Am von Beate Kraml

Wo sich die Früchte der Arbeit fast wie von selbst ernten

Ob für eine Nuss oder einen Apfel - sich für Streuobst bücken macht den wenigsten Menschen Spaß. Obstbauern können davon ein Lied singen. Die "Obstraupe" aus Österreich schafft Abhilfe. Über eine wohltuend analoge Innovation mitten im digitalen Zeitalter.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in top agrar Österreich.

Was wird denn da über die Wiese unter den Apfelbäumen hergeschoben? Ein Rasenmäher ist es nicht. Hinter dem Gerät steht das Gras schließlich noch. Durch einen Elektromotor ist es auch viel leiser und wesentlich leichter. Obstbauer Karl Posch muss bei der "Obstraupe" des österreichischen Start-ups "Organic Tools GmbH" schon zweimal hinschauen. Wie das Gerät die Äpfel vom Boden aufsammelt und sie in einer Kiste verstaut, begeistert den Obstbauern aus Neunkirchen in Niederösterreich jedenfalls sofort.

Aus wirtschaftlicher Sicht musste er keine Sekunde nachdenken, sich die Obstraupe für 1800€ zu kaufen. „Es fehlen schon lange Personen, die bei der Ernte helfen“, erklärt der Bio-Bauer, der im eigenen Hoflokal Wein, Most und Schnaps ausschenkt. Besonders arbeitsintensiv ist dabei das Einsammeln der Äpfel im Streuobst. Mit der Obstraupe schafft er aber auch diese Fläche mit insgesamt 500 Bäumen ohne große Anstrengung und mit wenig Personaleinsatz.

Zum Erhalt von Streuobst

Die Gründer von "Organic Tools" haben die Obstraupe entwickelt. Bei Obstbauer Karl Posch (rechts) ist sie im Einsatz. (Fotos: Beate Kraml)

Genau das war auch das Ziel der Erfinder der Obstraupe, David Brunmayr und Lukas Griesbacher. Sie wollten die Obsternte erleichtern. Und zwar nicht nur für Obstbauern wie Posch, sondern auch für Personen, die nur wenige Obstbäume besitzen. „Nur etwa ein Drittel des Streuobstes in Österreich wird geerntet. Alles andere bleibt liegen. Viele entscheiden sich daher, die Bäume zu fällen, da die Früchte sonst nur verfaulen. Mit unserer Erfindung wollen wir einen Beitrag leisten, um die Kulturlandschaft Streuobstwiese auch in Zukunft zu erhalten“, erzählt David Brunmayr.

Zusammen mit seinem Studienkollegen Lukas Griesbacher hat er lange getüftelt, um ein Gerät zu entwickeln, dass eine hohe Arbeitsleistung hat, umweltschonend und noch dazu kostengünstig ist. Da Brunmayr sich als Obstbauberater vor allem mit der Obsternte beschäftigte und Griesbacher lediglich die Grundausbildung an einer höheren technischen Lehranstalt (HTL) absolvierte, suchten sie Rat bei zahlreichen Technikern. Diese entwarfen aber immer kompliziertere Lösungen. Die beiden Gründer wollten aber ein leichtes und kostengünstiges Gerät entwickeln.

Erste Raupe aus Waschmaschinen-Trommel

Schließlich erhielten sie Unterstützung von Franz Praher, einem technisch begabten Schlosser. Da er viel im Bereich...