Am von Anja Rüweling

Schreiben Sie Anja Rüweling eine Nachricht

Zwei Produkte, zwei Kreisläufe, zwei Standbeine

Basilikum und Barsch erzeugt das Start-up ECF im Aquaponik-System auf ihrer Farm mitten in Berlin. Die Gründer zeigen damit auch, dass sie planen und bauen können.

Mitten in Berlin liegt im Stadtteil Schöneberg auf dem ehemaligen Gelände der Schultheiss-Mälzerei die ECF Farm. ECF steht für ecofriendly. Kosteneffizient und ressourcenschonend will das Start-up hier Lebensmittel produzieren. Genauer gesagt: Basilikum und Barsch mit dem Aquaponik-Verfahren, bei dem die Ausscheidungen der Barsche aus der Aquakultur auch zum Düngen der Pflanzen in den Gewächshäusern genutzt werden. Das Wasser wird mithilfe einer intelligenten Steuerungstechnologie für den jeweiligen Kreislauf aufbereitet. Mit ihrer Anlage wollen die Gründer demonstrieren, dass Urban Farming funktionieren kann. Sie sind nicht nur Lebensmittelerzeuger, sondern auch Planer und Bauer von Farmsystemen.

Zum Start kauften sie einen Container als Prototyp

Dass Lebensmittelerzeuger heutzutage nicht selbstredend Landwirte sein müssen, zeigen die beiden Gründer Nicolas Leschke und Christian Echternacht: Christian studierte Medizin und gründete 1996 eine Internetfirma. Nicolas studierte International Business und Management sowie Sprachen und gründete sein erstes Unternehmen ebenfalls aus dem Studium heraus. Kennengelernt haben die beiden sich später über einen gemeinsamen Freund. „Wir interessieren uns beide für Nachhaltigkeitsthemen, teilen die Leidenschaft für gutes Essen und wollten Lebensmittel herstellen. So sind wir dann 2012 auf das Aquaponik-Verfahren gestoßen“, beschreibt Nicolas die Werdegänge der beiden.

Nicolas Leschke (links) und Christian Echternacht (rechts) bauten die ECF Farm auf. (Bildquelle: ECF)

Christian und er recherchierten, arbeiteten sich in das Thema ein, lernten die richtigen Leute kennen und kauften noch im selben Jahr einen Prototypen. In dem zirka zwei Meter hohen und breiten Container betrieben sie unten Aquakultur und züchteten oben Pflanzen. „Das war spannend für uns, weil wir viel gelernt haben, aber auch für andere Leute und die Presse. Da war uns klar, dass wir uns vergrößern müssen und ein Businessmodell brauchten“, erzählt Nicolas von den Anfängen. 1,6 Mio.€ benötigten sie initial für den Bau der Farm, 400.000€ investierten sie nachträglich in Steuerungssysteme und Technik. Geldgeber waren die IBB Beteiligungsgesellschaft in Berlin und ein privater Investor. Beide hielten neben den Gründern selbst Anteile und ermöglichten den Aufbau der Aquaponik-Anlage.

8.000 Töpfe Basilikum pro Woche

Jetzt stehen zwei große Gewächshäuser auf dem 1.800 Quadratmeter großen Gelände, in denen Basilikum wächst. Zwischen 6.000 und 8.000 Töpfe verlassen nach sechs Wochen Aufzucht wöchentlich die Farm. Mit dem sogenannten Hauptstadt-Basilikum beliefert ECF alle REWE-Filialen in Berlin und einige in Brandenburg sowie Mecklenburg-Vorpommern. „Das war pures Glück, dass die...