Am von Matthias Schulze Steinmann

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Wurst vom Lausbuben

Der „Supermeatboy“ Harm Böckmann vermarktet Salamiwürste der besonderen Art. Mit mehr Tierwohl und Transparenz bricht er mit den Regeln der Fleischwirtschaft. Da muss die Ware nicht mal „Bio“ sein. 

Wenn Harm Böckmann in seiner Firmenzentrale in Vechta, Niedersachsen, den Kaffee brüht, flackert die Raumbeleuchtung. Das Büro und Lager des 29-Jährigen befinden sich auf der ehemaligen Hofstelle seines Großvaters. Der Jungunternehmer hat den alten Mauern Anfang 2016 nach Jahren des Leerstandes neues Leben eingehaucht und organisiert vom ehemaligen Wohnzimmer aus sein Start-up-Unternehmen „Supermeatboy“. An Baustellen mangelt es vor lauter Gründergeist im Oldenburger Münsterland nicht. Da muss die alte Elektrik halt noch etwas warten.

In der alten Hofstelle des Großvaters hat Harm Böckmann seine Start-up-Zentrale eingerichtet. (Bildquelle: Drießen)

Es geht um die Wurst

Schließlich haben es die Pläne des selbst ernannten Supermeatboys in sich. Harm Böckmann will nicht nur gute Würste an den Kunden bringen. Er bricht mit so ziemlich allen Konventionen der deutschen Fleischvermarktung. „Die Fleisch­industrie hat versäumt, mit den Verbrauchern zu sprechen“, ist der Jungunternehmer überzeugt und hört dabei nicht nur auf ein Bauchgefühl. Er hat sich im Rahmen seiner Masterarbeit an der Uni Berlin intensiv mit der Einstellung von Verbrauchern zu Schweinefleischprodukten auseinandergesetzt und kam zu niederschmetternden Ergebnissen: schwindendes Vertrauen in die Branche, zu wenig Kommunikation, zu wenig Transparenz.

Gleichzeitig wunderte den Niedersachsen kaum, dass das vermeintlich gefragtere Bio-Fleisch dennoch ein Nischendasein fristete (Marktanteil unter 1 %), weil die Preise deutlich über denen von konventionellen Produkten liegen.

Keine Museumslandwirtschaft

Nun möchte Harm den Beweis antreten, dass es auch anders geht und dass ein Teil der Verbraucher sehr wohl bereit ist, höhere Preise für höhere Standards zu bezahlen – sofern sich die Mehrkosten in Grenzen halten.

Er machte sich auf die Suche nach Ideen und Partnern. Zusammen mit einer Werbeagentur entwickelte er ein modernes Konzept, das statt mit einem Gutshof oder der sonst bewährten „Museumslandwirtschaft“ mit einem frechen Lausbuben wirbt und Slogans wie diesen liefert: „Fleisch ist Gottes Entschuldigung für Salat.“

Fleisch ist Gottes Entschuldigung für Salat.

Werbespruch Supermeatboy

Heute, nach rund zwei Jahren Suche, zahlreichen Gesprächen und fast ebenso vielen Absagen steht das Konzept und Harm hat Mitstreiter gefunden. Das nötige Startkapital für das Vorhaben steuerte ein bekannter Unternehmer bei, der sich inzwischen aus dem Geschäft zurückgezogen hat.

Vom Ferkel zur Salami

Die Produktionskette beginnt beim Landwirt Carl Ahrens-Westerlage aus Neuenkirchen im Kreis Osnabrück. Der 36-Jährige verfügt über rund 1500 Mastplätze, wovon sich gut 800 in einem modernen Offenstall...