food future Interview

Fleisch per Post: Gekühlt ohne Styropor?

Auch in der Nahaufnahme sieht man an Styropor als Verpackungsmaterial wenig Gutes. Der Webshop "Kalieber" testet jetzt eine Verpackungsalternative für den Frischfleisch-Versand. (Foto: adobe.stock.com/Yakov)

Der Webshop "Kalieber" versendet Frischfleisch und Wurstwaren per Post. Das Fleisch erfüllt höhere Tierwohl-Standards. Aber das hohe Verpackungsaufkommen war den Gründern und vielen Kunden lange ein Dorn im Auge. Jetzt gibt es eine Alternative.

Daran kommt kein Online-Shop-Betreiber vorbei - auch keiner, der besonders ökologisch und nachhaltig produzierte Ware verkauft: Das Produkt muss bruchsicher verpackt und schnellstmöglich zum Kunden geliefert werden. Handelt es sich bei dem Versandprodukt um Frischfleisch, kommen hohe gesetzliche Anforderungen hinzu. f3 hat mit Sarah Dhem, Geschäftsführerin des Webshops "Kalieber" über eine Verpackungsalternative gesprochen, die das Jungunternehmen seit kurzem ausprobiert.

f3 - farm. food. future.: Was hat Kalieber dazu gebracht, eine alternative Verpackung für den Fleischversand einzuführen?

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Der Webshop „Kalieber“ versendet Frischfleisch und Wurstwaren per Post. Das Fleisch erfüllt höhere Tierwohl-Standards. Aber das hohe Verpackungsaufkommen war den Gründern und vielen Kunden lange ein Dorn im Auge. Jetzt gibt es eine Alternative.

Daran kommt kein Online-Shop-Betreiber vorbei – auch keiner, der besonders ökologisch und nachhaltig produzierte Ware verkauft: Das Produkt muss bruchsicher verpackt und schnellstmöglich zum Kunden geliefert werden. Handelt es sich bei dem Versandprodukt um Frischfleisch, kommen hohe gesetzliche Anforderungen hinzu. f3 hat mit Sarah Dhem, Geschäftsführerin des Webshops „Kalieber“ über eine Verpackungsalternative zu Styropor gesprochen, die das Jungunternehmen seit kurzem ausprobiert.

f3 – farm. food. future.: Was hat Kalieber dazu gebracht, eine alternative Verpackung für den Fleischversand einzuführen?

Sarah Dhem: Der eigene Verstand?! Dass Styroporboxen nicht als ökologisch und nachhaltig durchgehen, liegt auf der Hand. Wir haben aber zwei Jahre gebraucht, um eine Alternative zu finden, die die gesetzlichen Anforderungen an die Temperaturführung auch wirklich einhalten. Das war bei allen anderen Varianten in unseren Tests nicht der Fall.

Kühlakkus kommen nach wie vor zum Einsatz. Aber die Styropor-Box wurde durch Dämmung aus Zellulose ersetzt. Der Verbraucher muss einen Aufpreis zahlen. (Foto: Kalieber)

Schreckt Verpackungsmüll Kunden ab?

f3: Welche gesetzlichen Vorgaben gibt es für den Versand von Frischfleisch?

Sarah: Die Ware muss beim Kunden gekühlt unter 7 °C ankommen, tiefgekühlte Ware sogar unter -18°C. Da gibt es keine Toleranzgrenze! Diese Vorschriften bestehen und alle, die kühlpflichtige Lebensmittel versenden, müssen sich daran halten. Wie das auch im Kühlregal und an der (SB-)Theke selbstverständlich ist.

f3: Nach Angaben des Umwelt Bundesamtes nimmt die Verpackungsmenge seit Jahren stetig zu: Kleine Haushalte und Senioren greifen gern zu fertig abgepackten Lebensmitteln und auch der Online-Versand, der weitere Umverpackungen benötigt, erkämpft sich Marktanteile. Wie groß war das Müll- und Verpackungsaufkommen bei Kalieber vorher?

Sarah: Kurz gesagt: Jede der Bestellungen ging in einer Styrobox raus. Zu groß also.

So kam die Kalieber-Lieferung bis vor kurzem beim Kunden an. Die Styropor-Schicht war mehrere cm dick. (Foto: Piepenbrock)

f3: Inwiefern haben die Verbraucher den hohen Verpackungsaufwand beim Versand von Frischfleisch vorher überhaupt hinterfragt? Waren sie da kritisch?

Sarah: Einige haben gefragt, einige nicht. Einige haben hinterher gesagt, dass sie das nicht optimal finden. Wie gesagt, es gab bislang keine Verpackungs-Alternative, die den Anforderungen gerecht wurde.

f3: Ich unterstelle jetzt mal, dass Ihre Kunden bewusste Konsumenten sind. Schließlich geben sie für das Fleisch mit höheren Tierwohl-Standards auch etwas mehr Geld aus. Glauben Sie, dass diese Konsumenten abgeschreckt waren von der Verpackungsmenge?

Sarah: Ja, das war und ist schon so. Wir merken es jetzt auch an den Reaktionen auf die neue Verpackung. Viele kommentieren nun, dass sie jetzt entweder wieder lieber bestellen, mit besserem Gewissen – oder eben auch überhaupt das erste Mal.

Dass Styroporboxen nicht als ökologisch und nachhaltig durchgehen, liegt auf der Hand.

Sarah Dhem, Geschäftsführerin von Kalieber

f3: Bei der neuen Verpackung ersetzen Zellulosefasern das Styropor. Welch Vorteile hat das und wo lagen die Schwierigkeiten? Wie groß ist das „Risiko“ bei so einer Umstellung?

Tierwohl-Wurst per Post

Sarah: Die Isolierschicht besteht aus Zellulosefasern, die eine ökologische und leistungsstarke Alternative zu Styroporboxen bieten. Zellulosefasern haben einen sehr geringen Energiebedarf gegenüber anderen Dämmstoffen und können eine positive CO2 Bilanz vorweisen. Im Vergleich zur Styroporbox wird bei der Produktion 30 x weniger Energie verbraucht. Der Anbieter „easy2cool“ ist auf uns zugekommen und hat so schon verschiedene Größen und Systeme im Angebot. Wir mussten sie nur noch auf unsere Kartongrößen anpassen und testen. 

Aufwendiger Testversand

f3: Wie haben Sie die Verpackung getestet?

Sarah: Wir haben Ware in extremen Temperaturbedingungen mit Temperaturloggern getestet und den Temperaturverlauf dabei kontrolliert und ausgewertet. Das waren viele, viele Tests mit über 30 verschiedenen Verpackungsmaterialien und Varianten an Kühlmöglichkeiten. Fakt ist: Die Ware muss unter 7°C ankommen. Das war der Parameter, der entscheidet.

f3: Ist die neue Verpackung im Einkauf teurer oder günstiger für Sie? Wird der Mehrpreis ggf. auf den Kaufpreis aufgeschlagen?

Sarah: Die Verpackung ist definitiv teurer. Wir werden den Preis anpassen müssen, wollen aber den Übergang abwarten und auch gucken, wie sehr sich das neue Verpackungsmedium auf den Umsatz auswirkt.