Am von Anja Rüweling

Schreiben Sie Anja Rüweling eine Nachricht

Alle Unternehmen auf Grün

Recycelbare Verpackungen, pflanzliche Fleischalternativen, nachhaltige Lebensmittel oder digitale Systeme für die Vermarktung von Landmaschinen: Immer mehr Unternehmen rüsten sich für die Zukunft und setzen in punkto Nachhaltigkeit auf Start-ups.

Sie hält nach, ist von Dauer, für die Zukunft. Sie wird gepriesen, gepredigt und gelebt. Von manchen mehr, von anderen weniger. Sie ist jedenfalls präsenter denn je: Nachhaltigkeit boomt. Auch immer mehr Unternehmen aus der Agrar- und Food-Branche stellen sich nachhaltig auf. Beispiele dafür gibt es entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Acker bis zum Teller. Dabei unterscheiden sich die Gründe und Motivationen für eine nachhaltige Ausrichtung des Unternehmens ebenso, wie die Herangehensweisen an das Thema. f3 hat sich die Strategien ausgewählter Unternehmen und die Trends und Treiber genauer angeschaut.

Der ganze Nachhaltigkeitstrend ist ein großes Ding und stößt Veränderungen an.

Prof. Dr. Stefanie Bröring

70 % der Verbraucher halten Nachhaltigkeit für wichtig. Das zeigte 2017 die Studie „Sustainability Image Score“ vom Marktforschungsunternehmen „Facit Research“ und „Serviceplan Berlin“. Mit steigender Tendenz beeinflusst Nachhaltigkeit auch das Image von Unternehmen. Ob sich der Verbraucherruf auch im tatsächlichen Kaufverhalten widerspiegelt, bleibt fraglich. Nachhaltigkeit gilt aber mindestens als Treiber für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Unternehmenssparten. „Der ganze Nachhaltigkeitstrend ist ein großes Ding und stößt Veränderungen an“, sagt etwa Prof. Dr. Stefanie Bröring, Professorin für Technologie- und Innovationsmanagement im Agribusiness an der Universität Bonn. „Wenn sich beispielsweise im Bereich Pflanzenproduktion bestimmte politische Einflüsse durchsetzen und chemische Pflanzenschutzmittel nach und nach verboten werden, dann wird sich die gesamte Branche anpassen müssen.“

Treiber der Veränderungen

So können politische Entscheidungen ebenso Treiber für Veränderungen und innovative Entwicklungen sein, wie sich ändernde Konsumentengewohnheiten. Das betrifft derzeit insbesondere den Konsum von Fleisch. Für die eigene Gesundheit, aus Tierwohl- und Klimabedenken oder einfach, weil es Trend ist, verzichten immer mehr Menschen darauf. Vielleicht auch, weil es vermehrt pflanzliche Fleischersatzprodukte auf dem Markt gibt. Hier kann das Angebot erst die Nachfrage schaffen. Jedenfalls stagniert der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch laut Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft (BLE) in Deutschland.

Hierzulande zeichnet sich der Trend Flexitarismus ab: Fleisch kommt seltener auf den Speiseplan und wird immer öfter durch pflanzliche Alternativen ersetzt. So ist es nicht verwunderlich, dass neben Start-ups auch etablierte Fleischkonzerne wie Rügenwalder Mühle, Danish Crown und Smithfield Foods ihr Sortiment um Produkte auf Pflanzenbasis erweitern. Sie wollen vom wachsenden Veggiemarkt profitieren. Auch die PHW-Gruppe, zu der die Marke Wiesenhof gehört, reagiert auf die steigende Nachfrage nicht-tierischer Alternativen. So sicherte sie sich zunächst die Vertriebsrechte in Deutschland für die pflanzlichen Burger-Patties des US-amerikanischen Unternehmens „Beyond Meat“.

Für die Zukunft wirtschaften

Ende dieses Jahres startet PHW in Deutschland mit dem Vertrieb von veganem Flüssigei, Anfang des kommenden Jahres mit dem Vertrieb eines milchfreien Mozzarellas auf Mandelbasis. Der Wiesenhof-Mutterkonzern investierte außerdem in das israelische FoodTech-Start-up „Supermeat“, das Fleisch künstlich im Labor erzeugen will. Ebenso beteiligte sich das Unternehmen an „Enterra Feed Corporation“, einem kanadischen Start-up, das Insektenproteine als Alternative zu Soja im Geflügelfutter herstellen will.

Burger-Patties und...