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Fleisch aus dem Labor ist keine Alternative free

Fleischkonsum ohne Tierhaltung: Start-ups und Investoren aus der In-vitro-Fleisch-Szene versprechen derzeit viel. Doch wer will die Ersatzprodukte essen? (Foto: tilialucida/stock.adobe.com)

Laborfleisch soll die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung sichern, ohne konventionelle Tierhaltung betreiben zu müssen. Doch mehr als 50% der Deutschen können sich den Fleischersatz nicht als Alternative vorstellen. Gleichzeitig sinkt der Konsum von „echtem“ Fleisch. Die Gründe sind verschieden.

Der Verzehr von Laborfleisch bleibt die Ausnahme. Das ist zumindest das Ergebnis des vergangene Woche veröffentlichten „Technik Radars 2020“. Rund 2.000 zufällig ausgewählte Personen wurden dafür befragt. Auftraggeber der Befragung sind die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und die Körber-Stiftung. Das Ergebnis: Den Verzehr von Laborfleisch können sich gerade einmal 24% der Konsumenten vorstellen.

Erwartungen und Realität passen nicht zusammen

Bisher stimmen die Erwartungen der Konsumenten mit der Realität nicht überein. Denn ganz ohne Tierhaltung geht es noch immer nicht: Für die Herstellung von In-vitro-Fleisch sind unter anderem tierische Stammzellen nötig. Aus diesen Zellen werden im Labor mit Hilfe einer Nährlösung Muskelfasern gezüchtet. Das entspricht nicht der Vorstellung der Deutschen von künstlich erzeugtem Fleisch.

Fetales Kälberserum wird aus dem Blut von Kuhfetten gewonnen und zur Aufzucht und Kultivierung von Zellen in der Zellkultur benötigt. (Grafik: Christina Helmer)

Die geringe Zustimmung hängt mit einer Reihe negativer Aspekte zusammen, die der Verbraucher mit Laborfleisch in Verbindung bringt. Fast zwei Drittel (64,8%) befürchten, der Verzehr von Laborfleisch führe zu einer weiteren Entfremdung der Menschen von der Erzeugung ihrer Nahrungsmittel. Fast jeder Zweite (47,1%) hält Laborfleisch für risikoreicher als tierisches Fleisch und eine breite Mehrheit (57,8%) hält Laborfleisch nicht für einen geeigneten Lösungsansatz, um die globale Ernährungsproblematik zu überwinden.

Insgesamt meint nur eine Minderheit (15,7%), Laborfleisch sei eine gute Sache. Besonders skeptisch sind Frauen im mittleren und höheren Lebensalter, während junge Männer synthetisches Fleisch deutlich positiver bewerten. Doch auch Fleisch aus rein tierischer Erzeugung steht nicht mehr so hoch im Kurs wie noch vor einigen Jahren.

Weniger Fleisch auf den Tellern

Aus einer Forsa-Befragung des Bundeslandwirtschaftsministeriums zu den Ernährungsgewohnheiten der Deutschen geht hervor, dass der Fleischkonsum im Land weiter leicht abnimmt. Nur 26% der Befragten essen täglich Fleisch oder Wurst. 2015 war dies noch bei 34% der Fall. Ein Grund: Insbesondere immer mehr Männer verzichten auf ihre tägliche Portion Fleisch. Bei ihnen sank der Anteil von 39% im Jahr 2019 auf nun 32% (Frauen: 20%).

Pflanzliche Frikadellen und Co. landen währenddessen immer häufiger in den Einkaufskörben der Konsumenten: Knapp die Hälfte der Befragten (49%) hat schon einmal oder öfter vegetarische oder vegane Alternativen zu tierischen Produkten gekauft. Die Gründe dafür: 75% der Befragten sind vor allem neugierig, wenn sie diese Alternativen kaufen. 48% tun es aus Tierschutzgründen und 41% treffen ihre Entscheidung, weil sie das Klima schützen wollen. 55% der Befragten bezeichnen sich als Flexitarier – sprich Fleischesser, die gelegentlich bewusst auf Fleisch verzichten. Der Anteil von Vegetariern (5%) und Veganern (1%) in Deutschland ist unverändert.

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