Glück?

Ein kräftiger Zug am Starterseil und das Schneidwerk der Erntemaschine rattert laut los. Langsam zieht Ken Dohrmann die Eigenkonstruktion das Beet entlang. Auf einer Höhe von sieben bis zehn Zentimetern mäht er die knallgrünen Pflanzenspitzen ab, die Julian Engelmann am hinteren Ende der Maschine aus der Erntebox nimmt und in Lagerkisten umfüllt.
Als Ruhe einkehrt, kommt die Kostprobe: Salzig. Knackig. Und irgendwie frisch. So schmeckt die Salicornia-Salzpflanze, die hier soeben in einem Gewächshaus in der Nähe von Magdeburg in Sachsen-Anhalt geerntet wurde. Auf rund 1.500 m2 pflanzen der 33-jährige Landwirt Ken und der 29-jährige Geologe Julian seit eineinhalb Jahren die fleischigen Sukkulenten der Art „Salicornia europaea“ an - und ernten zwischen 4 und 6 kg pro qm und Jahr. Den Anbau fördert das Projekt „Salzpflanzen aus Sachsen-Anhalt“. Die Vermarktung läuft über ihr Start-up „Salifaktur“. Gut 200 kg die Woche vertreibt das Team bislang als Frischware an den Groß- und Einzelhandel sowie die Gastronomie. Bald soll ein neuartiges Speisesalz das Sortiment komplettieren, das aus den getrockneten Pflanzen gemahlen wird.
Man muss die saftige Salzstange wohl selbst probieren, um sie wirklich kennenzulernen. Aber weil Erfolg im Food-Bereich immer auch Geschmackssache sein kann, hoffen die Gründer, mit einer Prise Glück eine neue, regionale Marktnische zu erschließen.

Julian (links) und Ken erzeugen und vermarkten Seespargel als Frischware. Ihr Start-up wird von Forschungsgeldern finanziert. (Bildquelle: Landwirtschaftsverlag GmbH)

Die Pflanze: In Küstennähe bekannt

„Ich habe Salicornia im Studium in Schottland kennengelernt“, erzählt Julian Engelmann, der dort bis 2018 „environmental entrepreneurship“ studierte. „Dort ist sie wie in vielen Küstengebieten als Queller oder wilder Seespargel bekannt.“ Sie passt als blanchiertes Gemüse oder Rohkost etwa zu Fisch und Meeresfrüchten. Ihren salzigen Geschmack erhält sie durch das Salzwasser, das in den Stängeln gespeichert ist. Die Fischer in Schottland ernten und verkaufen die Pflanze höchstens nebenbei. Der professionelle Anbau findet hingegen in Israel, Mexiko oder den Niederlanden statt. Wenn ein Supermarkt hierzulande Salicornia führt, stammt sie ziemlich sicher aus einem dieser Länder.
Wir wussten zu Beginn ja gar nicht, wie Salicornia überhaupt wächst.
Ken Dohrmann
„Wir wollten eine regionale Alternative bieten“, sagt Ken Dohrmann, der als gelernter und studierter Landwirt für den Anbau der Halophyten verantwortlich ist. Und ihre Produktion hat es in sich. Denn Anbauerfahrung gibt es in Deutschland so gut wie gar nicht. „Wir hatten die Idee und dann war da erstmal ein großes Fragezeichen“, sagt Ken, der von einem Beet zum nächsten führt. „Wir wussten zu Beginn ja gar nicht, wie Salicornia überhaupt wächst.“
Also machte sich das Team auf die Suche nach Informationen. Antworten fanden sie in Belgien bei Dr. Joost Bogemans, der Saatgut züchtet und vertreibt. „Er ist ein leidenschaftlicher Salzpflanzenenthusiast und hat über Jahre Erfahrung zu deren Anbau gesammelt“, sagt Ken. Bogemans teilte sein Know-how mit den Gründern. Auf dieser Grundlage planten sie Beete, Bewässerung und Business Case.

Wachstum auf salzigen Böden

Seespargel ist eine einjährige Kultur, die hier im Gewächshaus bei...


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