digital food Interview

Food E-Commerce regional gedacht

Eike-Claudius Kramer (31) verantwortet als Vorstand das operative Geschäft sowie die strategische Weiterentwicklung der Genossenschaft Wochenmarkt 24. (Foto: Wochenmarkt 24)

Im vergangenen Herbst startete Wochenmarkt 24, ein digitaler Marktplatz für regionale Lebensmittel. Was als Blaupause in Ostwestfalen erprobt wird, soll mittelfristig auf ganz Deutschland übertragen werden - auch, als Gegenentwurf zu E-Commerce Riesen wie Amazon. Wir sprachen mit Vorstand Eike-Claudius Kramer.

f3 – farm. food. future: Der Online-Umsatz von Lebensmitteln wächst, nimmt insgesamt aber einen noch sehr geringen Anteil ein. Wo geht die Entwicklung von Food E-Commerce hin?

Eike-Claudius Kramer: Der Onlinehandel mit Lebensmitteln wird in nächsten Jahren stärkere Wachstumsraten denn je erfahren. Unsere gesamte Gesellschaft steht vor einem digitalen Umbruch. Die Entwicklung des Food E-Commerce ist dabei nur ein Teilprozess. Insbesondere Hofläden und der kleine stationäre Anbieter sind von dieser Entwicklung gefährdet, da ihre Kundschaft zunehmend älter wird und die jüngere Generation nicht in gewohnter Weise nachrückt. Die zentrale Frage ist also, wie hochwertige und regionale Lebensmittel von kleinen Erzeugern auch in Zukunft ihren Weg zu den Kunden finden. Online-Lebensmittelhandel kann dabei einen entscheidenden Beitrag leisten, wenn er fair und transparent organisiert ist.

Für Direktvermarkter gibt es in der Region Bielefeld-Gütersloh mit Wochenmarkt 24 einen neuen Vertriebsweg. (Foto: Drießen)

f3: Wochenmarkt 24 ist als Genossenschaft organisiert (Konzept siehe unten). Was bedeutet das für die Erzeuger?

Eike-Claudius Kramer: Die Unternehmensform der eingetragenen Genossenschaft soll den Mitgliedern größtmögliche Selbstbestimmung und Freiheit eröffnen. Sie können selbständig über Verkaufspreise und angebotene Mengen entscheiden. Die Genossenschaft macht in dieser Hinsicht keinerlei Vorschriften. Jeder Produzent kann mit einer angemessenen Marge arbeiten.

f3: Wer verdient an dem Portal?

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Im vergangenen Herbst startete Wochenmarkt 24, ein digitaler Marktplatz für regionale Lebensmittel. Was als Blaupause in Ostwestfalen erprobt wird, soll mittelfristig auf ganz Deutschland übertragen werden – auch, als Gegenentwurf zu E-Commerce Riesen wie Amazon. Wir sprachen mit Vorstand Eike-Claudius Kramer.

f3 – farm. food. future: Der Online-Umsatz von Lebensmitteln wächst, nimmt insgesamt aber einen noch sehr geringen Anteil ein. Wo geht die Entwicklung von Food E-Commerce hin?

Eike-Claudius Kramer: Der Onlinehandel mit Lebensmitteln wird in nächsten Jahren stärkere Wachstumsraten denn je erfahren. Unsere gesamte Gesellschaft steht vor einem digitalen Umbruch. Die Entwicklung des Food E-Commerce ist dabei nur ein Teilprozess. Insbesondere Hofläden und der kleine stationäre Anbieter sind von dieser Entwicklung gefährdet, da ihre Kundschaft zunehmend älter wird und die jüngere Generation nicht in gewohnter Weise nachrückt. Die zentrale Frage ist also, wie hochwertige und regionale Lebensmittel von kleinen Erzeugern auch in Zukunft ihren Weg zu den Kunden finden. Online-Lebensmittelhandel kann dabei einen entscheidenden Beitrag leisten, wenn er fair und transparent organisiert ist.

Für Direktvermarkter gibt es in der Region Bielefeld-Gütersloh mit Wochenmarkt 24 einen neuen Vertriebsweg. (Foto: Drießen)

f3: Wochenmarkt 24 ist als Genossenschaft organisiert (Konzept siehe unten). Was bedeutet das für die Erzeuger?

Eike-Claudius Kramer: Die Unternehmensform der eingetragenen Genossenschaft soll den Mitgliedern größtmögliche Selbstbestimmung und Freiheit eröffnen. Sie können selbständig über Verkaufspreise und angebotene Mengen entscheiden. Die Genossenschaft macht in dieser Hinsicht keinerlei Vorschriften. Jeder Produzent kann mit einer angemessenen Marge arbeiten.

f3: Wer verdient an dem Portal?

Eike-Claudius Kramer: Die Genossenschaft und folglich ihre Erzeuger sind alleinige wirtschaftliche Profiteure. Für die Bereitstellung der Onlineplattform und der Logistik wird eine in der Satzung festgesetzte Provision vom Umsatz an die Genossenschaft abgeführt. Diese kann auf der Jahreshauptversammlung von den Erzeugern kraft Mitgliederentscheid angepasst werden. Umsätze abzüglich der Genossenschaftsprovision werden sofort an die Erzeuger vergütet. Am Ende des Jahres können die Mitglieder selbst darüber entscheiden, wie mit potentiellen Überschüssen verfahren wird. Sollen diese bspw. als Einlage in die Genossenschaft gegeben werden oder soll eine Rückvergütung an die Mitglieder erfolgen.

Die zentrale Frage ist, wie hochwertige und regionale Lebensmittel von kleinen Erzeugern auch in Zukunft ihren Weg zu den Kunden finden. Online-Lebensmittelhandel kann dabei einen entscheidenden Beitrag leisten.

Eike-Claudius Kramer

f3: Initiiert wurde Wochenmarkt 24 von Schlachtunternehmer Robert Tönnies. Was genau war und ist seine Rolle im Projekt?

Eike-Claudius Kramer: Robert Tönnies hat mit seinem Engagement die Startfinanzierung der Genossenschaft sichergestellt. Durch diesen Umstand konnte der Aufbau der Plattform und der eigenen Logistik erheblich beschleunigt werden. Mittelfristig soll die Genossenschaft natürlich auf eigenen, wirtschaftlich stabilen Füßen stehen. Zusätzlich hat Robert Tönnies die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden inne und unterstützt somit in Fragen des Managements.

f3: Wie finden regionale Erzeuger und Plattform zueinander?

Eike-Claudius Kramer: Durch das landwirtschaftliche und unternehmerische Netzwerk der Region gab es bereits immer einzelne Kontakte zu Hofläden und Erzeugern. Über das Konzept informiert wurden diese mittels Direktansprache. Die Idee einer Onlineplattform „von der Region – für die Region“ fand schnell großen Zuspruch, so dass im August 2018 die ersten zehn Produzenten aus den unterschiedlichsten Branchen (landwirtschaftliche Betriebe, Bäckereien, Metzger, Gemüsebetriebe, Feinkost) zugesagt hatten. Am 04. September 2018 konnte dann die Gründungsversammlung der Genossenschaft abgehalten werden. Mittlerweile haben sich vierzehn Erzeuger in der Genossenschaft organisiert.

Lebensmittelhandel: In Deutschland werden mittlerweile mehr als 40 Mrd. € im Onlinehandel erwirtschaftet. Foto: Pexels / PhotoMIX Ltd.

f3: Wie ist der Online-Marktplatz angelaufen? Wie wird er angenommen?

Eike-Claudius Kramer: Aktuell befinden wir uns in der Testphase. Für das Liefergebiet von Wochenmarkt 24, das die Städte Bielefeld, Gütersloh, Verl und Rheda-Wiedenbrück umfasst, haben sich etwa 2500 Kunden registriert, die wir aber noch nicht alle freischalten konnten. 500 Kunden sind zu Testzwecken bisher freigeschaltet. Es besteht also noch ein großes Potential weitere Menschen für unser Konzept zu begeistern. Darüber hinaus haben wir aus ganz NRW, besonders aus dem Ballungsraum des Ruhrgebietes, aber auch aus Städten wie Münster, zahlreiche Registrierungen erhalten. Für uns ein klarer Beleg dafür, dass der Wunsch nach regionalen Einkaufsmöglichkeiten mit Direktbelieferung groß ist und weiter ansteigt.

Mittelfristig sollen eigene neue genossenschaftliche Zellen in ganz Deutschland gegründet werden.

Eike-Claudius Kramer

f3: Was heißt das für Wochenmarkt 24? Bestehen Erweiterungspläne?

Eike-Claudius Kramer: Die Region Bielefeld-Gütersloh vereinbart auf wunderbare Weise eine hohe potentielle Kundendichte mit vielen kleinen und mittelständischen Erzeugern. Ein guter Grund hier zu beginnen. Dabei soll diese Region nur als Blaupause dienen, in der ein schlüssiges und wirtschaftlich tragbares Konzept initiiert wird. Mittelfristig sollen dann eigene neue genossenschaftliche Zellen in ganz Deutschland gegründet werden, die die gleiche Verkaufs-Plattform nutzen können, aber mit eigenen Erzeugern und Kunden ihrer Region arbeiten.

f3: E-Commerce-Riesen wie Amazon sind schon lange am Markt und vertreiben auch Lebensmitteln. Wie hebt sich Wochenmarkt 24 davon ab?

Eike-Claudius Kramer: Die Unternehmensform der eigetragenen Genossenschaft ist hier ein entscheidender Unterschied. Der Anbau, die Veredelung bzw. die Produktion und der Verkaufserlös bleiben in der Region. Das stärkt die mittelständischen Strukturen des ländlichen Raumes vor Ort.
Die Macht- und Größenverhältnisse im E-Commerce haben in den letzten Jahren bedenkliche Größenordnungen angenommen. Die wirtschaftlichen Abhängigkeiten zu Riesen wie Amazon kann jeder bereits in anderen Branchen erkennen. Wir sind ambitioniert genug, mit unserem Konzept dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen.

Die wirtschaftlichen Abhängigkeiten zu Riesen wie Amazon kann jeder bereits in anderen Branchen erkennen. Wir sind ambitioniert genug, mit unserem Konzept dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen.

Eike-Claudius Kramer

Unser Motto „heute bestellt“ – „bis morgen früh geliefert“ liefert zudem in Rekordzeit frische Lebensmittel in bester Qualität (häufig direkt vom Feld). Dies kann nur funktionieren, da Kunde und Erzeuger räumlich so eng beieinander liegen. Mehr Frische geht nicht.


Wochenmarkt 24: Das Konzept

Wochenmarkt 24 ist ein virtueller regionaler Wochenmarkt für die Region Bielefeld und Gütersloh. 14 Erzeuger bieten auf der Plattform Fleisch, Gemüse, Brot, Milch und weitere Produkte an. Kunden können ihre Bestellung
online bis 18 Uhr aufgeben. Die jeweiligen Erzeuger werden in Echtzeit per E-Mail benachrichtigt und bereiten ihre Produkte vor. Gegen 20 Uhr werden die Bestellungen von einem Wochenmarkt-24-Mitarbeiter abgeholt und die individuellen Warenkörbe der Kunden zusammengestellt. Auch die Auslieferung erfolgt über Wochenmarkt 24: Am nächsten Morgen stehen die Bestellungen bis 6 Uhr vor der Tür der Kunden. Geliefert wird in ISO-Boxen, die auf Wunsch abschließbar und je nach gewählten Produkten mit Kühlakkus versehen sind.
Wochenmarkt 24 ist als Genossenschaft organisiert und auf die Region Gütersloh-Bielefeld beschränkt: Die Erzeuger müssen aus der Region stammen und auch der Vertrieb erfolgt in einem Umkreis von maximal 30 km. Die Genossenschaft beschäftigt aktuell vier Mitarbeiter in der Verwaltung und vier Fahrer in Vollzeit zur Abholung und Auslieferung. Die Erzeuger übernehmen die Kommissionierung der Waren.