farm food Story

Feuer und Flamme für Chili

Laufend entwickelt und verfeinert die Direktvermarkterin neue Rezepturen mit Chili. (Foto: Schildmann)

Handgefertigte Feinkost mit Chili aus eigenem Anbau – so lautet die Passion von Susanne Menke aus Soltau in der Lüneburger Heide. Beim kostenlosen Tasting können Kunden erschmecken, wie vielfältig Schärfe sein kann. Im Hofladen gibt es über 60 verschiedene Spezialitäten zu entdecken.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in HOFdirekt 04/2020.

Zaghaft betritt ein Ehepaar den barrierefreien Hofladen der Chili-Manufaktur aus Soltau in Niedersachsen und schaut sich unschlüssig das Sortiment an. Beherzt begrüßt Inhaberin Susanne Menke die beiden: „Soll es etwas Fruchtiges oder Herzhaftes sein?“ Sie erklärt den Gästen, dass Chili nicht gleich Chili ist und die Schärfe je nach Sorte von mild bis extrem scharf variiert und somit nicht nur etwas für Scharfesser ist. Sie empfiehlt: „Eine leichte Schärfe mit Frucht kombiniert ist beispielsweise sehr schmackhaft auf Käse.“ Schnell ist der Bann gebrochen und die Kunden erfahren während des Verkostens, wie vielseitig sich Chili zubereiten lässt. Nach und nach füllt sich dabei der Einkaufskorb der Chilineulinge.

Milde und scharfe Schoten

Die Direktvermarkterin baut auf einer Freilandfläche von etwa 600 m2 16 verschiedene Sorten Chili unter Netzen an. Sie verhindern nicht nur Hagelschlag von oben, sondern auch, dass Rehe von außen in die Anlage eindringen und die zarten Triebspitzen abknabbern. Die einjährigen Pflanzen zieht Susanne Menke im Frühling aus zugekauftem Saatgut vor. Lediglich die scharfe rotfarbene Sorte „Mamas Liebling“ vermehrt sie selbst. „Meine Kinder haben dieser Sorte den Namen verpasst, weil ich die Schoten so gerne esse“, verrät die alleinerziehende Direktvermarkterin schmunzelnd. Ab Ende Mai pflanzt sie rund 1  600 Pflanzen ins Freiland. Da auch Schnecken Fans der Triebspitzen sind, sucht die Landfrau die Pflanzen regelmäßig per Hand ab.

Der Ertrag liegt bei etwa 35 Schoten pro Pflanze.

Susanne Menke

Auch die Farbpalette kann sich sehen lassen: Auf dem Feld reifen grüne, rote, gelbe, lilafarbene und schwarze Schoten heran. Um einen Irrtum auszuschließen: Die Farbe der Schote ist kein Hinweis auf die Schärfe. Gepflückt und verarbeitet wird ausschließlich sortenrein. Ab Ende Juli beginnt die Landfrau mit der Ernte, natürlich schonend von Hand. Denn nur so ist garantiert, dass sie nur vollreife Früchte erntet. Die Ernte endet mit dem ersten Frost, wobei die Haupterntezeit im August und September ist. Ihre Ernte verarbeitet sie ausschließlich frisch und nicht getrocknet. Neben Chili baut die gelernte Maler- und Lackierermeisterin zusätzlich bis zu 20 verschiedene Kräuter wie Schnittlauch, Petersilie, Guter Heinrich, Ewige Kresse, Zuckerwurzel, Fenchel, Basilikum und Blumen wie Rosen, Korn- und Ringelblumen für die Weiterverarbeitung an.

Susanne Menke kultiviert 16 verschiedene Sorten Chili im Freiland. (Foto: Schildmann)

Kreative Chiliküche

Der Streifzug durch den Hofladen zeigt es schnell: Die Direktvermarkterin ist äußerst kreativ. In und auf den selbst entworfenen und gebauten Möbeln finden sich rund 60 verschiedene Produkte aus eigener Hand. Hauptaugenmerk beim Sortiment sind verarbeitete frische Chilischoten, gefolgt von Kräutern aus eigenem Anbau. Das Angebot im Hofladen wird durch den Verkauf hofeigener Eier und Bresse-Hähnchen abgerundet. Zukauf ist für die Direktvermarkterin keine Option.

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Handgefertigte Feinkost mit Chili aus eigenem Anbau – so lautet die Passion von Susanne Menke aus Soltau in der Lüneburger Heide. Beim kostenlosen Tasting können Kunden erschmecken, wie vielfältig Schärfe sein kann. Im Hofladen gibt es über 60 verschiedene Spezialitäten zu entdecken.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in HOF direkt 04/2020.

Zaghaft betritt ein Ehepaar den barrierefreien Hofladen der Chili-Manufaktur aus Soltau in Niedersachsen und schaut sich unschlüssig das Sortiment an. Beherzt begrüßt Inhaberin Susanne Menke die beiden: „Soll es etwas Fruchtiges oder Herzhaftes sein?“ Sie erklärt den Gästen, dass Chili nicht gleich Chili ist und die Schärfe je nach Sorte von mild bis extrem scharf variiert und somit nicht nur etwas für Scharfesser ist.

Susanne Menke empfiehlt: „Eine leichte Schärfe mit Frucht kombiniert ist beispielsweise sehr schmackhaft auf Käse.“ Schnell ist der Bann gebrochen und die Kunden erfahren während des Verkostens, wie vielseitig sich Chili zubereiten lässt. Nach und nach füllt sich dabei der Einkaufskorb der Chilineulinge.

Chiliprodukte vor Ort verkosten

Milde und scharfe Schoten

Die Direktvermarkterin baut auf einer Freilandfläche von etwa 600 m2 16 verschiedene Sorten Chili unter Netzen an. Sie verhindern nicht nur Hagelschlag von oben, sondern auch, dass Rehe von außen in die Anlage eindringen und die zarten Triebspitzen abknabbern. Die einjährigen Pflanzen zieht Susanne Menke im Frühling aus zugekauftem Saatgut vor. Lediglich die scharfe rotfarbene Sorte „Mamas Liebling“ vermehrt sie selbst. „Meine Kinder haben dieser Sorte den Namen verpasst, weil ich die Schoten so gerne esse“, verrät die alleinerziehende Direktvermarkterin schmunzelnd. Ab Ende Mai pflanzt sie rund 1600 Pflanzen ins Freiland. Da auch Schnecken Fans der Triebspitzen sind, sucht die Landfrau die Pflanzen regelmäßig per Hand ab.

Der Ertrag liegt bei etwa 35 Chilischoten pro Pflanze.

Susanne Menke

Auch die Farbpalette kann sich sehen lassen: Auf dem Feld reifen grüne, rote, gelbe, lilafarbene und schwarze Schoten heran. Um einen Irrtum auszuschließen: Die Farbe der Schote ist kein Hinweis auf die Schärfe. Gepflückt und verarbeitet wird ausschließlich sortenrein. Ab Ende Juli beginnt die Landfrau mit der Ernte, natürlich schonend von Hand. Denn nur so ist garantiert, dass sie nur vollreife Früchte erntet.

Die Ernte endet mit dem ersten Frost, wobei die Haupterntezeit im August und September ist. Ihre Ernte verarbeitet sie ausschließlich frisch und nicht getrocknet. Neben Chili baut die gelernte Maler- und Lackierermeisterin zusätzlich bis zu 20 verschiedene Kräuter wie Schnittlauch, Petersilie, Guter Heinrich, Ewige Kresse, Zuckerwurzel, Fenchel, Basilikum und Blumen wie Rosen, Korn- und Ringelblumen für die Weiterverarbeitung an.

Susanne Menke kultiviert 16 verschiedene Sorten Chili im Freiland. (Foto: Schildmann)

Kreative Chiliküche für 30.000€

Der Streifzug durch den Hofladen zeigt es schnell: Die Direktvermarkterin ist äußerst kreativ. In und auf den selbst entworfenen und gebauten Möbeln finden sich rund 60 verschiedene Produkte aus eigener Hand. Hauptaugenmerk beim Sortiment sind verarbeitete frische Chilischoten, gefolgt von Kräutern aus eigenem Anbau. Das Angebot im Hofladen wird durch den Verkauf hofeigener Eier und Bresse-Hähnchen abgerundet. Zukauf ist für die Direktvermarkterin keine Option.

In ihre 20 m2 großen Chiliküche investierte die Unternehmerin 30.000€  und viel Eigenleistung. Hier entwickelt und verfeinert sie fortlaufend neue Rezepturen mit und ohne Chili für Marinaden, Pasten, Soßen, Dips, süße und pikante Brotaufstriche oder Würzmischungen. Besonders Grillfreunde und Barbecue-Liebhaber kommen auf ihre Kosten.

Bei den Chiliprodukten variiert der verarbeitete Anteil an Chili je nach Sorte und Rezeptur. Harissa enthält beispielsweise 72% Chili. Die hierfür verwendete Sorte hat den Schärfegrad 7. Die Chilimarinade ist mit 34% Chili zubereitet, die Chili-Honig-Creme mit 3,85% und der Käseheld „Paprika“ enthält dagegen nur eine Nuance Chili. Alle Produkte sind liebevoll in Gläsern und Flaschen abgefüllt – schließlich kauft das Auge mit. Und dann braucht ein gutes Produkt einen treffenden Namen.

Heide Inferno

„Namen wie ,Bier-Griller‘, für eine Chili-BBQ-Soße mit Schwarzbier, ,Peterle‘ für eine Suppenwürze, ,scharfes Schnittchen‘ für ein Schnittlauchpesto, ,Gartengeflüster‘ oder ,Italiens Affäre‘ für Würzpasten auf Kräuterbasis kommen mir spontan in den Sinn oder meine beiden Jungs haben eine Idee“, verrät die Mutter. Zusätzlich bezieht sie zur Namensfindung auch ihre Kunden mit ein. So ermittelte sie den Namen ,Heide Inferno‘ für ihr feurigstes Produkt per Facebookabfrage. Die Chilipaste ist mit einer der schärfsten Chilisorten der Welt zubereitet: „Trinidad Scorpion butch T“. Abgefüllt im 30g Glas kostet sie im Onlineshop 8,99€.

Im Hofladen findet sich eine große Auswahl an Chiliprodukten mit unterschiedlichen Schärfegraden und zahlreiche Kräuterspezialitäten – alles aus Manufaktur. (Foto: Schildmann)

„Oma Hanna“, die Milde

Anfänglich vermarktete Susanne Menke ihre gesamte Produktpalette unter dem Label „Sacred Heart“. Inzwischen verwendet sie aus gutem Grund zwei Marken: Damit Kunden sich besser orientieren können, verwendet die Direktvermarkterin für reine Kräuterspezialitäten ohne Chili das Label „Oma Hanna“. „Ich habe es in Anlehnung an meine verstorbene Mutter entworfen, die sich wunderbar mit Kräutern auskannte“, verrät Menke.

Mitbringsel im Wert von 80 bis 90€

Damit die Glasverpackung edel daherkommt, hat sie sich selbstklebende Zinnetiketten mit dem Konterfei der Mutter prägen und ausstanzen lassen. Bei einer Bestellmenge von 5.000 Stück liegen die Stückkosten je Etikett bei knapp unter 30 Cent. Im Hofladen sind Präsentkörbe ab 15€ und Geschenkverpackungen sehr gefragt. „Besonders beliebt ist beispielsweise unsere schwarze Geschenkkartonverpackung für vier Minigläser à 35g“, berichtet die Vermarkterin. Die Verpackung ist mit 43 Cent pro Stück nicht günstig, sieht aber sehr hochwertig aus und kommt bei Kunden gut an.

Die Arbeitsbelastung ist in den Sommermonaten deutlich höher als im Winterhalbjahr.

Susanne Menke

In den Monaten Juli bis Oktober haben interessierte Kunden samstags von 16 bis 19 Uhr die Möglichkeit, eine Auswahl an unterschiedlichen Chilispezialitäten unentgeltlich zu kosten. Um der Nachfrage gerecht zu werden, ist hierfür lediglich eine Anmeldung erforderlich. Da der Betrieb inmitten einer Urlaubsregion liegt und von der Nähe zur Autobahn A7 profitiert, kommen an diesem Tag gerne Urlauber auf der Durchreise von der See in die Heimat vorbei. Im Schnitt kaufen sie Mitbringsel im Wert von 80 bis 90€ ein.

Dass im weiteren Verlauf häufig weitere Bestellungen im Onlineshop folgen, freut die Vermarkterin besonders. Hier verzeichnet sie gute Zuwachsraten. Von Mai bis Oktober sind unter regulären Voraussetzungen, ohne Corona-Auflagen auch Gruppenführungen mit Verkostung für bis zu 70 Personen bei Menkes buchbar. Erfahrungsgemäß wird dieses Angebot etwa 25 mal pro Saison gebucht. Während Buchungen über Reiseveranstalter zuverlässig sind, funktioniert dies bei Privatbuchungen leider nicht immer.

Corona-Jahr akzeptieren

Präsentkörbe im Wert von 15 € laufen in der Chili-Manufaktur besonders gut. (Foto: Schildmann)

Regulär verkauft Susanne Menke während des Sommers ihre Spezialitäten zusätzlich auf fünf bis sechs regionalen Sonntagsmärkten. Da diese aktuell ebenfalls nicht auf dem Programm stehen freut sie sich, dass sie ihre Produkte zusätzlich bei weiteren Wiederverkäufern listen konnte: „Ich habe mich auf das besondere Jahr mit einem Umsatzrückgang eingestellt.“ Entsprechend richtet sie auch ihre jährliche Gesamtproduktion aus.

Viel Zeit verbringt die Vermarkterin in ihrer Chiliküche beim Experimentieren. Aus diesem Grund öffnet sie den Hofladen mittwochs und samstags nur von 16 bis 19 Uhr. Freitags steht der Laden von 9 bis 19 Uhr zum Verkauf offen. Entlastung erhält die kreative Unternehmerin lediglich durch ihre fast erwachsenen Söhne. Sie springen notfalls beim Verkauf ein. Dass ihr umfangreiches Sortiment rund um Chili und Kräuter ankommt, bestätigt der Blick in die gefüllten Einkaufskörbe ihrer Kunden.


Betriebsspiegel

  • Betriebsleiterin: Susanne Menke (50), gelernte Maler- und Lackierermeisterin, hauptberuflich auf dem Betrieb tätig, Kinder: Carlos (19) und Marco (16), beide helfen beim Verkauf
  • Lage: Dannhorn, bei Soltau in der Lüneburger Heide in Niedersachsen
  • Betrieb: 3 ha Streuobstwiese, 0,7 ha Chili- und Kräuteranbau: 16 verschiedene Sorten Chili, von mild bis extrem scharf, verschiedene Größen und Farben; rund 20 Sorten Kräuter; 24 Hühner im Mobilstall, 100 Bresse-Hähnchen im Mobilstall
  • Direktvermarktung: 2007 Beginn Anbau von Chili, 2013 Eröffnung des 35 m2 großen Hofladens
  • Sortiment: rund 60 verschiedene Chili- und Kräuterfeinkostprodukte ausschließlich aus eigener Produktion, Eier, Hähnchen
  • Absatzwege: Hofladen (50 %), Sondermärkte (20 %), Onlineshop (20 %), Wiederverkäufer (10 %)
  • Öffnungszeiten Hofladen: mittwochs und samstags jeweils von 16 bis 19 Uhr, freitags von 9 bis 19 Uhr
  • Sonstige Veranstaltungen: Von Mai bis Oktober Führungen und Verkostungen www.die-chili-manufaktur.de